Europäische Sportler made for USA

Autor / Redakteur: sp-x / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Egal ob Alfa Romeo, BMW, Jaguar oder Porsche – europäische Autobauer konstruierten in den 50ern für die kaufkräftige US-Klientel schnelle Sportwagen wie den Mercedes 300 SL „Flügeltürer“.

Supersportler wie der Mercedes SL 300 Roadster zählten in den späten 50er Jahren auch in den den USA zu den automobilen Stars.
Supersportler wie der Mercedes SL 300 Roadster zählten in den späten 50er Jahren auch in den den USA zu den automobilen Stars.
(Foto: Mercedes-Benz)

Welche Leidenschaft teilten Elvis Presley und Hollywood-Legenden wie James Dean mit einfachen GIs der amerikanischen Armee? Es war ihre Faszination für europäische Sportwagen. Leichte Roadster, Spider und Sportcoupés, die so ganz anders waren als das chromblitzende Detroiter Schwermetall, mit dem US-Konzerne immer neue Produktionsrekorde erzielten. Mehr als acht Millionen Sechs- und Achtzylinder schickten die Automobil-Giganten allein 1955 auf die Highways.

Während in Deutschland noch Kabinenroller und der VW Käfer als soziale Statussymbole galten, war in Amerika schon der hubraumstarke Zweitwagen Alltag. Zeit zum Umdenken, dachten nicht wenige Autofans in den USA – und ein genialer Autohändler. Waren es zunächst die in Europa stationierten US-Soldaten, die bei ihrer Heimkehr vor allem englische Roadster mitbrachten, wurde wenig später der in Wien geborene Autoimporteur Max Hoffman zum Hauptabnehmer und Ideengeber sportlicher Schönheiten. Ob Alfa Giulietta oder BMW 503 und 507, Mercedes 190 SL und 300 SL oder Porsche Speedster, sie alle wurden durch Hoffman angeregt.

Europäische Sportler made for USA
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Sportwagenhype der „Golden Fifties“

Nicht mehr Messen in Frankfurt, London oder Paris, sondern New York und Chicago entschieden im ersten Nachkriegsjahrzehnt, ob neue Sportwagen toppten oder floppten. Konnten die speedsüchtigen Amerikaner damals doch gar nicht genug Nachschub an flotten europäischen Flitzern bekommen, die sich als Weekend-Racer empfahlen. Werktags ins Büro und sonntags auf die Strecke, das war damals angesagt. Sogar Leinwandhelden wie James Dean sicherten so ihre Sportabzeichen. Zusätzlich forciert wurde dieser Sportwagenhype durch englische und französische Exportgesetze, die den defizitären Staatshaushalten einen wohltuenden Dollarregen bescherten.

So wurden von Jaguar, MG, Triumph oder Facel Vega bis zu 90 Prozent der Produktion in die USA geliefert. Gerade Jaguar hatte sich schon 1948 mit seinem ersten Traumsportwagen der XK-Serie ein Denkmal gesetzt. Trug der XK 120 doch das Tempo in der Typenbezeichnung, 120 Meilen (192 km/h) machten ihn zu einem der schnellsten Autos der Welt. Dennoch blieb der XK 120 ebenso wie der 1955 lancierte XK 140 getreu dem Jaguar-Motto „Value for money“ unter den Kosten der Konkurrenten. Beste Basis für Bestsellerkarrieren.

„Sporty and small is beautiful“

Auch bei MG und Triumph war es die Bezahlbarkeit, die die 1955 vorgestellten Typen TR3 und MGA boomen ließ. Von dieser amerikanischen Liebe zu europäischen Sportlern wollte die US-Marke Nash profitieren, die dafür mit Austin in England kooperierte. Nash entwickelte kleine Coupés und Cabriolets, die aber in England gebaut wurden. Tatsächlich zählte der Nash Metropolitan mit rund 100.000 Einheiten zu den erfolgreichsten Importwagen auf dem US-Markt.

„Sporty and small is beautiful“, von diesem Trend profitierten ab 1955 auch die schwedischen Marken Saab und Volvo. Vollmundig bewarben die Göteborger ihren Buckel-Volvo PV 444 als „most important new import“, der Superlative setzen sollte: Mehr Sport und mehr Leistung bei geringeren Kosten als alle anderen. Tatsächlich verfielen die Amerikaner diesem Volvo auf Anhieb, denn der kleine Fastback lieferte mit 63 kW/85 PS mehr PS pro Kubikzentimeter als großvolumige amerikanische Power-Limousinen. Viel Kraft aus mikrobenhaften Motörchen, das war auch das Erfolgsgeheimnis der sportiven frontgetriebenen Fahrzeuge aus Trollhättan: Nach dem Typ 93 legte Zweitaktspezialist Saab für seine US-Klientel den GT 750 auf mit stolzen 37 kW/50 PS aus 0,75 Liter Hubraum. Stimmung machte zudem der offene Saab Sonett für sunny California.

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