Eaton sieht Trend zum Kompressor
Das Duell Kompressor gegen Turbolader geht in die nächste Runde. Mechanische Lader von Eaton sollen Motoren sparsamer und dynamischer machen als Turbos.
Moderne Motoren sind ohne Aufladung kaum denkbar. Beim Diesel liegt die Laderquote bei 100 Prozent, und der Otto schickt sich an aufzuholen. Doch handelt es sich bei fast allen Anwendungen um turbogeladene Motoren, das heißt eine Turbine im Abgasstrom erzeugt die Leistung, die nötig ist, um die Ansaugluft zu verdichten.
Geht es nach dem US-amerikanischen Autozulieferer Eaton, dürften in Zukunft wesentlich häufiger mechanisch angetriebene Aufladegeräte zum Einsatz kommen – im deutschen Sprachgebrauch Kompressor genannt.
Aktuell beliefert Eaton unter anderem den VW-Konzern, wo Kompressoren im 1,4-Liter-Twincharger sowie im V6-TSI-Motor zum Einsatz kommen. Auch der neue und extrem sparsame Nissan-Dreizylinder im Micra besitzt einen Eaton-Lader. Gleichzeitig hat das Unternehmen aber auch prominente Aufträge verloren – etwa bei den Vierzylindern von Mercedes-Benz oder beim Mini Cooper S, die beide vom Kompressor auf den Turbolader wechselten.
Auf einer Presseveranstaltung am 30. Juni auf dem LuK-Driving-Center in Rheinmünster erklärte das Unternehmen, warum es den mechanischen Lader trotzdem für zukunftsfähig hält. Immerhin planen die Amerikaner, ihren Absatz in diesem Produktsegment in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln.
Ähnlich wie der Turbolader galt der Kompressor früher als Mittel zur Leistungssteigerung. Fortschritte beim Wirkungsgrad und andere Motorkonzepte haben indes gezeigt, dass der mechanische Lader durchaus das Potenzial hat, den Kraftstoffverbrauch zu senken.
Ladedruck steht sofort zur Verfügung
Im Vergleich zum Turbo besitzt er einen gewichtigen Vorteil: Er bezieht seine Antriebskraft über einen Riementrieb von der Kurbelwelle des Motors und arbeitet deshalb ohne jede Verzögerung – anders als sein gasdynamisch angetriebener Konkurrent, der erst ausreichend Abgasstrom braucht, um in Schwung zu kommen. Dadurch entsteht das berühmte Turboloch.
Eaton illustrierte den Unterschied mit einem Beschleunigungsvergleich zwischen dem Audi A6 mit Kompressor-V6 und 213 kW/290 PS und dem praktisch gleichstarken BMW 335i. Beim Durchzug aus 30 km/h im dritten Gang (nur knapp über Standgas) stürmte der A6 davon wie ein wildgewordener Bulle und ließ dem Turbo-Dreier keine Chance.
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