Vor fast 101 Jahren gegründet, prägte Blaupunkt mit Detektorempfängern und dem ersten europäischen Autoradio die Unterhaltungselektronik. Nach Insolvenz und langer Abwicklung ist die Firma nun endgültig aus dem Handelsregister gelöscht – der Name lebt aber weiter.
Ein Blaupunkt Köln aus dem Jahr 1958 in einem Ford Taunus.
Die Firma Blaupunkt war eines der ersten bedeutenden deutschen Unternehmen, das sich mit Produkten rund um das, was wir heute Unterhaltungselektronik nennen, einen Namen machen konnte. Vor allem für Autoradios war Blaupunkt bekannt, nicht zuletzt, da das erste europäische Autoradio eben von Blaupunkt stammt. Noch unter dem Namen „Ideal Radio“ startete Blaupunkt 1924 mit Detektorempfängern, einer besonders einfachen Art von Radioempfangsgeräten, die die Verbreitung des Rundfunks begünstigten.
Blaupunkt ist zwar schon im Jahr 2016 nach einer Insolvenz nicht mehr im engeren Sinne als Unternehmen tätig, sondern nur noch Namensgeber für andere Produzenten, war aber trotzdem noch immer im deutschen Handelsregister eingetragen. Nun wurde die Firma Blaupunkt endgültig aus dem deutschen Handelsregister entfernt. Mit der Löschung aus dem Handelsregister endet aber nun, fast 101 Jahre nach der Unternehmensgründung, endgültig die Ära der Firma Blaupunkt. Der Markenname Blaupunkt wird allerdings, da die Markenrechte veräußert wurden, trotzdem weiterhin am Leben bleiben. Wir blicken auf die Unternehmensgeschichte von Blaupunkt zurück, vor allem auf die Anfänge sowie den Niedergang des Konzerns.
Im November des Jahres 1924 wurde die Ideal Radio, genauer gesagt die Ideal Radiotelefon- & Apparatefabrik GmbH Berlin, gegründet, um im jungen Geschäft des Rundfunks Fuß zu fassen. Detektorempfänger, eine einfache Bauart von Rundfunkempfängern, waren dabei eines der wichtigsten Produkte, die in Bollersdorf, gut 40 Kilometer östlich von Berlin, gefertigt wurden.
Doch ein Zubehör-Artikel sollte der Anfang der legendären Blaupunkt-Historie darstellen: Bei den für die Detektorempfänger gedachten Kopfhörern versah die Firma die hochwertigen Modelle mit einem blauen Punkt als eine Art Zertifikat für die Klangqualität. Interessierte Kunden verlangen daher oftmals die Kopfhörer mit dem blauen Punkt, die somit innerhalb der noch jungen Rundfunksparte zum Verkaufsschlager wurden. Dies geschah so schnell nach der Firmengründung, dass noch vor Ende des Jahres 1924 die Marke Ideal Blaupunkt Radio entstand.
Sechs Jahre später verwendete die Firma, die seit Ende 1926 in Ideal-Werke AG für drahtlose Telephonie mbH umbenannt worden war, nur noch den Markennamen Blaupunkt. Parallel dazu vertrieb man auch unter einer Telefunken-Lizenz Radiogeräte und verkaufte selbstentwickelte Elektronenröhren. Die Produktionsstätte zog 1927 wiederum nach Berlin-Kreuzberg und schließlich 1930 nach Berlin-Hohenschönhausen in die Große-Leege-Straße um. Den offiziellen Namen Blaupunkt bekamen die Ideal-Werke Ende 1938, als die gesamte Firma in Blaupunkt-Werke GmbH umbenannt wurde.
