Jahresbilanz Ein trüber Abschluss für ein rückläufiges Autojahr

Von Andreas Grimm 1 min Lesedauer

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Das Zulassungsjahr 2024 ist traurig zu Ende gegangen, im Dezember fiel die Zahl der Neuanmeldungen nochmals deutlich. Die Aussichten für 2025 sind durchwachsen – und hängen vor allem an einem Thema.

Die Zahl der Neuwagen-Auslieferungen ist im Jahr 2024 um 1,0 Prozent gesunken. Vor allem E-Autos waren weniger dabei.(Bild:  Grimm – VCG)
Die Zahl der Neuwagen-Auslieferungen ist im Jahr 2024 um 1,0 Prozent gesunken. Vor allem E-Autos waren weniger dabei.
(Bild: Grimm – VCG)

Der deutsche Neuwagenmarkt hat im Gesamtjahr 2024 erwartungsgemäß leicht nachgegeben. Nach den teils deutlichen Absatzrückgängen im zweiten Halbjahr hatte sich das negative Gesamtergebnis bereits angedeutet, im Dezember erhielt die Branche einen abschließenden deutlichen Dämpfer. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) kamen in letzten Monat des Jahres noch 224.721 Neuwagen auf die Straßen – 7,1 Prozent weniger als im Abschlussmonat 2023. Es ist der schwächste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Damit gab die Nachfrage im Gesamtjahr um 1,0 Prozent nach. Von Januar bis Dezember ließen Privat- und Gewerbekunden, Vermieter, Hersteller und Händler 2.817.331 Pkw neu zu. Vor Jahresfrist waren es noch 2.844.609 Einheiten gewesen. Mittelfristig dürfte dieses Marktvolumen – gut ein Fünftel unter dem Vor-Corona-Wert – weniger außergewöhnlich als eher die neue Normalgröße sein. Viele Marktbeobachter rechnen zumindest für 2025 mit keinen nennenswerten Wachstumssprüngen.

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) erwartet im Gegenteil sogar ein erneutes Absatzminus für 2025 um weitere 100.000 Einheiten, insbesondere „wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation sowie ungelöster struktureller Herausforderungen“. Etwas positiver sieht es der Importeursverband VDIK, der von 2,85 Millionen Einheiten – dem Wert des Jahres 2023 – ausgeht. Constantin Gall, Leiter Mobility bei EY für Westeuropa, erwartet bestenfalls nur „ein leichtes Plus auf dem Neuwagenmarkt“.

Gestützt werden die leicht positiven Erwartungen von einem steigenden Auftragseingang aus dem Inland. Dieser Wert stieg bei den vom Verband der Automobilindustrie (VDA) vertretenen Herstellern um 35 Prozent. Allerdings war in diesem Fall der Vergleichswert im Dezember 2023 besonders niedrig. Trotzdem legte der Auftragseingang im Jahresverlauf um 12 Prozent zu. Nach Antriebsarten differenziert der VDA an dieser Stelle allerdings nicht.

Entscheidend ist die Entwicklung der E-Nachfrage

Einig sind sich die Marktbeobachter, dass 2024 vor allem Impulse im Elektromarkt fehlten. Der Absatz reiner BEV war im Gesamtjahr 2024 um 27,4 Prozent auf 380.609 Einheiten gesunken. Im Dezember liest sich der Rückgang doppelt dramatisch – minus 38,6 Prozent. Dieser tiefe Fall ist allerdings der Zulassungsrallye im Dezember 2023 geschuldet, als die Kaufprämie für rein batterieelektrische Pkw für private Kunden überraschend vorzeitig eingestellt wurde. Seither ist der E-Auto-Absatz stark unter Druck.

Der BEV-Anteil an sämtlichen Neuzulassungen betrug im Gesamtjahr 2024 nur noch 13,5 Prozent. Im Jahr davor waren es 18,4 Prozent gewesen. Dagegen erfreuen sich die Plug-in-Hybride wachsender Beliebtheit: Ihr Absatz kletterte um 9,2 Prozent auf 192.000 Einheiten (Marktanteil: 6,8 %).

Grundsätzlich rechnen die Marktbeobachter und Interessenverbände mit einem Anziehen der E-Auto-Nachfrage im neuen Jahr – zumindest, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das Jahr 2024 sei in dieser Hinsicht ein verlorenes Jahr für die E-Mobilität gewesen, sagte Gall. In allen anderen europäischen Staaten einschließlich des Vereinigten Königreichs würden die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen steigen, ergänzt der ZDK. „Nur in Deutschland hat die Politik den Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für den Hochlauf der E-Mobilität noch immer nicht erkannt“, sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn.

Er sieht die Aussichten für die Elektromobilität eher trüb – insbesondere wegen der Kosten. Doch die seien auf breiter Front am Rutschen, entgegnet Marktbeobachter Gall. Er erwartet in den kommenden Monaten „in größerem Umfang Preissenkungen bei Elektroautos, was auch dazu beitragen kann, neue Käuferschichten zu erschließen“. Allerdings müsse noch viel getan werden, um den großen Rest der Bevölkerung letztlich vom Umstieg auf die Elektromobilität zu überzeugen.

Deutliche Verschiebungen auf Markenebene

Bricht man die Neuzulassungsenwicklung auf die einzelnen Marken herunter, zeigt sich ein differenziertes Bild. Einige Fabrikate konnten im Jahresverlauf erheblich zulegen, andere verloren dagegen deutlich. Vielfach steckt hinter dem Aufschwung aber schlicht eine erreichte Normalisierung der Lieferfähigkeit, die Einführung neuer Modelle oder auch die Neupositionierung im Stellantis-Konzern. Große Gewinner des Jahres 2024 sind etwa Mitsubishi (+50,8 %), Peugeot (+44,0 %), Volvo (+39,3 %), Citroën (+32,9 %) oder Toyota (+27,0 %). Abwärts ging es dagegen für Tesla (–41,0 %), Fiat (–24,1 %), Renault (–20,4 %), Jeep (–21,6 %) oder Audi (–18,1 %).

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Ein schwieriges Jahr hatten insbesondere die neuen Marken, zudem noch mit niedrigen Stückzahlen. Während Fisker aufgrund der Insolvenz aus dem Rennen um Kunden ganz ausschied, geht es vielen anderen Fabrikaten nicht viel besser. Aiways hat mit 27 Verkäufen den Absatz nochmals halbiert, BYD sackte um ein Drittel ab (2.891 Einheiten), Great Wall ebenso (3.002 Neuwagen). Ineos war zuletzt durch fehlende Sitze in der Fertigung zwar gehandicapt, das erklärt dennoch nicht komplett das Verkaufsminus um 50 Prozent auf 485 Einheiten. Und Nio verkaufte gar nur ein Drittel des Vorjahreswerts (398 Einheiten).

Aber es gibt auch positive Entwicklungen: MG hielt den Absatz fast stabil (–1,2 %), wenn auch mit sehr günstigen Leasingraten. Lucid schaffte erstmals wahrnehmbare Stückzahlen (392 Neuzulassungen) – und Xpeng startete neu in Deutschland und kommt aufbauend auf ein Händlernetz bereits auf die gleiche Stückzahl wie Lucid.

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