HUK-Datenauswertung Die Bereitschaft für den Wechsel zum E-Auto sinkt erheblich

Von dpa, gr 3 min Lesedauer

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Im laufenden Jahr müssen die Autobauer in der Breite für Elektroautos begeistern. Doch die Wechselbereitschaft ist erlahmt. Um einen neuen Aufbruch zu schaffen, müssten die Verkäufer ganz neue Zielgruppen begeistern.

Der Wechsel zum E-Auto fällt jenen Autofahrern leichter, die schon einmal mit E-Autos zu tun hatten. Probefahrten brechen die Vorbehalte.(Bild:  Grimm – VCG)
Der Wechsel zum E-Auto fällt jenen Autofahrern leichter, die schon einmal mit E-Autos zu tun hatten. Probefahrten brechen die Vorbehalte.
(Bild: Grimm – VCG)

Das Umstiegstempo auf Elektroautos in Deutschland hat sich nach Analyse des Versicherungskonzerns HUK Coburg seit dem Stopp der Kaufprämie des Bundes halbiert. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres nahm der Bestand an reinen E-Autos demnach im Vergleich zum Vorquartal nur noch um 0,1 Prozent zu, der niedrigste Wert seit Ende 2020, heißt es im E-Barometer der HUK. Vor einem Jahr hatte das E-Auto-Wachstum noch bei 0,2 Prozent gelegen.

Im Oktober 2024 waren nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts knapp 1,6 Millionen vollelektrische Autos in Deutschland zugelassen. Die Bundesregierung wollte schon unter Bundeskanzlerin Angela Merkel bis 2030 eigentlich 15 Millionen vollelektrische Autos auf die Straßen bringen, die Ampel-Regierung hatte im Dezember 2023 jedoch wegen der Haushaltsnöte nach einem höchstrichterlichen Urteil, das die CDU angestoßen hatte, den sogenannten Umweltbonus für Elektroautos gestoppt.

Grundlage der aktuellen Ausgabe des „E-Barometers“ der HUK ist der eigene Datenbestand des Unternehmens, das mit knapp 13 Millionen versicherten Fahrzeugen Marktführer der Sparte in Deutschland ist.

Umstiegswille mit regionalen Unterschieden

Den Angaben zufolge entschieden sich im Schlussquartal des vorigen Jahres lediglich knapp vier von hundert Autobesitzern im Zuge der Anschaffung eines anderen Fahrzeugs – ob neu oder gebraucht – für ein reines Elektroauto, die Quote lag bei 3,9 Prozent. Anfang 2023 waren es noch fast sieben Prozent gewesen. Die Zahlen beziehen sich auf rein elektrische Autos in privatem Besitz, von Firmen und Autoverleihern angemeldete Wagen sind nicht mitgezählt.

Rekordhalter beim Umstieg auf E-Autos war keine Großstadt, sondern der sehr wohlhabende Kreis Starnberg vor den Toren Münchens mit einer Quote von 8 Prozent im vergangenen Jahr. Auch einige andere Landkreise hatten überdurchschnittliche E-Auto-Anteile. Das könnte laut HUK daran liegen, dass es auf dem Land mehr Einfamilienhäuser mit privaten Ladesäulen gibt als in großen Städten. Dazu ist Starnberg eine Kommune mit hoher Kaufkraft. Aber auch die Entwicklung in den 20 größten deutschen Städten ist nicht einheitlich: Die höchste Umstiegsquote gab es 2024 demnach in Frankfurt mit 4 Prozent, die niedrigste in Dresden mit 2,3 Prozent.

Abgesehen davon spalten Elektroautos laut der begleitenden Umfrage nach wie vor die Gemüter: 45 Prozent bewerteten Elektroautos „gut“ oder „sehr gut“, 47 Prozent mit „weniger“ bis gar nicht gut“. Die persönliche Einstellung sei sehr stark von der eigenen Erfahrung geprägt: Menschen, die bislang weder ein Elektroauto besitzen noch jemals eines gefahren sind, gaben im Schnitt ein deutlich schlechteres Urteil ab als diejenigen mit E-Auto-Erfahrung, legt das E-Barometer dar. Dabei stellt die Gruppe, die bislang nicht mit Elektroautos in Berührung gekommen ist, mit 68 Prozent die große Mehrheit.

Akzeptanz hängt von persönlicher Erfahrung ab

Von den 30 Prozent, die schon einmal ein E-Auto gefahren sind oder eines besitzen, gab dagegen die Mehrheit ein positives Urteil ab, bei den Besitzern waren es sogar 82 Prozent. Das Umfrageinstitut Yougov befragte im November gut 4.100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 16 Jahren. „Der Schlüssel zur Akzeptanz und Verbreitung von Elektroautos in Deutschland hängt ganz offensichtlich von der persönlichen Erfahrung ab“, kommentierte HUK-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer die Ergebnisse.

Deutlich weniger Fahrerfahrung mit reinen Elektroautos haben Frauen (21 % mit Erfahrungen) im Vergleich zu Männern (33 %). Auch Personen ab 55 Jahren haben deutlich weniger Berührungspunkte (19 % zu 33 %). Drittens sind die Wenig-Fahrer in Sachen Erfahrung im Hintertreffen im Vergleich zu Vielfahrern. So haben unter denen, die im Jahr maximal 5.000 Kilometer fahren, nur 18 Prozent selbst schon ein E-Auto gesteuert. Mehr als doppelt so viele sind es hingegen unter denjenigen, die jährlich mehr als 20.000 Kilometer zurücklegen (43 %). Das ist insofern ein etwas überraschendes Ergebnis, da E-Autos insbesondere auf Kurzstrecken etwa innerhalb der Stadt sich als vorteilhaft präsentieren.

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