Diesel-Krise: Mehr als jeder zweite Händler bildet Rückstellungen

Autor Christoph Seyerlein

Für den Autohandel ist die Diesel-Krise längst nicht ausgestanden. Bei immer mehr Händlern stehen die Diesel-Pkw länger auf dem Hof – gleichzeitig werden die Lieferzeiten für Benziner länger. Nun wappnen sich die Händler gegen Verluste.

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(Bild: Achter)

Der deutsche Autohandel hat weiter schwer mit der Diesel-Krise zu kämpfen. Im jüngsten Dieselbarometer, für das die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) zwischen dem 10. und 16. November 507 Händler interviewt hat, gaben 52 Prozent der Befragten an, Rückstellungen für drohende Verluste zu bilden. Fast jedes vierte Autohaus (22 %) limitiert seine Diesel-Neubestellungen für Firmenkunden.

Gleichzeitig machen sich mittlerweile die von zahlreichen Herstellern ausgelobten Umstiegsprämien im Neuwagen-Vertrieb bemerkbar. Jeder fünfte Befragte gab im jüngsten Dieselbarometer an, zuletzt mehr neue Euro-6-Diesel verkauft zu haben. Im September hatte jener Wert noch bei 15 Prozent gelegen. Vor allem stehen aber Benziner derzeit bei Kunden hoch im Kurs. Hier gaben sogar zwei Drittel der Händler an, mehr neue Modelle abgesetzt zu haben. Im September hatte noch lediglich gut die Hälfte einen Benziner-Aufschwung gespürt (51 %). Auch das Interesse an alternativen Antrieben wächst. Hier verzeichneten nach 13 Prozent im September mit nun 27 Prozent im November mehr als doppelt so viele Befragte einen Schub. Allgemein kommen die Prämien immer mehr im Handel an: Hatte im September noch fast ein Drittel (31 %) der Befragten keine Auswirkungen auf das eigene Geschäft verspürt, sank die Quote im November auf 17 Prozent.

Mancher Hersteller hatte die Verschrottung alter Euro-1- bis Euro-4-Diesel zur Bedingung für eine Prämien-Verrechnung gemacht. Die Mehrheit der Selbstzünder, die der Handel über die Rabattsysteme hereingenommen hat, landete bislang aber nicht in der Schrottpresse. 56 Prozent der Autos vermarktete der Handel laut November-Dieselbarometer weiter, beispielsweise im Ausland, während 44 Prozent tatsächlich verschrottet wurden.

Weiter äußerst angespannt ist die Lage vor allem im Geschäft mit gebrauchten Dieseln. Mehr als die Hälfte (55 %) der befragten Händler gab im November an, Gebrauchtwagen mit Selbstzünder auch auf anderen Kanälen als eigentlich vorgenommen anzubieten. Bei einer deutlichen Mehrheit (87 %) stehen zudem die Diesel-Fahrzeuge länger als gewöhnlich auf dem Hof. Die Situation hat sich hierbei über die letzten Monate deutlich verschärft: Im Mai 2017 hatten beispielsweise „nur“ 62 Prozent der befragten Händler längere Standzeiten vermeldet. Gleichzeitig beklagen die Autohäuser immer längere Lieferzeiten für Benziner. Hatten im Mai noch 40 Prozent der Befragten längere Bestelldauern bestätigt, waren es im November 58 Prozent.

Dass im Gebrauchtwagengeschäft bislang keine Entspannung in Sicht ist, belegen auch die von der DAT ermittelten durchschnittlichen Standzeiten. Ein gebrauchter Diesel stand demnach im Oktober im Mittel 100 Tage auf dem Hof eines Händlers. Das war nach dem August 2017 (101 Tage) der zweitschlechteste Wert seit Ausbruch der Diesel-Affäre. Den Handel kostet das richtig Geld: Laut DAT verliert ein Autohaus derzeit pro Standtag eines Diesel-Pkw 28 Euro. Benzinern warteten im Oktober im Durchschnitt dagegen lediglich 81 Tage auf einen Abnehmer.

Noch einmal deutlich weiter als zuletzt ist die Schere der Wertentwicklung zwischen gebrauchten Benzinern und Dieseln auseinander gegangen. Ein drei Jahre alter Benziner mit einer Laufleistung zwischen 15.000 und 20.000 Kilometern war laut DAT im Oktober noch 56,6 Prozent seines Neupreises wert. Im September lag der Benziner-Restwert im Mittel bei 56,3 Prozent. Weiter bergab ging es dagegen für vergleichbare Diesel-Modelle. Sie fielen im Oktober mit einem durchschnittlichen Restwert von 53,9 Prozent auf einen neuen Tiefstwert. Zum Vergleich: Im Januar 2017 konnten Händler gebrauchte Selbstzünder im Mittel für 56 Prozent des Neupreises vermarkten.

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