Siege bei Ampelrennen sind natürlich kein ausschlaggebender Faktor für oder gegen eine Technik. Doch ansatzlose Beschleunigung bedeutet auch Fahrbarkeit und Alltagseignung – ein Thema, das bei modernen, hochaufgeladenen Downsizingmotoren in der Tat immer wichtiger wird.
Doch spart so ein Motor auch Sprit? Immerhin zweigt der Kompressor Leistung ab, die nicht mehr für den Antrieb zur Verfügung steht, während der Turbolader seine Energie vermeintlich „kostenlos“ aus dem Abgas bezieht. Laut Eaton handelt es sich hierbei allerdings um ein altes Vorurteil, das sich physikalisch nicht halten lässt. Zwar benötigen Kompressoren in der Tat Antriebsleistung, aber nur soviel, um ihre innere Reibung zu überwinden. Dabei spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass es sich bei den Eaton-Typen um Konstruktionen nach dem Rootes-Prinzip handelt. Sie besitzen keine innere Kompression, sondern erzeugen den Aufladeeffekt nur durch den erhöhten Volumenstrom. Man müsste sie also Gebläse nennen und nicht Kompressor.
Kompressor passt zum „Downspeeding“
Die neueste Generation von Eaton, „Twin Vortices“ genannt, besitzt Rotoren mit vier im Winkel von 160 verdrehten Flügeln, die besonders effektiv, gleichmäßig und leise arbeiten sollen.
Die Kraft, die der Kompressor dem Motor entnimmt, gibt er ihm außerdem teilweise zurück: Der Gasstrom, den der Lader erzeugt, unterstützt nämlich die Kolbenbewegung. Dahingegen behindert der Turbolader den Volumenstrom des Motors im Auspufftakt und wirkt damit der Kolbenbewegung entgegen.
Trotzdem wirken sich die Vorteile des Kompressors vor allem bei niedrigen Drehzahlen aus. Doch das kommt dem Trend des „Downspeedings“ entgegen, denn niedrige Drehzahlen sparen ohnehin Kraftstoff. Der mechanische Lader sorgt in solchen Motoren dafür, dass trotzdem jederzeit ausreichend Drehmoment zur verfügung steht. Er eignet sich auch besonders für Autos mit Hybrid- oder Start-/Stopp-System, weil der Ladedruck direkt nach Motorstart ansteht.
Kompressor-Dieselmotoren sind schon in der Entwicklung
Weitere Vorteile für die Autohersteller ist das einfache Packaging – schließlich muss die Ansaugstrecke nicht mit der Abgasstrecke verbunden werden wie beim Turbo – und die Wartungsfreiheit. Laut Eaton eignet sich der Kompressor sogar für Dieselmotoren. Entsprechende Serienentwicklungen seien schon im Gange, hieß es auf der Presseveranstaltung.
Welche Kraftstoffeinsparung ein mechanischer Lader genau bringt, ist indes gar nicht so einfach zu sagen. Eaton präsentierte zwar Zahlen, aber die zeigten nur den Unterschied zwischen alten und neuen Motorengenerationen, beispielsweise dem bisherigen 4,2-Liter-V8 im A6 und dem neuen A6 mit Kompressor-V6.
Klar ist, die Aufladetechnik kann ihr Potenzial nur im Verbund mit anderen Elementen entfalten. Wichtig ist vor allem eine längere Gesamtübersetzung, um möglichst oft mit niedrigen Drehzahlen fahren zu können.
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