Kurz nacheinander weilten die beiden aktuellen Smart-Modelle in der Redaktion. Während der #3 einen guten Eindruck hinterließ, bescherte uns die Software des #1 die eine oder andere Sorgenfalte.
Der #3 ist die Coupé-Version des #1 und kam Ende 2023 auf den Markt. Wir testeten die Ausstattungsvariante #3 Premium.
(Bild: Simon – VCG)
Da steht sie also, die neue Smart-Modellbaureihe. Wir könnten nun mit Verweis auf den legendären Smart-Erfinder Nicolas Hayek und seine Vision vom Mikrokompaktfahrzeug die aktuelle SUV-Baureihe von Smart in Bausch und Bogen ablehnen. Oder wir könnten dem Erzeugnis aus dem Joint Venture von Mercedes-Benz und Geely jeglichen eigenen Charakter absprechen, schließlich ist er eng verwandt mit Modellen wie dem Zeekr X oder dem Volvo EX 30. Oder wir setzen uns einfach hinein und bewerten die zweieiigen Zwillinge #1 und #3 ausschließlich nach ihren Qualitäten.
Technisch überzeugend und konkurrenzfähig sind die beiden Modelle zweifellos, wie unsere Testfahrten ergeben haben. Und das gilt nicht nur für den Vergleich mit anderen chinesischen Produkten, sondern durchaus auch mit europäischen Konkurrenten.
Von außen betrachtet gefällt das rundlich-harmonische Design, das auf jede SUV-hafte Aggressivität verzichtet. Vor allem der #1 sieht mit seiner kühn geschwungenen Dachlinie unverwechselbar aus. Das gelingt dem #3 trotz aller Ähnlichkeit in der Linienführung weniger gut, aber auch auf ihm ruht das Auge des Betrachters mit Wohlgefallen.
Mit 4,27 beziehungsweise 4,40 Metern Länge platzieren sich die beiden schwäbischen Chinesen mitten hinein in das dicht besetzte Kompaktsegment. Die Konkurrenz ist hier riesig, selbst wenn man sich nur auf batterieelektrische Fahrzeuge beschränkt. Wie will Smart hier punkten?
Bekannter Name und etabliertes Händlernetz
Im Vergleich zu den chinesischen Konkurrenten sticht zweifellos der bekannte Markenname und das flächendeckende Händler- und Servicenetz. Außerdem erscheint uns zumindest der Smart #3 im Vergleich zu anderen chinesischen Kompakt-SUVs deutlich ausgereifter zu sein. Zwar orientiert er sich in Sachen Cockpitgestaltung und -bedienung sowie Fahrerassistenz am aktuellen Stand der Technik mit all seinen nervigen Nachteilen in Sachen Ablenkung und Fehlalarmen. Aber das Gebotene funktioniert vorhersagbar, die Displays sind gut ablesbar und die Menüs übersichtlich strukturiert.
Mit dem wenige Wochen zuvor gefahrenen #1 waren einige Testfahrerinnen und Testfahrer hingegen nicht ganz so zufrieden: Zwar bot auch der #1 ein tolles Fahrgefühl und viel Innenraumkomfort (s. unten), und die Fahrerin hätte sich auf einer Fahrt von Würzburg nach Schwetzingen fast in das Auto verliebt, wären da nicht die Softwarebugs gewesen.
Nervige Bugs beim #1
Auf der Hinfahrt erklärte der Smart beispielsweise plötzlich, dass die Reichweite zum Ziel nicht ausreicht, obwohl diese dicke genügte. Die begleitende Fehlermeldung am Bildschirm war aber auch so schnell wieder verschwunden, dass die Fahrerin keine Möglichkeit hatte, sie komplett zu lesen.
An einem Autobahnkreuz fing das System beim Spurwechsel plötzlich an, laut zu tuten, als wähnte es sich kurz vorm Crash. Was genau den Alarmismus ausgelöst haben soll, war in dem Moment aber nicht nachzuvollziehen, auf jeden Fall diente er nicht der Konzentration und der Sicherheit.
Außerdem plante der Smart auf der Rückfahrt von Schwetzingen in die Routenplanung einen Ladestopp ein, den die Fahrerin, die nicht nachts allein am Autobahnrand laden wollte, in dem Moment ignorierte. Das konnte die Software offenbar nicht verarbeiten, und die Navigation hängte sich auf. Fairerweise muss man sagen, dass ein Ladestopp an sich sinnvoll gewesen wäre, die Reichweite zum Ziel war knapp.
Als bei einer weiteren Fahrt tatsächlich eine Ladesäule gesucht war, listete der Smart auf Anfrage per Sprachsteuerung Ladepunkte in mehreren Hundert Kilometern Entfernung auf. Zu anderer Zeit hatte die Suche nach einer Ladesäule in der Nähe noch wunderbar funktioniert, sogar mit Anzeige der aktuellen Belegung.
