Neuzulassungen Der Gewerbekundenmarkt fährt in die Krise

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

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Noch ist es nur ein erster Dämpfer nach einer langen Absatzrallye – die gewerblichen Neuzulassungen stagnierten im Oktober. Dafür ging es in zwei Absatzkanälen nach oben, die auch eher Indikatoren für Probleme sind.

Die Zahl der Neuzulassungen wächst, doch das Plus wird plötzlich nur noch von Privatkunden getrieben. Der Gewerbekundenmarkt schwächelt.(Bild:  Grimm – privat)
Die Zahl der Neuzulassungen wächst, doch das Plus wird plötzlich nur noch von Privatkunden getrieben. Der Gewerbekundenmarkt schwächelt.
(Bild: Grimm – privat)

Die hohen Wachstumsraten im Gewerbekundengeschäft gehören der Vergangenheit an. Im Oktober haben die Neuzulassungszahlen in diesem Käufersegment erstmals seit vielen Monaten stagniert. Arbeitstagebereinigt sei der Absatz an die Firmen- und Flottenkunden sogar gesunken, zeigt eine Auswertung der Neuzulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamts durch die Marktforschung Dataforce.

Konkret vermelden die Analysten für das Gewerbekundensegment 71.811 Neuzulassungen. Das sind 60 mehr als im Vorjahresmonat – der jedoch einen Arbeitstag mehr hatte. Diese Entwicklung hängt laut Dataforce stark mit dem Wegfall der Elektroförderung für gewerbliche Kunden zusammen, die Ende August ausgelaufen war. In der Folge waren die Erstzulassungen von batterieelektrischen Pkw (–19 %) und Plug-in Hybriden (–46 %) im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich rückläufig.

Noch viel deutlicher war diese Entwicklung bei den Autovermietern zu erkennen. Denn in diesem Absatzkanal schrumpften die Neuzulassungen um 18,9 Prozent auf 17.209 Einheiten. Dabei waren die BEV-Zulassungen (–82 %) stark eingebrochen, doch auch Benziner, Diesel und Hybride entwickelten sich in Summe rückläufig.

Anders als bisher im Jahresverlauf ist plötzlich wieder der Privatmarkt die Stütze des Neuwagengeschäfts. Er liegt mit einem Wachstum von 6,7 Prozent in etwa auf dem gleichen Niveau der bisherigen Monate des Jahres, was für eine gewisse Stabilisierung auf niedrigem Niveau spricht. Der Anteil an BEV liegt in dieser Kundengruppe bei 27,2 Prozent – das ist der bislang höchste Wert in diesem Jahr. Allerdings dürften sich aus Sicht von Dataforce darin die nächsten Sondereffekte auswirken, die auch noch im November und Dezember zu sehen sein werden, weil die Förderung für Privatkunden zum Jahreswechsel sinkt. Ab Januar droht dann auch bei den Privatkunden ein Einbruch der BEV-Zulassungen.

Dass die Absatzzeiten für Handel wie Hersteller wieder härter werden, zeigt der kräftige Anstieg der Eigenzulassungen von Fahrzeugbau (+18,6 %) und Fahrzeughandel (+24,0 %). Diese Zahlen verdeutlichten „die aktuellen Schwierigkeiten, Neuwagenkäuferinnen und -käufer zu finden, und zeigen gleichzeitig, dass wieder ausreichend Fahrzeuge verfügbar sind“.

Inzwischen sei die Rückkehr zu den in den 2010er-Jahren gewohnten Marktbedingungen zu sehen, also dass Hersteller und Handel mit Aktionen und besonderen Konditionen um Kunden werben. „Rabattaktionen, verbleibende Nachholeffekte und eine nochmals bessere Verfügbarkeit“ würden 2024 für ein verhaltenes Wachstum der Neuzulassungen sorgen, erwartet Dataforce. Für das laufende Jahr erwarten die Beobachter knapp 2,85 Millionen Neuzulassungen, ein Plus von 7,3 Prozent zum Vorjahr.

Transportermarkt präsentiert sich robust

Ein deutlich anderes Bild zeigt sich im Transportermarkt. Für diesen Spezialmarkt wertet Dataforce die Neuzulassungen der leichten Nutzfahrzeuge und deren Pkw-Derivate aus. In dieser Fahrzeugklasse kletterten die Neuzulassungen im Oktober um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Den Takt gibt dabei – anders als bei den Pkw – der Gewerbekundenmarkt vor (+19,3 %).

Die Autovermieter ließen 22,4 Prozent mehr neue Transporter zu, wobei das Marktvolumen deutlich geringer ausfällt als im Pkw-Geschäft. Auch die private Transporter-Nachfrage hat ihren tiefen Fall beendet und kommt auf ein kleines Plus von 3,3 Prozent. Ins Bild passt dann schließlich, dass die Neuzulassungen von Fahrzeugbau (–7,2 %) und Fahrzeughandel (–8,0 %) rückläufig waren. Sprich, die Nachfrage nach Transportern ist noch robust und muss nicht künstlich gestützt werden.

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