Diess: „E-Autos werden super emotional“
Herbert Diess ist vom Erfolg der künftigen E-Modelle aus dem Hause Volkswagen fest überzeugt. Dem Konzern sollen sie helfen, bis 2050 CO2-frei zu werden. Weitaus größere Hebel in Sachen Klimaschutz sieht der Manager aber außerhalb der Autoindustrie.

Volkswagen-Chef Herbert Diess macht sich keine Sorgen, dass die Elektroautos, auf die der Konzern künftig setzen will, nicht vom Kunden angenommen werden könnten. „Die E-Autos werden super emotional. Sie machen Spaß, sie haben Seele. Das wird großartig“, sagte er am Montagabend in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“. „Es wird für viele Leute schwierig sein, sich gegen ein Elektroauto zu entscheiden“, so der Manager weiter.
Einmal mehr untermauerte Diess auch seine Gründe dafür, voll auf Elektro zu setzen. „Die Technik ist verfügbar. Sie besticht auch beim Kunden. Elektrisch fahren macht Spaß. Und wenn wir die Infrastruktur verfügbar haben, bin ich mir sicher, dass wir einen großen Schritt bei der CO2-Reduzierung nach vorne machen werden.“ Die Elektrooffensive werde auch Volkswagens Geschäftsmodell nachhaltiger machen, gab sich Diess überzeugt. „Das kann ein Wettbewerbsvorteil sein.“
Um das eigens gesteckte Ziel, bis 2050 CO2-frei zu sein, einhalten zu können, unternehme der Hersteller aber nicht nur am Auto große Anstrengungen. Beispielsweise rüstet VW sein eigenes Kohlekraftwerk in Wolfsburg bis 2023 auf Gas um. Das soll den CO2-Ausstoß halbieren. Um einen vergleichbaren Wert zu erreichen, müsste man 870.000 Autos einsparen, so Diess. „Das bringt also mehr, als unsere Elektrooffensive in den nächsten drei Jahren bringen wird.“
In dem Zusammenhang äußerte Diess auch Kritik an der Politik. An die ebenfalls in der Talkrunde anwesende Bundesumweltministerin Svenja Schulze gerichtet sagte der Manager: „Die Politik muss bei der Regulierung am Auto aufpassen. Um unsere CO2-Emissionen zu reduzieren, geben wir Milliarden aus. Die Umstellung des Kraftwerks in Wolfsburg kostet 400 Millionen Euro und bringt so viel wie fast eine Million Autos. Ich würde mir mehr Überlegungen aus der Politik wünschen, das Geld an den großen Hebeln auszugeben.“
„Wir glauben, dass individuelle Mobilität CO2-frei möglich ist“
Jene Hebel sieht Diess vielmehr in der Primärenergieversorgung als beim Auto. „Derzeit sind 1.000 Kohlekraftwerke im Aufbau. Die laufen die nächsten 40 oder 50 Jahre. Die kann man nicht mehr abstellen. In Deutschland subventionieren wir Steinkohle mit 100 Euro pro Tonne, anstatt sie zu besteuern“, so der Volkswagen-Chef. Schulze entgegnete, dass man einen ganzheitlichen Ansatz fahren müsse und auch bei der Mobilität ein Wandel vonnöten sei.
Auch Diess musste eingestehen, dass Volkswagen durchaus mit in der Verantwortung ist. Weltweit sind rund 100 Millionen VW-Fahrzeuge unterwegs. Sie sind für rund ein Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. „Das bedeutet: Unsere Entscheidungen haben Gewicht. Wir sind jetzt verpflichtet, nach vorne zu denken“, so Diess. Und weiter: „Wir nehmen uns vor, dieses eine Prozent bis 2050 zur Null zu machen. Wir glauben, dass individuelle Mobilität CO2-frei möglich ist.“
Auch persönlich will der Volkswagen-Chef mehr für den Klimaschutz tun. Diess sagte: „Der Durchschnittseuropäer hat einen CO2-Fußabdruck von 7 bis 8 Tonnen. Herbert Diess hat 1.300. Das kommt durch die Fliegerei. Ich bin viel unterwegs. Für das Jahr 2019 habe ich mir 20 Prozent weniger vorgenommen.“
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