Ein Friedhof für Oldtimer: Ruhe in Rost

Autor / Redakteur: sp-x / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Oldtimerfreunden könnte bei diesem Anblick das Herz bluten: alte Autos, die sich selbst überlassen einfach verrotten. Doch Rost-Romantiker sehen den Wald der verwitterten Schönheiten mit anderen Augen.

Die Oldtimer-Ruhestätte im Neandertal versprüht den morbiden Charme des Wiener Zentralfriedhofs.
Die Oldtimer-Ruhestätte im Neandertal versprüht den morbiden Charme des Wiener Zentralfriedhofs.
(Foto: sp-x)

Laufsteg der Modemutigen und Flaniermeile der Schönen und Reichen – das ist die Königsallee in Düsseldorf. Auf der „Kö“ sieht man Menschen mit vollen Einkaufstüten vor penibel geputzten Schaufenstern, teuer gekleidete Damen, fröhliche Kinder in Designeroutfit und natürlich und vor allem immer wieder glitzernde Karossen, die sich bereits von weitem mit lautem Motor ankündigen. Kaum zu glauben, dass sich nur wenige Kilometer östlich dieses pulsierenden Herzens der Stadt eine ganz andere Autowelt zeigt, eine, an der so gar nichts blitzt oder funkelt. Wir fahren ins Neandertal, in dem nicht nur der Steinzeitmensch zuhause ist.

An einer verlassenen Straße bildet ein fast verstecktes und unscheinbares Tor den Eingang zu einer anderen Welt. Einem Paradies für Oldtimerenthusiasten mit dickem Fell, aber die Hölle für Q-Tip-Felgenputzer und Polsterreinigungs-Fanatiker. Auf einem nur scheinbar gänzlich verlassenen, bewaldeten Stück Land , das einem kitschigen Gemälde entsprungen sein könnte, liegt ein Autofriedhof. Und was für einer.

Ein Friedhof für Oldtimer: Rost in peace
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Morbide Schönheiten

Passiert man das Tor und traut sich in den Wald hinein, stolpert man nach einigen Metern regelrecht über die ersten Fahrzeugleichen. Vergammelt, verrostet, zusammengesackt und verformt. Viele sind ausgeschlachtet, andere tragen noch die komplette Verglasung und haben alle Instrumente. Funktionstüchtig ist nichts mehr. Die heil gebliebenen Fensterscheiben sind milchig und erschweren neugierige Blicke ins Innere, die Reifen – falls vorhanden – sind tief in der Erde versunken.

Eingekeilt zwischen Bäumen werden sie von Moos, Laub und Pilzen überwuchert und wirken wie Pflanzenkübel der etwas anderen Art. Bei einem dachlosen Trabant wächst sogar schon ein Baum aus dem Innenleben hervor, schwere Äste drücken an manchen Stellen auf die dünne Blechhaut der Oldies, trübe Scheinwerferaugen schielen den Betrachter an oder hängen weit aus den Höhlen. Daneben, darunter und darüber Artgenossen mit gleichem Schicksal. Keine Spur von einstigem Glanz. Die sich im Verfall befindlichen sterblichen Überreste sind zu skurrilen Gebilden geworden, die geheimnisvoll und unheimlich, gleichzeitig aber auch faszinierend wirken.

Einige Objekte haben zwar Teile ihrer bunten Lackflächen noch, dominierend sind jedoch mit grün und rost-rotbraun die Farben der umgebenden Landschaft, die langsam von den Wracks Besitz ergreift. Die Autos von damals hatten zwar massive Rahmen, jedoch garantiert keinen Korrosionsschutz, außer ein paar Chromresten ist häufig wenig übrig geblieben. Hat hier jemand das einst geliebte Blech einfach abgestellt und vergessen? Nein, das Ganze hat System und die Lizenz zum Verrotten. Herr über die morbiden Schönheiten ist Michael Fröhlich.

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