Der Neuwagenmarkt ist rückläufig – trotz seines niedrigen Niveaus. Das liegt nicht allein an den rückläufigen Elektrozahlen. Speziell bei den Firmenkunden ist derzeit die Luft raus, möglicherweise aber nur vorübergehend.
Derzeit werden nicht so viele Neuwagen wie im vergangenen Jahr ausgeliefert. Die Ursachen sind vielfältig.
(Bild: Grimm – VCG)
Das Wachstum des Gewerbekundenmarktes ist vorbei, der Stellenwert der privaten Neuwagenverkäufe wächst wieder. Diese längerfristige Entwicklung schlägt sich deutlich in den Zulassungszahlen im Juli nieder. Wie aus einer Analyse der Daten des Kraftfahrt-Bundesamts durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, sackte der Firmenkundenmarkt kräftig ab, während die Zahl der privaten Neuzulassungen gegen den Trend stieg.
Im Juli erreichte der deutsche Neuwagenmarkt noch 238.263 Einheiten – das waren 2,1 Prozent weniger als im Juli 2023. Damals war der Einfluss von Halbleiterkrise und Pandemie erstmals spürbar abgeebbt, ein normales Marktniveau aber längst nicht erreicht. Der jetzige Rückgang sei daher klar „kritisch zu betrachten“, heißt es dazu von Dataforce. Erklärlich wird der aktuelle Rückgang ein Stück weit allerdings durch mögliche Vorzieheffekte im Juni aufgrund einer neuen EU-Richtlinie zur Cyber-Sicherheit, die Anfang Juli in Kraft trat, und die drohenden Zölle auf E-Autos.
Diese Einheiten fehlen möglicherweise in der Juli-Statistik, erklären aber nicht zwingend den starken Rückgang im Firmenkunden-Segment um 12,6 Prozent. Allerdings befand sich der gewerbliche Markt im Vorjahr auf seinem Höhepunkt, nicht zuletzt getrieben durch das damals bevorstehende Ende der Kaufförderung von gewerblich genutzten E-Autos im September 2023. Auch hier führen Vorzieheffekte zu einer Verzerrung der wirklichen Situation. Im bisherigen Jahresverlauf liegt das Gewerbekundengeschäft laut Dataforce nur etwa 3 Prozent im Minus.
Wirken die Rabatte?
Anders sieht es im Privatkundenmarkt aus. Obwohl die Verunsicherung durch die wirtschaftliche und politische Lage sowie die Inflation immer wieder als Gründe für den rückläufigen Markt genannt werden, sind ausgerechnet die privaten Neuzulassungen deutlich im Plus. Um 7,3 Prozent legten sie im Juli zu. Schon in den Monaten zuvor war der Privatmarkt im Plus oder wirkte zumindest stabilisierend. Möglicherweise bilden sich darin die ersten Erfolge von Rabatten der Hersteller ab.
Denn, so heißt es bei Dataforce, der Markt kehre zu alten Mustern zurück und rücke den Privatmarkt wieder in den Fokus der Hersteller. Die „müssen sich in wirtschaftlich harten Zeiten mit Rabatten um die Gunst der Kunden bemühen. Die rosigen Zustände der letzten zwei Jahre, in denen ihnen die Fahrzeuge zu jedem Preis aus den Händen gerissen wurden, sind vorbei.“ Zu den Stichworten „Rabatte“ und „Kunden-Bemühen“ passt auch der weitere Anstieg der Eigenzulassungen. Dabei zeigten sich die Hersteller (+7 %) aktiver als die Händler (+3 %).
Etwas überraschend kommt der Rückgang im Geschäft mit den Vermietern, die 5,3 Prozent weniger Autos abnahmen als im Vorjahresmonat. Immerhin war der Absatz in diesem Kanal im Jahresverlauf um 10 Prozent geklettert. Möglicherweise ist aber einfach der Nachholbedarf der Vermietunternehmen inzwischen weitgehend gedeckt.
Die Lage am Elektromarkt
Der Rückgang des Firmenkundengeschäfts ist statistisch auch eine Folge des starken Rückgangs der E-Zulassungen im Juli um 37 Prozent. Andererseits kommen die elektrifizierten Fahrzeuge (BEV und PHEV) im Flottenmarkt im Juli dennoch auf 25,4 Prozent, wodurch mehr als ein Viertel des Marktes ernsthaft elektrifiziert ist. Der Elektro-Marktanteil sei also durchaus dabei, sich wieder zu normalisieren, folgert Dataforce.
Anders sieht es im Privatmarkt aus. Seit dem Wegfall der Förderung im Dezember 2023 sind hohe zweistellige prozentuale Rückgänge an der Tagesordnung (-30 % im Juli), die sich ebenfalls auf den Marktanteil von E-Fahrzeugen auswirken. Im Juli lag dieser bei niedrigen 13,6 Prozent. Im Juli 2023 waren es 20,8 Prozent.
Transportermarkt ist weiterhin im Plus
Der Transportermarkt, also der Absatz der Pkw-Utilities und leichten Nutzfahrzeuge, bleibt wie bereits in den Vormonaten im Plus und legte im Juli um 4 Prozent zu. Das lag vor allem an einem deutlichen Anstieg im Privatmarkt um 17 Prozent. Aber auch der Fahrzeugbau stieg deutlich mit 32 Prozent und 315 Fahrzeugen. Der Fahrzeughandel legte im Gleichschritt des Gesamtmarktes zu (+4 %). Über alle Segmente hinweg legten die Diesel-Modelle um 13 Prozent zu, während 6 Prozent weniger Benziner-Modelle neu zugelassen wurden. Die Elektro-Modelle verloren sogar 51 Prozent. Letztere haben nun einen Marktanteil von rund 5 Prozent.
Stand: 08.12.2025
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Doch wie im Gesamtmarkt blieben die Segmente Vermieter und Firmenkundenmarkt hinter der Entwicklung zurück. Während der Flottenmarkt immerhin noch knapp 1 Prozent zulegte, verzichteten die Vermieter auf 11 Prozent ihrer Neuzulassungen des Vormonats. Aktuell sind traditionelle Antriebe wie der Diesel wieder gefragter.