Dragster: Motorsport auf Amerikanisch

Autor / Redakteur: sp-x / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Die Rennstrecke ist nur gut 300 Meter lang, und nach wenigen Sekunden ist der Spaß vorbei. Was bleibt, sind ein Dröhnen in den Ohren und 60 Liter verbrannter Treibstoff.

Pure Raserei: Beim amerikanischen Dragster-Rennen zählt nur eines – Beschleunigung.
Pure Raserei: Beim amerikanischen Dragster-Rennen zählt nur eines – Beschleunigung.
(Foto: Mopar)

Ein Rallyelauf zieht sich über ein ganzes Wochenende, in der Formel 1 dauert ein Rennen gut anderthalb Stunden und die DTM-Fahrer sind immerhin rund sechzig Minuten unterwegs – was bei uns eine große Fangemeinde findet, dauert für den amerikanischen Geschmack viel zu lang. Jenseits des großen Teichs stehen die nach dem zweiten Weltkrieg aufgekommenen Dragster-Rennen hoch im Kurs, sie dauern nur wenige Sekunden. Schließlich geht es nur um eins: Beschleunigung.

Zwei Dutzend Mal pro Saison lässt die „National Hot Rod Association“ über die ganze USA verteilt die Motoren aufheulen und lockt hunderttausende von Zuschauern an den nicht mal eine Meile langen Strip – an diesem Woche in der Wüstenglitzerstadt Las Vegas. Viel mehr als diese zweispurige, gerade Strecke braucht es für ein Drag Race nicht: Die Teams haben ihre komplette Werkstatt in Lkws dabei, eine Boxengasse gibt es nicht. Die Zuschauer sind mitten drin in diesem mobilen Pitwalk und können den Mechanikern über die Schulter schauen, wenn sie die PS-Monster auf Vordermann bringen. Und das ist an einem Renntag mehr als einmal nötig.

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V8 mit über 10.000 PS

Drei Klassen gehen traditionell an den Start. Die Pro-Stock-Cars haben mit einem herkömmlichen Auto noch die meiste Ähnlichkeit und sind mit gut 1.500 PS die harmlosesten im Feld; sie fahren als einzige noch die Viertel-Meilen-Distanz. Für die beiden stärkeren Klassen wurde die Strecke nach einem tödlichen Unfall im Jahr 2008 auf 1.000 Fuß (304,8 Meter) verkürzt, für die sie knapp über drei 3,8 Sekunden brauchen und teilweise mehr als 500 km/h erreichen. Möglich machen dies ihr leichtes Gewicht (knapp über 500 Kilogramm) und ein gut acht Liter großer, aufgeladener V8-Motor, der über 10.000 PS (!) entwickelt – rund 700 davon braucht allein der Kompressor.

Während die Autos der mittleren Klasse, die sogenannten Funny Cars, ebenfalls noch über eine serienähnliche Karosserie verfügen und den Motor vorne montiert haben, fährt die Top-Fuel-Klasse in unverkleideten Dragstern mit gut acht Metern Radstand, der für den nötigen Geradeauslauf sorgt. Aus Sicherheitsgründen ist der Motor hier hinter dem Fahrer montiert. „Der Motor allein kostet gut 100.000 US-Dollar“, erklärt Dale Aldo, der Motorsport Marketing Manager von Mopar. Die hauseigene Zubehör- und Tuningabteilung des Fiat-Chrysler-Konzerns ist das amerikanische Pendant zu Mercedes AMG oder BMW M und fährt mit ihren Teams in der Dragster-Serie ganz weit vorne mit.

Und genau dieser sündhaft teure Motor (er macht gut 40 Prozent der Gesamtkosten eins Dragsters aus) muss im Grunde nach jedem Lauf neu aufgebaut werden. Denn in den wenigen Sekunden des Rennes wirken schlagartig schier unvorstellbare Kräfte aufs Material – ebenso wie auf den fest im Sitz verzurrten Fahrer: Er und sein Körper müssen mit einer Beschleunigung von rund vier G zurechtkommen – beziehungsweise minus sechs G, wenn die Bremsfallschirme entfaltet werden. Anders wären die Boliden nicht zu stoppen.

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