Pkw-Neuzulassungen Der Markt rutscht im Februar tief in den Keller

Von Andreas Grimm 1 min Lesedauer

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Die Neuwagenverkäufe gehen weiter zurück, im Februar steht ein dickes Minus in der Bilanz. Tesla trifft es erneut hart, während sich gleichzeitig der Antriebsmix in Richtung BEV verschiebt. Aber auch mehrere Traditionshersteller werden schwer gebeutelt.

Nicht so viel los in der An- und Auslieferung: Der Neuwagenmarkt war im Februar deutlich rückläufig.(Bild:  Grimm/»kfz-betrieb«)
Nicht so viel los in der An- und Auslieferung: Der Neuwagenmarkt war im Februar deutlich rückläufig.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Der deutsche Neuwagenmarkt schlittert tiefer in die Krise. Im Februar ist die Zahl der Neuzulassungen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts erneut gesunken. Im zweiten Monat des Jahres kamen nach amtlichen Angaben nur 203.434 Pkw neu auf die Straßen. Das waren 6,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Allerdings hatte der Februar des Vorjahres einen Arbeitstag mehr. Unter dem Strich liegen die Auslieferungszahlen mehr oder weniger auf Corona-Niveau: Im Februar 2021 kamen nur 9.000 Einheiten weniger zur Zulassung.

Der Absatztrend hält damit jahresübergreifend seit drei Monaten an und beschleunigt sich. Im Januar hatte das Minus bei 2,8 Prozent gelegen. Nach zwei Monaten fehlten den Händlern damit bereits 4,6 Prozent der Verkäufe des Vorjahres. Bislang wurden 411.074 Neuwagen hierzulande zugelassen – das ist rund ein Viertel weniger als in der Vor-Corona-Zeit.

Angesichts der rückläufigen Entwicklung wird immer unwahrscheinlicher, dass sich der Neuwagenmarkt in diesem Jahr signifikant positiv entwickeln wird. „Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor schlecht“, bringt Constantin Gall, Leiter Mobility bei EY für Westeuropa, die Lage auf den Punkt. Die Situation ist grundsätzlich bekannt: Viele Unternehmen sparen und bauen Stellen ab, die Arbeitslosigkeit steigt. „Damit wird der Neuwagenmarkt weiter erheblich unter Druck sein, der Absatz wird 2025 deutlich unter dem Vorkrisenniveau liegen.“

Elektromarkt legt deutlich zu

Daran ändern auch die grundsätzlich positiven Elektro-Zahlen nichts. Neuwagen mit dieser Antriebsart legten im Februar um 30,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu – der allerdings wegen der zuvor abrupt ausgelaufenen staatlichen E-Förderung in Deutschland stark eingebrochen war und damit als Vergleichsgröße nur bedingt taugt. In vergangenen Monat wurden 35.949 reine E-Modelle (BEV) erstmals zugelassen, der Marktanteil dieser Antriebsart betrug damit 17,7 Prozent. Immerhin ist das ein Februar-Höchststand. Vor zwei Jahren kamen 32.475 E-Modelle auf die Straßen – ein Anteil von 15,7 Prozent.

Im Großen und Ganzen kommt der Elektroanteil derzeit auf eine Größenordnung von 16 bis 18 Prozent vom Gesamtmarkt – diese Quoten waren bereits in den Vormonaten zu sehen. Für die Erfüllung der bisher vorgesehenen Emissionsquoten wäre jedoch ein Anteil von rund 25 Prozent nötig. Allerdings deuten die Äußerungen der EU-Kommission derzeit eher auf eine Lockerung hin.

CO2-Lockerung könnte bremsen

Nach Ansicht von Gall könnte damit die Versuchung wachsen, die Antriebswende zu verschleppen und teurere Verkaufsprogramme zu unterlassen. „Die erwartete Welle an Preissenkungen gerade in der zweiten Jahreshälfte wird es wohl nicht geben, aggressive Leasing-Aktionen wie in den vergangenen Wochen dürften vorerst kaum noch zu erwarten sein“, vermutet er. Mit dem Ergebnis, dass der Absatz-Rückenwind ausbleibt. Positiv sei allerdings, dass „weitere sehr interessante Elektroautos“ vor dem Marktstart stehen. Ein weiteres leicht wachsenden Kundeninteresse sei folglich schon zu erwarten.

Ein Anfachen des Konsumfeuers scheint dringend notwendig, wenn man den Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) folgt. Demnach sind die Bestellungen aus dem Inland im Februar erstmals seit August 2024 wieder gesunken – um gleich 7 Prozent. Insgesamt hatte sich der inländische Auftragseingang im Jahr 2024 positiv entwickelt (+12 %).

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt ebenfalls davor, die Elektrozahlen zu überbewerten, schließlich seien die Vergleichszahlen sehr niedrig gewesen. Zudem könne das Wachstum der batterieelektrischen Fahrzeugverkäufe nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine spürbare Nachfrage nach Elektroautos seitens privater Kunden fehlt. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch die Politik sei dringend geboten. Das BEV-Wachstum werde primär vom Dienstwagenhandel getrieben, erklärte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn.

Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Pkw-Neuzulassungen betrug im Februar 109,7 g/km – 10,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dazu beigetragen hat neben dem BEV-Plus (+30,8 %) der noch stärker wachsenden PHEV-Anteil (9,6 Prozent Absatzanteil / +34,0 %). Benziner verloren 26,2 Prozent an Zuspruch, der Absatz von Dieselfahrzeugen ging 23,8 Prozent zurück.

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Tesla erneut klarer Verlierer

Von der Erholung des Elektromarkts ausgeschlossen war im Februar erneut Tesla. Das US-Fabrikat weitete seinen Absatzverlust des Januars sogar noch aus. Im Februar verlor der einstige E-Pionier 76,7 Prozent der Verkäufe aus dem Vorjahr. Mit 1.429 Erstzulassungen kommt Tesla noch auf einen Marktanteil von 0,7 Prozent. BYD als Tesla-Konkurrenz aus China legte dagegen auf 185 Neuzulassungen (+96,8 %) zu, der Newcomer Xpeng schaffte fast ähnlich viele Verkäufe (162) und Polestar gibt ebenfalls Gas (263 Einheiten; +60,4 %).

Unter den klassischen Marken ist Renault der große Gewinner. Die Franzosen legten um 50,6 Prozent zu. Auch die zuletzt arg gerupfte Marke Ford erholte sich ein Stück weit (+22,1 %). Ebenfalls auf der Siegerseite sind Jeep (+19,0 %), Audi (+11,3 %) und Seat (+8,7 %). Am anderen Ende fielen neben Tesla mehrere Traditionsmarken ziemlich tief. Fiat (-45,4 %), Porsche (-45,3 %) und Mitsubishi (-45,0 %) verloren fast die Hälfte ihres Absatzes. Und auch Opel (-33,7 %) erwischte einen schlechten Monat.

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