Etabliert als Autoradio-Spezialist
Die 1930er-Jahre legten den Grundstein dafür, dass Blaupunkt über viele Jahrzehnte hinweg zum Klassenprimus im Bereich der Autoradios wurde. Denn ab 1932 stellten die Ideal-Werke das Autosuper AS 5 vor, das erste in Europa entwickelte Autoradio der Historie. Es nahm etwa zehn Liter an Raum ein und war freilich kein Produkt, das für jedermann erschwinglich war. Automobile waren damals in den Zeiten nach der Großen Depression, einer 1929 gestarteten Wirtschaftskrise, ohnehin der eher reichen Gesellschaft vorbehalten. Weniger als ein Prozent der deutschen Bevölkerung besaßen damals ein Auto, heute hat rechnerisch mehr als jeder zweite Deutsche einen Pkw.
Das Autosuper AS 5 kostete damals 465 Reichsmark, was 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises eines Mittelklassewagens entsprach. Die Produktion der Autoradios fand nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hildesheim statt, wo am 16. Juni 1959 das einmillionste Autoradio vom Band lief, während dort 6.000 Mitarbeiter beschäftigt waren. Für Bosch fertigte Blaupunkt zudem mit 4.000 weiteren Angestellten elektronische Automobilprodukte wie Starter. Meilensteine bei der Anzahl an produzierten Autoradios waren 25 Millionen im Jahr 1979 sowie 50 Millionen im Juli 1990.
Doch zurück in die 1930er-Jahre: 1933, ein Jahr nach der Markteinführung des ersten Autoradios, wurde Blaupunkt respektive die Ideal-Werke zu einer Tochtergesellschaft von Bosch, was aus Sorge vor rechtlichen Problemen mit Telefunken allerdings zunächst geschickt verborgen worden war. Nach der Änderung des Firmennamens in Blaupunkt-Werke GmbH Ende 1938 kam mit dem 1939 gestarteten Zweiten Weltkrieg eine Änderung auf das Unternehmen zu, das bis zum Ende des Krieges hauptsächlich Produkte für das Militär fertigte. Blaupunkt war zum Beispiel an einer Zielkamera für eine ferngesteuerte Gleitbombe beteiligt. Während des Krieges wuchs die Zahl der Arbeiter von 2.600 auf 4.100, wobei das Unternehmen auch Zwangsarbeiter ausgenutzt und 1944 das Konzentrationslager Groß-Rosen als Fertigungsstätte für Kondensatoren genutzt haben soll.
Nachkriegszeit als neue Chance
1945 war die Nachkriegszeit ein Neustart für die Firma Blaupunkt, die nun in Hildesheim ansässig wurde und als Blaupunkt-Apparatebau GmbH firmierte, und zwar weiterhin mit Bosch als Mutterunternehmen. Es entstanden in den folgenden Jahrzehnten weitere Produktionsstätten in Deutschland, zum Beispiel in Salzgitter, aber auch in Ländern wie Portugal, Mexiko, Tunesien und China.
Stand: 08.12.2025
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Es gab dabei mehrere bemerkenswerte Produkte, zum Beispiel 1952 das weltweit erste UKW-Autoradio, das Autosuper A 52 KU, sowie 1969 mit dem „Frankfurt Stereo“ das erste FM-Stereo-fähige Autoradio. 20 Jahre später stellte Blaupunkt das erste europäische Navigationssystem, den TravelPilot, vor. Während der 1970er-Jahre waren etwa 12.000 Menschen bei Blaupunkt beschäftigt. Im Jahr 1990 übernahm Blaupunkt die Autoradio-Sparte von Grundig und spezialisierte sich damit weiter. Mitte der 1990er-Jahre richtete sich Blaupunkt auf mobile Kommunikationsprodukte aus und stoppte die Produktion von Fernsehern, Videorekordern und Camcordern. Der Schwerpunkt waren daraufhin Autoradios, Auto-Lautsprecher und Navigationssysteme sowie Auto-Antennen.
