E-Stadtauto für 15.900 Euro startet 2018

Autor Andreas Grimm

Die elektrisch betriebenen gelben Postlieferautos, die Streetscooter, haben einst eine Marktlücke besetzt. Nun hat der Kopf hinter den Transportern, Günther Schuh, einen E-Stadtflitzer für den Privat-Pkw-Markt geschaffen.

Die E-Go Mobile AG will ab dem kommenden Jahr auch E-Stadtflitzer vom Format des Renault Twingo bauen.
Die E-Go Mobile AG will ab dem kommenden Jahr auch E-Stadtflitzer vom Format des Renault Twingo bauen.
(Bild: E-Go Mobile)

Ein Aachener Unternehmen bereitet mit bezahlbaren und alltagstauglichen Elektroautos den Einstieg ins Privatkundengeschäft vor. Das elektrische Stadtauto „E-Go Life“ soll im 2. Quartal 2018 in Serie gehen. Pro Jahr könnten in der neuen Aachener Produktion bis zu 10.000 Autos gefertigt werden, teilte die E-Go Mobile AG mit. Kosten soll das Auto in der günstigsten Variante nach derzeitigen Planungen 15.900 Euro – vor Abzug der Elektrofahrzeugprämie.

Der kreative Kopf hinter dem Unternehmen, Vorstandschef und Uni-Professor Günther Schuh, hatte einst den Streetscooter in engem Schulterschluss mit der RWTH Aachen entwickelt und damit viel Aufmerksamkeit erlangt. Den E-Transporter baut die Post inzwischen mit ihrer Tochtergesellschaft selbst. Erst vor wenigen Tagen war zudem bekannt geworden, dass E-Go Mobile in einem Gemeinschaftsunternehmen mit ZF an einem autonomen Transporter für Personen und Lasten, dem E-Go Mover, arbeitet.

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Der Ansatz für das neue Stadtauto sei der gleiche wie beim Streetscooter, sagte der Projektleiter für die Fahrzeugentwicklung, Matthias Kreimeier: „Das Einsatzfeld eines Elektroautos ist aus wissenschaftlicher Sicht die Stadt mit kurzen Strecken.“ Für die kurzen Zyklen von Gasgeben und Abbremsen sei der Elektroantrieb am besten geeignet. Das zeige auch der hohe Verbrauch von Verbrennungsmotoren im Stadtverkehr.

Die Pläne für das elektrische Stadtauto sind bereits weit gediehen. In Prospekten wirbt E-Go Mobile bereits mit detaillierten Daten. So hat der E-Go Life, der als 2+2-Sitzer konzipiert hat die Maße 3.348x1.700x1.567 cm fast identische Maße wie der aktuelle Renault Twingo oder der Smart Forfour, ist mit einem Leergewicht von 810 Kilogramm aber gut 150 Kilogramm leichter als etwa der Smart.

Das geringe Gewicht ist konstruktiv bedingt. Das Aachener Elektroauto komme mit einer relativ kleinen Batterie und kleinem Elektroantrieb aus, sagte Kreimeier. Auf die Unterstruktur der Karosserie würden gefärbte Kunststoff-Formteile statt Blech aufgebracht. Die Material- und Produktionskosten würden dadurch deutlich gesenkt.

Streetscooter: Elektro-Offensive der Deutschen Post
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Der Lithium-Ionen-Akku mit 14,4 kWh reicht offiziell für eine 130 Kilometer Reichwerte, der größere Akku mit 19,2 kWh soll 170 Kilometer schaffen. Die Ladezeit beträgt für die kleinere Batterie 5,5 Stunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 104 km/h. Für die passive Sicherheit soll eine stabile Fahrgastzelle mit großen Deformationszonen sorgen, zudem werden Fahrer-, Beifahrer- sowie Seitenairbags verbaut. Auch das Isofix-Kindersitzsystem wird verbaut.

Für die Ausrüstung legt das Unternehmen aber keinen Wert auf Eigenentwicklungen. Komponenten wie Batterien, Scheinwerfer oder Sitze werden zugekauft. „Einen Scheinwerfer von Null zu entwickeln, da reden wir über Entwicklungskosten von Millionen. Wir gehen den Weg und sagen, den Luxus gönne ich mir hier nicht an der Stelle, sondern schaue, wo gibt es bestehende Scheinwerfer, die ich frei am Markt kaufen kann“, sagt Kreimeier. Entsprechend gibt es Halogenscheinwerfer ebenso wie LED-Systeme oder Konnektivitätsangebote.

Auch zu Fragen der Finanzierung macht sich die E-Go Mobile AG bereits Gedanken. „Ab Herbst 2017 werden wir zusammen mit ausgewählten Banken und Versicherungen attraktive Finanzierungs- und Leasingmodelle anbieten“, heißt es in einem Prospekt. Interessenten können sich das Auto schon jetzt reservieren, müssen dafür aber eine Anzahlung von 1.000 Euro leisten.

Erfolg mit dem Streetscooter

Die Autos der Streetscooter GmbH der Deutschen Post werden derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Waggonfabrik Bombardier in Aachen gefertigt. Die Jahreskapazität erreicht bei zwei Schichten ein Volumen von 10.000 Fahrzeugen pro Jahr.

Mit dem selbstgebauten Streetscooter macht der Bonner Logistikriese den klassischen Autobauern Konkurrenz. Ende April hatte Vorstandschef Frank Appel erklärt, die Post betreibe mit rund 2.500 Elektrolieferwagen die größte kommerzielle E-Flotte in Deutschland. Bis Ende 2017 werde sich die Zahl der Elektrowagen mindestens verdoppeln. Der Logistiker biete die Autos künftig auch externen Kunden an und werde dazu die Produktion der Streetscooter kräftig ausbauen, hatte Appel angekündigt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels wurde der Eindruck erweckt, dass Streetscooter und E-Go Mobile wirtschaftliche Verbindungen haben. Dem ist nicht so. Gemeinsam haben beide Firmen nur ihren Gründer, Professor Günther Schuh, der nach Auskunft von E-Go Mobile Streetscooter bereits 2014 verlassen hat.

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