Gläubigerschutz Fisker ist zum zweiten Mal pleite

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Keine Partner, keine Produktion, kein Geld – Fisker steht vor dem Aus. In den USA hat der Elektroautohersteller Gläubigerschutz beantragt und spricht vom Verkauf der Vermögenswerte. Der Niedergang hatte sich im laufenden Jahr stetig verschärft.

Der Fisker Ocean kam immerhin in den Verkauf. Doch die Absatzzahlen waren weit davon entfernt, den Hersteller profitabel wirtschaften zu lassen. Nun ist Fisker pleite.(Bild:  Fisker)
Der Fisker Ocean kam immerhin in den Verkauf. Doch die Absatzzahlen waren weit davon entfernt, den Hersteller profitabel wirtschaften zu lassen. Nun ist Fisker pleite.
(Bild: Fisker)

Die Entscheidung hatte sich lange angedeutet, nun ist sie gefallen: Der Elektroauto-Hersteller Fisker ist zum zweiten Mal nach 2013 pleite. Das US-Unternehmen informierte am Montag (Ortszeit), dass es beim zuständigen Gericht im Bundesstaat Delaware Gläubigerschutz beantragen werde – gemäß dem sogenannten Chapter-11-Verfahren in den USA, das in etwa dem deutschen Antrag auf Insolvenz entspricht. Die Fisker Group ist spätestens seit dem Jahreswechsel finanziell schwer angeschlagen. Im Februar warnte der Hersteller schließlich, dass die Existenz der Firma gefährdet sei, wenn nicht neue liquide Mittel fließen.

Man habe nun alle Optionen geprüft und entschieden, „dass ein Verkauf unserer Vermögenswerte unter Chapter 11 der beste Weg für das Unternehmen ist“, heißt es nun in der Unternehmensmitteilung. Dass die Produktion nochmals anläuft, wird damit sehr unwahrscheinlich. Beim europäischen Produktionspartner Magna in Graz stehen die Bänder für Fisker schon länger still, der Auftragsfertiger sucht schon seit einiger Zeit neue Auftraggeber. Nun wird „die Produktionspause beibehalten“.

Fisker wolle aber im Rahmen des Chapter-11-Verfahrens sicherstellen, dass ein eingeschränkter Betrieb fortgeführt werden kann, „einschließlich der Zahlung von Mitarbeiterlöhnen, der Aufrechterhaltung bestimmter Kundenprogramme und der Entschädigung benötigter Zulieferer“. Vom Gläubigerschutzverfahren seien zum jetzigen Zeitpunkt weitere Tochtergesellschaften im In- und Ausland nicht erfasst, heißt es weiter. Vertreten wird der Hersteller unter anderem von der Anwaltskanzlei Davis Polk, die laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ bereits seit März an einem Insolvenzverfahren arbeitet. Im Mai hatte das Tochterunternehmen Fisker Österreich seine Insolvenz erklärt.

Bekannt geworden war die Krise des Autobauers, der bislang nur das SUV Ocean in den Verkauf gebracht hatte, durch hohe Verluste im vergangenen Jahr, die die finanziellen Reserven zusammenschmelzen ließen. Im Schlussquartal 2023 hatte der Verlust 463,6 Millionen US-Dollar (damals umgerechnet 429 Mio. Euro) betragen. Die Cash-Reserven sanken in der Folge von 737 auf 369 Millionen. Die daraufhin eingeleiteten Veränderungen in der Unternehmensstrategie konnten den Niedergang nicht mehr aufhalten – insbesondere der Versuch, den kapitalintensiven Direktvertrieb auf ein Händlervertragsmodell umzustellen, kam zu spät.

Mit dem fehlenden Händlernetz hing ein weiteres Problem zusammen: Fisker brachte viel zu wenige Fahrzeuge in den Verkauf. 2023 waren es 4.700 Einheiten – bei produzierten 10.000 Stück. Ursprünglich sollten es 42.000 Fahrzeuge sein. Die bereits vorgestellten Modelle Pear, Alaska und Ronin blieben Prototypen. Der Verkauf der auf Halde produzierten Ocean-Modelle sollte zwischenzeitlich die Liquidität erhöhen. Doch die Verkaufszahlen brachen weg. In Deutschland wurden im laufenden Jahr noch 122 Modelle neu zugelassen.

Zwar konnte sich Fisker im März nochmals 150 Millionen US-Dollar von einem Investor sichern. Der große Schritt nach vorne blieb allerdings aus. Der Hersteller hatte sich eine Partnerschaft mit einem großen Automobilkonzern erhofft. Unbestätigten Berichten zufolge sollen Gespräche mit Nissan erfolglos verlaufen sein. Ohne starken Partner, ohne Händler, ohne neue Großinvestoren und ohne Neuproduktion beschleunigte sich die Talfahrt.

Den Vertrieb hatte Fisker zunächst nur in Eigenregie betrieben. In einigen europäischen Metropolen waren im Jahr 2023 die „Fisker Center +“ als Anlaufstellen für Interessierte entstanden. Im laufenden Jahr sollte nun ein hybrides Vertriebsmodell mit selbstständigen Händlern als Partnern starten. Angesichts der finanziellen Turbulenzen hielt sich das Interesse allerdings in Grenzen. Im April 2024 hatte der Hersteller allerdings noch als Erfolgsmeldung verkündet, dass man Händler in Österreich und Dänemark gefunden habe – und damit das Dutzend in Europa voll habe.

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