Freie Werkstätten: Winter stärkt Servicegeschäft
Trotz guter Auslastung und Umsätze zu Jahresanfang spüren die Inhaber von markenunabhängigen Kfz-Betrieben die Sparneigung ihrer Kunden.
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Die eisige Kälte und die ergiebigen Schneefälle zu Jahresanfang führten auf Deutschlands Straßen nicht nur zu Massenkarambolagen und stundenlangen Staus. Das extreme Wetter sorgte in vielen Freien Servicebetrieben auch für eine gute Auslastung der Mechaniker. „Dank der meteorologischen Hilfe übersteigt das Winterreifengeschäft unsere Erwartungen. Die winterliche Witterung beflügelte den Absatz: Wir verzeichnen ein saisonal überdurchschnittliches Plus von gut elf Prozent“, freut sich Wilhelm Hülsdonk, Inhaber einer Freien Werkstatt im niederrheinischen Voerde und Bundesinnungsmeister des ZDK.
Auch Thomas Willert, Vorstandsmitglied im ZDK, ist mit dem Reifen- und Zubehörgeschäft in seinem Papendorfer Betrieb zufrieden. Dennoch sei die Werkstattauslastung im Vergleich zu den beiden Vorjahren zurückgegangen. Das liege vor allem am sehr begrenzten Haushaltseinkommen der Verbraucher in seiner Region (Landkreis Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern). Zudem stehe das Auto in der Beliebtheitsskala nicht mehr an erster Stelle. „Die Ausgaben der Menschen fließen in andere Bereiche wie Haus, Urlaub und Hobby“, beobachtet Thomas Willert.
Reifeneinlagerung bindet Kunden
Der Schlüssel zur Kundenbindung liege in der Reifeneinlagerung, erklärt Holger Winter. „Kunden, für die wir Räder einlagern, kaufen bei uns auch neue Reifen — ohne über den Preis zu diskutieren“, erklärt der Dresdener Werkstattinhaber. Sein Fazit: „Ich bin mit dem Servicegeschäft ganz zufrieden — auch mit der Marge.“
Höhere Umsätze im Winterrädergeschäft registrierte auch der markenunabhängige Kfz-Betrieb von Hans-Walter Schurr in Göppingen-Faurndau. Allerdings habe er die Mehrerlöse — im Gegensatz zu Holger Winter — nur über den Preis generieren können. Seine Zielvorgaben für die nächsten Monate hat Schurr klar definiert: „Vollauslastung im Service-, Karosserie- und Abschleppgeschäft“. Er befürchtet aber, dass die vertragsgebundenen Kollegen mit ihren aggressiven Serviceangeboten den Preisdruck im Werkstattgeschäft zukünftig erhöhen werden.
Mit der wirtschaftlichen Situation zufrieden
„Momentan sind wir mit unserer wirtschaftlichen Situation und dem Wintergeschäft sehr zufrieden“, antwortet Ahmet Nizam auf die »kfz-betrieb«-Umfrage. „Wir bieten unseren Kunden nicht nur günstige Konditionen an, sondern liefern ihnen auch eine gute Servicequalität — daher konnten wir sehr viele Reifen und Kompletträder verkaufen“, erläutert der Betriebsinhaber aus dem hessischen Bickenbach. Und weil die Werkstatt seit Monaten gut ausgelastet ist, will Nizam nun einen zusätzlichen Mechatroniker einstellen. „Doch leider finden wir für den Mehrmarkenservice in unserem Betrieb keinen qualifizierten Mitarbeiter“, bedauert der Werkstattinhaber.
Zubehörverkauf beschert Absatzplus
Der lange Winter bescherte Rene Bertelt von der Autoland R. Bertelt & P. Nawrath GmbH in Münster im Verkauf von Zubehör, Pflegeprodukten und Winterreifen ein Absatzplus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ebenfalls gute Umsätze im Wintergeschäft verzeichneten Reinhard Ott, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Freie Werkstätten, mit seinen Betrieben in der Oberpfalz sowie Ingo Rosin (Riedstadt), Frank Achenbach (Bochum), Andrea Heunisch (Geroldshausen), Stefan Seidl (Puchheim), Rolf Kehle (Nagold) und Simone Huppert (Zell unter Aichenberg).
Kunden lassen notwendige Reparaturen nicht durchführen
Zwar verbuchte auch Harald Petry zu Jahresanfang erträgliche Erlöse im Reifen- und Rädergeschäft. Mit seiner Auftragslage ist er jedoch nicht wirklich zufrieden. „Seit Oktober stellen wir eine rückläufige Werkstattauslastung fest. Das liegt daran, dass die Autofahrer Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust haben und ihr Geld für notwendige Reparaturen zurückhalten“, resümiert der Werkstattinhaber und Obermeister der Innung Groß-Gerau.
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