Ferrari 458 Speciale: Am liebsten quer

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All das kumuliert in einem Fahrerlebnis, das intensiver und radikaler kaum sein könnte. Wer sich zwingt und das Manettino, jenen Lenkradschalter für die elektronische Charakterpflege, auf der softesten von fünf Stufen lässt, der kann zur Not auch mit dem Speciale halbwegs entspannt ins Büro pendeln oder mit Damenbegleitung durchs Wochenende cruisen. Doch dafür braucht man keinen Ferrari, sondern kann auch Fiat fahren. Also dreht man an dem kleinen Metallregler, gibt alle Selbstbeherrschung auf und erlebt eine rauschhafte Raserei, wie sie nicht einmal die größeren Ferrari-Modelle mit den stärkeren V12-Motoren bieten können: Der Drehzahlmesser schnellt in die hohen Tausender, die Doppelkupplung wechselt die Gänge so schnell wie die Klitschkos ihre Fäuste und der Speciale schießt voran, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit einem unveränderten Drehmomentgipfel von 540 Nm schafft er es in 3,0 Sekunden von 0 auf 100, schon auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn hat man locker 200 Sachen auf dem Tacho, und wenn sich die anderen noch mühsam einfädeln, jagt man schon mit bis zu 325 km/h dem Horizont entgegen.

Jede Sünde wert

Und die Autobahn ist nur das Vorspiel. Den Höhepunkt erlebt man auf einer Landstraße, die gar nicht genügend Kurven haben kann. Wenn das Manettino auf „Race“ steht, sich das Fahrwerk ganz steif macht, die Doppelkupplung noch schneller schaltet und man bei der neuen Lenkung allenfalls in Haarnadelkurven noch umgreifen muss, dann spürt man den Unterschied zwischen „Italia“ und „Speciale“ am besten: Pfeilschnell und messerscharf schneidet die Sportversion durch die Provinz, verbeißt sich eisern in die Ideallinie und lässt sich mit fast traumwandlerischer Sicherheit bis ans Limit führen.

Und sogar darüber hinaus: Weil die Elektronik des Stabilitätssystems (Side Slip Angle Control) erkennen kann, ob der Fahrer einen Fehler macht oder einfach nur spielen will, lässt sie bei der Kurvenhatz abenteuerliche Driftwinkel zu. Mit quietschenden Reifen und blauem Qualm im Rückspiegel drängen erst das Heck des Ferrari und dann die Mundwinkel des Fahrers nach außen und der Speciale schlittert fast quer zur Fahrbahn durch die Kurve, bevor die Elektronik ihn rechtzeitig vor der nächsten Gerade wieder perfekt ausrichtet und man zum nächsten Spurt bereit ist.

Ein radikales Design ohne überflüssigen Zierrat, einen von allen Fesseln befreiten Motor, eine tolerante Elektronik und ein Innenleben ohne überflüssigen Zierrat - so wird der Speciale zum aktuell wahrscheinlich schärfsten Ferrari mit dem Segen der Zulassungsbehörden. All das gibt's natürlich nicht zum Nulltarif. Darf's ein bisschen mehr sein? Ja bitte, wird da der Händler sagen: Denn mit 232.530 Euro ist der Speciale rund 15 Prozent teurer als der Italia. Die Kunden scheint das jedoch kaum zu stören. Für den Rest des Jahres jedenfalls ist der Ferrari arrabiata schon weitgehend ausverkauft.

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