Seit 1930 gibt es die Ford-Werke in Köln, seither wurde dort noch nie regulär gestreikt. Damit ist jetzt Schluss - und dafür gibt es Gründe.
Die IG-Metall bestreikt erstmals in der Geschichte des Standortes das Kölner Ford-Werk.
(Bild: Stephen Petrat/IG-Metall)
Erstmals in ihrer fast hundertjährigen Geschichte hat ein Streik die Kölner Ford-Werke getroffen und die Arbeit weitgehend zum Erliegen gebracht. Am Morgen baute die IG Metall Streikposten an den Werkstoren auf, Frühschichten fielen aus. Von den aktuell etwa 11.500 Stellen möchte die Firma bis Ende 2027 2.900 abbauen, was zu scharfem Protest geführt hat.
Die IG Metall fordert eine Kurskorrektur und hohe Abfindungen für die Beschäftigten, die freiwillig gehen oder deren Jobs an andere Firmen ausgelagert werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2032 ausgeschlossen.
„Die Arbeit ruht hier komplett“, sagte der IG-Metall-Sprecher bei Ford Köln, David Lüdtke, nachdem die ersten Frühschichten ausgefallen waren. Die Arbeitsniederlegung betreffe den ganzen Standort - also Produktion, Entwicklung, Verwaltung und andere Bereiche. „Wir lassen niemanden rein.“
Nur wenige Streikbrecher
Ausnahmen gibt es allerdings: An einem Notdienst-Tor haben bestimmte Mitarbeitende Zutritt. „Und wer unbedingt Streikbrecher sein will, der käme auch rein - aber mit dem werden wir vorher noch sprechen“, sagte Lüdtke. Am Notdienst-Tor berichtete der Streikposten gegen neun Uhr, dass bislang nur drei Streikbrecher hineingegangen seien. Am Donnerstagmorgen soll die Arbeitsniederlegung mit dem Ende der letzten Nachtschichten vorbei sein.
Die Ford-Werke GmbH wurde 1925 in Berlin gegründet, seit 1930 hat sie ihren Stammsitz in Köln. Auf dem Kölner Ford-Standort gibt es mehrere Produktionsstätten, etwa für Elektroautos und für Nutzfahrzeug-Getriebe, daher spricht man von Ford-Werken. Außerdem gibt es ein Ersatzteilzentrum.
Erster Gewerkschaftsstreik
Einen Streik einer Gewerkschaft haben die Ford-Werke noch nie gehabt. 1973 war es zu einer „wilden“ - also nicht gewerkschaftlich organisierten - Ausstand von türkischen Mitarbeitern gekommen, die sich gegen die Entlassung von 300 Landsleuten und generell gegen Diskriminierung wehrten. Ihr Protest blieb damals ergebnislos, weder Betriebsrat noch Gewerkschaft unterstützten sie.
Mit diesem lange zurückliegenden Arbeitskampf hat der aktuelle Streik nichts mehr zu tun. Für ihn hatte die IG Metall Anfang Mai eine Urabstimmung durchgeführt, die eine Streik-Zustimmung von 93,5 Prozent der bei Ford arbeitenden IG-Metall-Mitglieder ergab. Nun begann der erste Arbeitskampf für einen Tag.
Betriebsrat droht mit weiteren Streiks
Nach Einschätzung des Betriebsratschefs von Ford Deutschland, Benjamin Gruschka, erhöht sich der Druck auf den Arbeitgeber durch den Streik nun deutlich. „Das tut schon weh, das kostet ihn ein paar Millionen heute“, sagte der Betriebsrat. Sollte sich das Management inhaltlich nicht bewegen, werde es weitere Ausstände geben. „Dann werden wir weitere Streiktage anlegen und dann tut es immer mehr weh.“
Gruschka betonte die Bedeutung des Arbeitskampfes. Er verwies darauf, dass der US-Mutterkonzern eine Patronatserklärung - eine Art Bürgschaft für die Ford-Deutschlandtochter - gekündigt und dadurch „den Finger an den Knopf einer möglichen Insolvenz“ gelegt habe. „Die Kollegen wissen, dass es um alles oder nichts geht.“ Durch das Ende der Patronatserklärung ist eine Insolvenz der Ford-Werke GmbH theoretisch möglich, vorher war sie es nicht.
Die IG Metall pocht auf einen finanziellen Schutzschirm der US-Mutter für die Beschäftigten, der im Falle so einer Insolvenz greifen würde. Derzeit ist eine Insolvenz reine Theorie, zumal der Schuldenberg von Ford Deutschland nach einer US-Finanzspritze zuletzt deutlich vermindert wurde.
Ein Ford-Sprecher gab sich nach dem Streikbeginn optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, im gemeinsamen Gespräch mit unseren Sozialpartnern zu einer Einigung zu kommen.“
SPD-Politiker kritisiert Ford-Management
Die Streikenden bekamen auch Besuch aus der Politik. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, Jochen Ott, warf dem Ford-Management einen „unsäglichen Umgang“ mit den Beschäftigten vor. „Die Beschäftigten haben einen Anspruch darauf, vernünftige soziale Angebote zu bekommen - für den Fall, dass bestimmte Arbeitsplätze wegfallen.“
Ford hat in Köln inzwischen zwar komplett auf die Produktion von Elektroautos umgestellt, ist beim Thema E-Mobilität aber spät dran. Die Herstellung des Verbrennermotor-Kleinwagens Fiesta wurde 2023 eingestellt, inzwischen rollen zwei Elektro-Geländewagen vom Band.
Stand: 08.12.2025
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Sozialdemokrat Ott erinnert sich an seine Anfangszeit als Landtagsabgeordneter, 2010 war er in das Parlament gewählt worden. Ein damaliger Ford-Manager habe im Gespräch mit ihm Elektroautos als „Quatsch“ abgetan. „Ich habe ihm gesagt, „Wir brauchen eine Elektro-Fiesta, der für die breite Masse der Menschen erschwinglich ist“. Das wurde vom Tisch gewischt“, sagt Ott. „Ford hat die vollkommen falsche Strategie gefahren und die Beschäftigten müssen die Suppe, die das Management ihnen eingebrockt hat, jetzt auslöffeln.“
Hoffnungsschimmer am Horizont
Der US-Mutterkonzern Ford ist erfolgreich mit Nutzfahrzeugen und Pick-ups, die werden allerdings nicht in Deutschland hergestellt. Die auf Europa fokussierten Autos sind für Ford ein Verlustbringer. Nur wenn sich das ändert, hat der Kölner Standort eine Zukunft - das ist allen Beteiligten klar.
Der Ford-Marktanteil lag 2024 im deutschen Autogeschäft nur noch bei 3,5 Prozent und damit 1,5 Punkte niedriger als 2022. Der Verkauf der neuen Elektro-Autos liegt bislang unter den Erwartungen. Zuletzt gab es aber einen leichten Hoffnungsschimmer: Im April legte die Anzahl der neu zugelassenen Ford-Pkw im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,2 Prozent zu, damit stieg der Marktanteil auf 3,9 Prozent.