Neuwagenmarkt Die Renaissance der Eigenzulassungen

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Auf den ersten Blick schien sich der Neuwagenmarkt im April zu stabilsieren. Doch dass in der Monatsbilanz kein dickes Minus steht, hat viel mit Sondereffekten zu tun. Vor allem die Hersteller haben an der Statistik gedreht.

Im April haben viele Eigenzulassungen der Hersteller und des Handels die Neuzulassungszahlen künstlich stabilisiert.(Bild:  Schreiner – VCG)
Im April haben viele Eigenzulassungen der Hersteller und des Handels die Neuzulassungszahlen künstlich stabilisiert.
(Bild: Schreiner – VCG)

Die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland hat sich im April sichtbar in den gewerblichen Neuzulassungen niedergeschlagen. Während der Gesamtmarkt im April im Vergleich zum Vorjahresmonat nur marginal zurückging (-0,2 %), stürzte der gewerbliche Markt regelrecht ab. Wie aus den Zahlen der Marktforschung Dataforce hervorgeht, gab es zuletzt nur knapp 72.100 gewerbliche Erstzulassungen – ein Rückgang um 13 Prozent.

Das April-Ergebnis reiht sich ein in die Entwicklung des gewerblichen Marktes seit dem Jahresstart. In ähnlicher Größenordnung waren die Zulassungszahlen in diesem Segment schon in den ersten Monaten des Jahres gesunken, nachdem der Rückgang zum Jahresende 2024 noch im niedrigen einstelligen Bereich gelegen hatte.

Dass der starke Rückgang im wichtigen gewerblichen Segment keine tieferen Spuren in den Gesamtzahlen hinterlassen hat, liegt nicht zuletzt an einer Ausweitung der Eigenzulassungen. „Der Markt wird nämlich aktuell durch künstliche Zulassungen stabilisiert, da Abnehmer in den regulären Kanälen fehlen“, heißt es in der Dataforce-Analyse. Insgesamt steigt der Anteil der gesteuerten Erstzulassungen deutlich an. Taktische und Vermieter-Zulassungen kommen zusammen auf fast 37 Prozent des Marktes.

Privatmarkt stabilisiert sich

Vor allem die Hersteller und Importeure sind im April aktiv geworden. Auf ihren Namen ließen sie 22.350 Einheiten zu – 31 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig sorgten die Händler, die lange zurückhaltend agierten, für eine Ausweitung der Zulassungstätigkeit. Die Eigenzulassungen des Handels legten im April um 12 Prozent auf 37.500 Einheiten zu. Die Zulassungen der Vermieter bleiben zugleich auf hohem Niveau. Sie sorgten mit 29.400 Zulassungen für ein Achtel der Gesamtzulassungen.

Ein Hoffnungsschimmer sind die privaten Neuzulassungen. Sie legten leicht um gut ein Prozent auf 81.500 Einheiten zu. Möglicherweise schlägt sich darin der vom Verband der Automobilindustrie einige Monate lang ausgewiesene Anstieg der Auftragseingänge aus dem Inland nieder. Im April war dieser Wert allerdings schon wieder rückläufig. Eine fundamentale Trendumkehr im Neuzulassungsmarkt ist also derzeit nicht zu erwarten.

Bemerkenswert ist, dass sich die Privatkunden derzeit stärker für den Elektroantrieb öffnen. Die Zahl der neu angemeldeten PHEV wuchs um 128 Prozent, BEV legten um 44 Prozent zu. Vollelektrische Fahrzeuge haben im Privatmarkt nun einen Marktanteil von 19 Prozent. Damit rückt dieser Anteil nahe an den Flottenmarkt heran (Anteil: 23 %). Zu Beginn des Jahres waren die Kanäle mit einem Unterschied von 7 Prozentpunkten deutlich weiter auseinander. Diese Nähe zeigt sich auch in absoluten Zahlen: Mit 15.565 E-Autos liegt der Privatmarkt nur noch knapp hinter den 16.414 BEV im Flottenmarkt.

Hersteller intervenieren im Transportermarkt

Im Transportermarkt ähnelt die Entwicklung dem Pkw-Markt. Laut Dataforce waren Privatkäufer und die Eigenzulassungen der Hersteller im April 2025 die Stabilisatoren des Absatzes, der sich auf 45.000 Zulassungen summierte – etwa ein Prozent weniger als vor Jahresfrist. Während die privaten Neuanmeldungen um 17 Prozent stiegen, explodierten die Herstellerzulassungen regelrecht (+94 %).

„Besonders bei den Fahrzeugherstellern finden also weiterhin kräftige Impulse über Eigenzulassungen statt“, kommentiert die Marktforschung die Zahlen. Anders als im Gesamtmarkt ist der Handel zurückhaltend mit taktischen Zulassungen. Über diesen Kanal kamen sogar 7 Prozent weniger leichte Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities auf die Straßen als im April 2024. Auch das Geschäft mit den Vermietern verharrte auf Vorjahresniveau.

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