Führungswechsel Faraday Future feuert Carsten Breitfeld

Von Andreas Grimm

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Der kalifornische Elektroautobauer ist chronisch in Verzug mit seinem Erstlingsmodell FF91. Jetzt geht dem Dauer-Start-up wohl zum wiederholten Mal das Geld aus – und die Geduld mit dem einstigen Retter Carsten Breitfeld.

Schöner Schein: Im Sommer hatte Faraday Future seinen ersten Flagship Store in Beverly Hills, Kalifornien, angekündigt. Jetzt steht das Unternehmen mal wieder finanziell vor dem Aus.(Bild:  Faraday Future)
Schöner Schein: Im Sommer hatte Faraday Future seinen ersten Flagship Store in Beverly Hills, Kalifornien, angekündigt. Jetzt steht das Unternehmen mal wieder finanziell vor dem Aus.
(Bild: Faraday Future)

Der dauerkriselnde Elektroauto-Hersteller Faraday Future hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem operativen Chef (CEO) Carsten Breitfeld getrennt. Nachfolger an der Spitze des selbsternannten Tesla-Herausforderers wird Xuefeng Chen, bislang Vorstandchef von Faraday Future in China, heißt es in einer Mitteilung vom 28. November. Bemerkenswert ist die Begründung der Abberufung: Sie sei nach einer umfassenden Bewertung der Entwicklung des Unternehmens seit dem Börsengang im Juli 2021 erfolgt.

Er soll Faraday Future retten: der bisherige China-Chef und neuer CEO Xuefeng Chen.(Bild:  Faraday Future)
Er soll Faraday Future retten: der bisherige China-Chef und neuer CEO Xuefeng Chen.
(Bild: Faraday Future)

Diese Bilanz fiel bitter aus. Das ist auch am Wert der Aktien nachzuverfolgen. Kostete das Papier nach dem Börsengang noch rund 20 Dollar, sind es jetzt noch 30 Cent. Auch die Bargeld-Reserven des Unternehmens sind drastisch geschrumpft: Laut Berechnungen des „Manager Magazins“ waren von mehr als einer halben Milliarde Doller zum Jahresstart bis Ende September noch 32 Millionen Dollar übrig.

Vordringlich wäre also nun für das Unternehmen, endlich Geld zu verdienen, sprich Ware zu verkaufen. Entsprechend nennt die Pressemitteilung des E-Auto-Bauers als wesentliche Aufgabe des neuen Chefs, das bisher einzige Modell, den FF91, endlich auf den Markt zu bringen. Das hat Faraday Future allerdings schon länger vor. 2017 wurde das Elektroauto mit mehr als 1.000 PS präsentiert, schon mehrfach wurde der Marktstart angekündigt, zuletzt endgültig für 2022. Das Jahr ist zu Ende, das Modell noch nicht da.

Dass die Lage dramatisch ist, zeigen Formulierungen in der Mitteilung des Unternehmens. Von einer „richtigen Entscheidung zu einem kritischen Zeitpunkt“ ist die Rede. Xuefeng Chen werde mit seiner umfassenden praktischen Erfahrung in der Automobilindustrie eine „solide Grundlage“ für das Unternehmen schaffen. Er arbeitete unter anderem für Changan Ford, Changan Mazda, das Ford Asia Pacific Design Center und Chery Jaguar Land Rover. Er habe Erfahrung mit dem Bau und Betrieb von Produktionsanlagen, Fahrzeugproduktion, Lieferkettenmanagement und Kostenkontrolle sowie Markenmarketing und -verkauf. Klingt nach Kompetenzen, die Faraday Future mehr denn je braucht.

Für Carsten Breitfeld ist damit zum zweiten Mal Schluss bei einem aufstrebenden und dann abstürzenden E-Auto-Bauer. Zuvor hatte der Manager, der einst bei BMW zu den Vorkämpfern der Elektromobilität zählte, den chinesischen Hersteller Byton mitgegründet und geführt – das Unternehmen dann aber kurz vor der Pleite verlassen. Als er zu Faraday Future kam, stand der kalifornische Hersteller schon einmal vor dem Aus. Über den Börsengang, eingefädelt im Umfeld einer großen Elektroauto-Begeisterung, gelang es ihm, frisches Geld zu beschaffen. Barmittel, die jetzt anscheinend aufgezehrt sind.

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