Nachrüstung: möglich, aber kompliziert und teuer
„Unabhängig davon, in welchem Umfang Fahrverbote tatsächlich umgesetzt werden: Allein die Möglichkeit von Fahrverboten wird das Vertrauen in die Technologie weiter schwächen und die Gebrauchtmarktpreise purzeln lassen“, erwartet Peter Fuß, Partner bei der Unternehmensberatung EY. Vor diesem Hintergrund scheint eine Nachrüstkampagne, mit der Dieselautos für die verschärften Umweltzonen fit gemacht werden können, weiter wünschenswert.
Der ADAC hat pünktlich zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts noch einmal die derzeit vorhandenen Nachrüstmöglichkeiten untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass sich die NOx-Emissionen damit deutlich senken lassen.
Die Schwierigkeiten, die einer erfolgreichen Markteinführung solcher Systeme entgegenstehen, dürfen aber nicht verschwiegen werden – denn schon heute glauben viele Verbraucher, es würden bereits serienreife Lösungen im Regal liegen.
- Zuerst muss die Bundesregierung eine gesetzliche Grundlage für Nachrüstprodukte schaffen und definieren, um wie viel Prozent sie den NOx-Ausstoß senken bzw. welche Abgasnormstufe sie erreichen müssen.
- Erst dann können die Abgastechnik-Hersteller die Serienentwicklung aufnehmen. Dabei müssen sie angepasste Lösungen für jedes Automodell entwickeln.
- Die daraus entstehenden Produkte müssen im Labor und auf der Straße getestet werden und brauchen eine Betriebserlaubnis im Zusammenhang mit dem jeweiligen Fahrzeug.
Die Autohersteller müssen mitspielen
Ihre beste Leistung können nachgerüstete SCR-Systeme aber nur bringen, wenn sie auf die motor- und abgasrelevanten Steuergeräte des Fahrzeugs zugreifen können. Diesen Zugang müssten ihnen die Fahrzeughersteller gewähren. Doch gibt es Schnittstellen in den Steuergeräten für eine nachträgliche Abgasreinigung?
Letztlich wären nur die Autohersteller selbst – mit Unterstützung der einschlägigen Abgastechnikspezialisten – imstande, eine hochwertige Nachrüstlösung auf den Markt zu bringen. Doch die Konzerne sehen ihre Aufgabe mit den Software-Updates sowie dem Luftreinhaltefonds für Städte bereits als erledigt an.
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