Fehlerbehebung Over-the-Air möglich
Beim Einparken zeigte der zerstreute #1 teils völlig falsche Zentimeterangaben an (s. Bildergalerie). Die Liste an Fehlern könnte hier noch weitergeführt werden. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass die Bugs zwischenzeitlich mit einem Over-the-Air-Update ausgemerzt wurden.
Stand: 08.12.2025
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Und ein paar Sachen waren auch irgendwie putzig. Zum Beispiel verkündete der Smart auf der A81 Richtung Heilbronn „Einreise nach Baden-Württemberg“. Forderte man vom Avatar eine Funktion, die noch nicht freigeschaltet ist, erklärte dieser tröstend, man solle es später nochmal probieren, als wäre das nächste Software-Update eine Frage von Minuten.
Der Avatar ist übrigens ein Fuchs oder ein Gepard. Überhaupt erinnert die Nutzeroberfläche ein bisschen an ein Computerspiel – ist aber sehr gut strukturiert und intuitiv zu nutzen. Wem die Optik zu kindlich ist, der kann ohnehin das Smartphone koppeln und auf Android Auto oder Apple Carplay wechseln.
Viele gute und praktische Eigenschaften
Beim Platzangebot und Fahrkomfort haben die chinesischen Produktentwickler einen guten Job gemacht. Vier Erwachsene kommen auch dann bequem im Innenraum unter, wenn sie mitteleuropäisches Gardemaß haben. Der Kofferraum des #3 bietet mit 370 Litern (#1: 313 Liter) ein ordentliches Volumen. Hinzu kommen ein geräumiges Fach unter dem Ladeboden sowie ein kleines Fach unter der vorderen Haube. Die Rücksitzbank lässt sich asymmetrisch teilen und umklappen, zusätzlich gibt es eine Durchladeöffnung in der mittleren Sitzlehne.
Die betont sportlich wirkenden vorderen Sitze mit der integrierten Kopfstütze bieten genau das richtige Maß an Seitenhalt, ohne zu sehr einzuengen. Die Sitzfläche hat auch für lange Beine genügend Auflagefläche. Ablagefächer sind fast schon im Übermaß vorhanden: zwei verschließbare Fächer in der Mittelkonsole warten auf Smartphones, Geldbeutel und anderen Kleinkram, ein großes Fach unter der Konsole auf die Handtasche. Und in den Türtaschen lassen sich sogar 1,5-Liter-Sprudelflaschen wackelfrei unterbringen.
Fahrleistungen wie ein Sportwagen
Ein Pluspunkt des Smart gegenüber vielen europäischen Konkurrenten ist der äußerst dynamische Antrieb. Nun kann man sich natürlich fragen, ob ein kompaktes Familienauto wirklich 200 kW/272 PS braucht – aber Spaß macht das eben schon. In 5,8 Sekunden marschiert selbst die „kleine“ Motorisierung von 0 auf 100 km/h. Der #1, der in der Brabus-Variante mit zwei Motoren und 315 kW/428 PS in der Redaktion zu Gast war, brettert mit 3,9 Sekunden von 0 auf Landstraßenlimit mitten hinein in das Revier echter Supersportwagen.
Das Schöne an E-Autos ist, dass hohe Leistung nicht automatisch zu hohem Energiekonsum führt. Ein Durchschnittsverbrauch von unter 20 Kilowattstunden ist problemlos machbar – auch bei der Brabus-Variante. Mit der 66-kWh-Batterie (netto 62 kWh) sind reale Reichweiten von bis zu 350 Kilometern drin.
Insgesamt überzeugen beide Smart-Modelle also mit solider Qualität, guten Fahrleistungen und ordentlichem Platzangebot. Und mit 150 Kilowatt Ladeleistung stehen beide auch nicht sehr lange an der Ladesäule.
Die Preise sind segmentgerecht, aber angesichts aktueller Entwicklungen wie der deutlichen Preissenkung bei Volkswagen nicht günstig: Aktuell ist der #1 zu einem Grundpreis von 34.990 Euro zu haben, allerdings mit nur 47 kWh Batterieinhalt. Die Variante Pure Plus mit der größeren Batterie kostet noch einmal 5.000 Euro mehr.
Der Grundpreis des #3-Testwagens in Variante Premium liegt mit 46.490 Euro schon in stattlicher Höhe für einen Kompaktwagen. Und der #1 Brabus ist mit 48.990 Euro eindeutig ein Fall für Liebhaber. Die Strafzölle auf Fahrzeuge, die in China produziert werden, könnten ab November für noch höhere Preise sorgen.
Ob Smart das Richtige getan hat, als man sich um einzigartigen Zweisitzer-Konzept verabschiedete und sich in das Haifischbecken des kompakten SUV-Segments wagte, müssen nun die Verkaufszahlen zeigen.