Im Jahr 2006 gingen etwa 500.000 Navigationssysteme sowie sechs Millionen Autoradios bei Blaupunkt vom Band. Gut 8.500 Mitarbeiter sorgten zu dieser Zeit weltweit für die Produktion und den Vertrieb. Damals brachte Blaupunkt unter anderem ein Autoradio mit externer Festplatte sowie einer Antenne für den US-amerikanischen Satelliten-Rundfunk auf den Markt. Doch schon kurz danach wurde es wild rund um Blaupunkt.
Schwere Zeiten nach 2006
Ende 2008 wurden große Teile von Blaupunkt durch Bosch an die Investmentholding Aurelius verkauft. Die Autoradio-Sparte, die auch für Navigationssysteme zuständig war und damals etwa 6.000 Angestellte ausmachte, verblieb als Robert Bosch Car Multimedia GmbH bei Bosch. Allein dieser Bereich von Blaupunkt hatte 2006 fast 1,5 Milliarden Euro Umsatz und somit 80 Prozent des Firmenumsatzes verantwortet. Bosch behielt also gewissermaßen das Tafelsilber.
Für den nun zu Aurelius gehörenden Teil von Blaupunkt, der etwa 1.600 Mitarbeiter ausmachte und Produktionsstätten in Hildesheim, Malaysia, Portugal und Tunesien umfasste, wurden etwa 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr prognostiziert. Aber auch dieser Restbestand von Blaupunkt fertigte weiterhin Produkte aus dem Autoradio-Sektor sowie andere Unterhaltungselektronik. Der Versuch, im Jahr 2011 mit Blaupunkt-Kopfhörern einen Schub beim Unternehmensumsatz zu erzielen, war allerdings nicht erfolgreich. Parallel dazu gab es Kooperationen mit anderen Herstellern, auch um den Markennamen Blaupunkt weiterhin als Zugpferd einsetzen zu können.
2014 verkaufte Aurelius schließlich einen mittlerweile als Blaupunkt Technology GmbH benannten Teil von Blaupunkt an eine Holding-Gesellschaft, behielt aber die Markenrechte und produzierte weiterhin Autoradios. Ein weiterer Unternehmensteil, der unter anderem Lautsprecher für Autos herstellte, wurde komplett veräußert. Doch die geschäftlichen Bemühungen sollten keinen langfristigen Nutzen mehr haben.
Abwicklung als reiner Lizenzgeber
Als im Jahr 2016 nur noch 33 Mitarbeiter für die Autoradio-Sparte von Blaupunkt in Hildesheim tätig waren, lief bereits ein Sanierungsversuch in Eigenverwaltung. Ein Verkauf scheiterte, sodass das Unternehmen endgültig in die Insolvenz ging. Die Autoradio-Abteilung wurde vom britischen Hersteller Premium Sound Solutions übernommen. Die Markenrechte von Blaupunkt wurden aber weiterhin genutzt und dabei von der luxemburgischen GIP Development SARL verwaltet, die schließlich im Jahr 2023 die Rechte an das US-Unternehmen Established veräußerte.
Mit der nun erfolgten Löschung aus dem deutschen Handelsregister, die unter anderem mit der erst in diesem Jahr endgültigen Abschließung des Insolvenzverfahrens zu tun hat, ist Blaupunkt als Firma nun Geschichte. Der Markenname wird weiterhin genutzt, ohne dabei aber noch einen echten Bezug zu Qualität und Innovationspotenzial der ursprünglichen Firma zu haben. Der Name Blaupunkt findet sich nun bei Lizenznehmern aus mehr als 15 Ländern, sowohl aus Deutschland als auch aus Übersee, wie Indien, Taiwan, USA, Australien oder Ecuador. Man findet ihn auf Produkten aus den Bereichen Haushalt, Automobilzubehör, Unterhaltungselektronik, Mobiltelefonen, Klimaanlagen, Reinigungsgeräten oder auch Gartenwerkzeugen. Im Vergleich zu der Erfolgsära von Blaupunkt ist der blaue Punkt aber nun verblasst. (sb)