Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg E-Autos im freien Fall

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 2 min Lesedauer

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Bei der 8. Fachtagung Freie Werkstätten in Filderstadt konnten sich Betreiber von markenunabhängigen Betrieben zu den Themen Fahrerassistenzsysteme und Fahrzeugdaten informieren.

Helge Kiebach vom KTI brachte die Teilnehmer in Sachen Fahrerassistenzsysteme und ihre Reparatur auf den neuesten Stand.(Bild:  Rosenow – VCG)
Helge Kiebach vom KTI brachte die Teilnehmer in Sachen Fahrerassistenzsysteme und ihre Reparatur auf den neuesten Stand.
(Bild: Rosenow – VCG)

Zum mittlerweile achten Mal veranstaltete der Verband des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg am Samstag, den 28. September, seine Fachtagung für Freie Werkstätten. Vizepräsident Rainer Biedermann fasste in seinem Eingangsstatement die aktuellen Herausforderungen, denen sich die Kfz-Branche in dem Bundesland gegenübersieht, prägnant zusammen.

So befinde sich beispielsweise Baden-Württemberg beim Wirtschaftswachstum auf dem letzten Platz unter allen Bundesländern in Deutschland – kein Wunder angesichts der starken Stellung der Automobilindustrie im Land. „Die Neuwagenverkäufe haben an Fahrt verloren, und der Verkauf von E-Fahrzeugen ist im freien Fall“, brachte es Biedermann auf den Punkt. „Hier müssen gemeinsame Anstrengungen übernommen werden, um die Elektromobilität wieder in normales Fahrwasser zu bringen.“

Immerhin könne sich die Branche, so Biedermann, auf ein stabiles Servicegeschäft verlassen: „Die Kunden wollen einen guten und zuverlässigen Partner an ihrer Seite haben. Auf diesen Lorbeeren dürfen wir uns allerdings nicht ausruhen. Wer seinen Betrieb nicht zukunftsfähig ausrichtet, hat irgendwann den Anschluss verloren.“ Und dass die E-Mobilität ein ganz wichtiger Teil dieser Zukunft sein wird, daran besteht für Biedermann kein Zweifel – ebenso wenig an der Kompetenz der freien Werkstätten, an diesen Autos zu arbeiten: „E-Mobile sind ganz normale Fahrzeuge, nur mit einem anderen Antriebskonzept, die wir in unseren Werkstätten ohne Probleme handhaben können.“

Freier Markt will die gleichen Rechte

Weitere Entwicklungen in der Fahrzeugtechnik, die von vielen Werkstattunternehmern als Herausforderung empfunden werden, sind Fahrerassistenzsysteme sowie der Einfluss der Digitalisierung auf das Reparaturgeschäft. Für diese beiden Themen hatte der Landesverband mit Helge Kiebach vom Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI) und Dominik Lutter vom Zentralverband des Kfz-Gewerbes hochkarätige Referenten gewonnen.

Helge Kiebach machte die Teilnehmer darauf aufmerksam, dass bei den kommenden Autos mit hochautomatisierten Fahrfunktionen (Level 3 und 4) der Fahrer die Aufmerksamkeit vom Verkehr abwenden darf – und die volle Verantwortung für die Bewältigung der aktuellen Fahraufgabe beim Auto liegt. Kommt es dann zu einem selbst verschuldeten Unfall, dann trägt der Autohersteller die Haftung – oder, wenn sich eine fehlerhafte Reparatur nachweisen lässt, die Werkstatt.

Leider gehen aber noch viele Betriebe davon aus, dass Fahrerassistenzsysteme Funktionsstörungen mit einer Warnleuchte oder einem Fehlercode melden würden. Das sei aber oft nicht der Fall, so Kiebach, denn Dejustierungen oder Signalschwächungen wegen zu dicken Lackauftrags könnten die Systeme nicht selbsttätig erkennen.

Dominik Lutter ging unter anderem auf die fortschreitende digitale Wettbewerbsverzerrung seitens der Automobilhersteller ein. Nicht nur würden sie den Werkstätten den Zugang zu technischen Daten und Reparaturinformationen durch Security Gateways schwerer machen, sondern sie würden auch die Verwendung von Ersatzteilen vom freien Markt durch Software einschränken. Immer mehr Teile müssten nach dem Einbau digital angelernt werden – und über die dafür nötige Software verfügen nur Originalteile. Der ZDK fordert deshalb die gleichen Rechte für den freien Markt, um Teile und Services für die softwaredefinierten Fahrzeuge von heute und morgen anbieten zu können.

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