An den Folgen der Corona-Pandemie kommt keine Branche vorbei. Auch die Werkstattausrüster nicht. Im Interview erklärt der Präsident des ASA-Branchenverbands, Frank Beaujean, wie seine Mitglieder zurechtkommen und welche Lehren sie aus der Krise ziehen.
Frank Beaujean ist Präsident des ASA-Bundesverbands.
(Bild: ASA-Verband)
Die Folgen der Corona-Pandemie haben das Kfz-Gewerbe heftig getroffen – und die damit verbundenen Industrien und Branchen. Nicht zuletzt führten die Einschränkungen des Alltagslebens zu Schwierigkeiten, Arbeiten und Dienstleistungen wie gewohnt durchzuführen. Wie die Werkstattausrüster die Situation meisterten, erläutert im Interview Frank Beaujean, Präsident des Bundesverbands der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen (ASA).
Redaktion: Die Corona-Pandemie hat weite Teile der Wirtschaft getroffen. Wie ist die Lage der Werkstattausrüster?
Frank Beaujean: Gemäß den Ergebnissen unserer im Mai durchgeführten Mitgliederumfrage spüren 90 Prozent unserer Mitglieder Umsatzeinbrüche in Folge der Krise. Kein Mitglied musste seinen Betrieb bislang vollständig herunterfahren. Positiv ist außerdem, dass die Mitglieder sehr besonnen und verantwortungsbewusst handeln und bislang auf Entlassungen verzichtet haben.
Generell gilt das Werkstattgeschäft als weniger hart getroffen von Corona als der Fahrzeughandel. Aber investieren die Betriebe denn in diesen unsicheren Zeiten?
Glücklicherweise hat das Werkstattgeschäft nicht die desaströsen Schließungen zu verkraften wie etwa Gaststätten, Hotels oder Eventveranstalter. Aber natürlich haben die Werkstattunternehmer ihre Investitionstätigkeiten eingeschränkt. Noch stärker trafen unsere Mitglieder die Kontaktverbote und Corona-Beschränkungen, die Montage und Installation neuer Anlagen zeitweise unmöglich machten und bei den Herstellern über Wochen den Lagerbestand anwachsen ließen. Insgesamt haben 60 Prozent unserer Mitglieder Umsatzeinbußen von mehr als 30 Prozent.
Wird sich die Werkstatt-Landschaft in den nächsten Jahren durch die aktuelle Krise verändern und sich in der Folge der Ausrüstungsbedarf wandeln?
Die Werkstatt-Landschaft, und somit der Ausrüstungsbedarf, verändert sich erfahrungsgemäß, wenn sich als Folge der aktuellen Krise die Mobilitäts-Anforderungen der Gesellschaft verändern. Derzeit steigen die Menschen offensichtlich vermehrt von Bahn, Flugzeug und ÖPNV auf Pkw und für Kurzstrecken häufig auf Fahrräder oder E-Bikes um. Ob dieser Trend zur verstärkten Individualmobilität von Dauer ist oder sich nach einem Abflauen der Krise verändert, lässt sich erst zuverlässig nach dem Ende der Krise sagen.
Viel ist derzeit von Corona als Katalysator hin zur Digitalisierung die Rede. Gilt das auch für die Werkstattausrüstung?
Im weitesten Sinne ja. Zwangsweise wird die Digitalisierung trainiert und nach und nach in den Köpfen angenommen. Dieser geistige Wandel entwickelt seine Strahlkraft natürlich auch innerhalb der Ausrüster-Branche und unseres Verbandes. Viele der digitalen Kommunikationsformen, die wir in den letzten Monaten aus der Not heraus eingeführt haben, um arbeitsfähig und in Kontakt zu bleiben, werden die Krise überdauern.
Unter anderem die Lieferketten geriet in den letzten Monaten durcheinander. Wie sieht es mit der Abwicklung der Aufträge Ihrer Verbandsmitglieder aus?
Auch hier bildet unsere Branche keine Ausnahme. Die europäischen Zuliefererketten unserer Branche haben ihre Wurzeln traditionell in Osteuropa und in Italien. Insbesondere Norditalien war sehr von der Krise betroffen, nun läuft die Produktion auch dort wieder moderat nach oben. Asien ist hier schon einen Schritt weiter.
Wie sieht es mit rechtlichen Vorgaben aus, ist hier die Gremienarbeit weitergelaufen oder drohen Probleme?
Die Gremienarbeit der deutschen und europäischen Verordnungsgeber lief, bis auf die Anfangsphase des Lockdowns, fast normal und meist über Videokonferenzen weiter. Die Abschluss-Sitzung ist der Höhepunkt der Gremienarbeit, hier wird bis zuletzt im persönlichen Dialog mit Argumenten gerungen, bis einvernehmlich der Interessenausgleich gelingt. Das funktioniert über Video deutlich schwieriger.
Der Staat hat viele Hilfsmaßnahmen beschlossen. Helfen sie den Werkstätten und ihren Mitgliedsbetrieben?
Hierzu fällt mir eine konkrete Aussage schwer, denn Werkstätten und ASA-Mitgliedsbetriebe sind diesbezüglich nicht vergleichbar. Unsere Mitgliedsbetriebe stellen den staatlichen Hilfsmaßnahmen ein gutes Zeugnis aus, insbesondere sind die Kurzarbeit und die Steuerstundung zu nennen. Erfreulicherweise hat, wie bereits erwähnt, noch kein meldendes Mitgliedsunternehmen Corona-bedingt Mitarbeiter*innen freisetzen müssen.
Ein Ziel der Hilfsmaßnahmen ist die Förderung der Elektromobilität. Hat ein Boom dieser Fahrzeuge Folgen für die Werkstattausrüstung und sind Ihre Mitgliedsunternehmen darauf vorbereitet?
Im großen Kontext verändert die Elektromobilität selbstredend alle Bereiche der Wertschöpfungskette unserer Branche, somit auch die der Werkstattausrüster. Unserer Mitglieder sind schon seit Jahren gut vorbereitet, die benötigten speziellen Produkte sind bereits weitgehend verfügbar und teilweise schon im Feld. Deren Verbreitung folgt, mit der üblichen Latenzzeit den Zulassungszahlen dieser Fahrzeuge. Der große Boom ist bisher ausgeblieben.
Stand: 08.12.2025
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