Autohandel Hohe Zinsen für zu früh gelieferte Fahrzeuge bedrohen Liquidität

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Erst kamen die Autos nicht, jetzt liefern Hersteller früher als vereinbart bestellte Neuwagen. Für viele Kunden deutlich zu früh, weshalb der Händler auf den Fahrzeugen und den anfallenden Zinsen sitzt. So manchen Unternehmer bringt das an die Liquiditätsgrenze.

Die Lieferengpässe bei Neuwagen lösen sich langsam auf. Aktuell liefern teilweise Hersteller ihren Händlern schneller bestellte Fahrzeuge, als diesen recht ist.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Lieferengpässe bei Neuwagen lösen sich langsam auf. Aktuell liefern teilweise Hersteller ihren Händlern schneller bestellte Fahrzeuge, als diesen recht ist.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Volle Höfe waren bei den Autohändlern in den vergangenen zwei Jahren eher die Ausnahme und Neuwagen Mangelware. Wegen gestörter Lieferketten lagen die Bestellzeiten bei durchschnittlich einem Jahr. Was kam, wurde gleich abverkauft. Bestandsware gab es kaum. Die finanzielle Zinsbelastung war für die Unternehmer gering.

Das hat sich inzwischen geändert. Neuwagen sind wieder verfügbar und Bestell- und Lieferzeiten verkürzen sich. Doch viel stärker, als Händler und Hersteller geplant hatten. Einige Händler klagen deshalb über zum Teil enorme finanzielle Kreditbelastungen.

Der Jubel der Händler über gelieferte Bestellfahrzeuge bleibt vor allem dann aus, wenn deutlich spätere Termine mit den Kunden vereinbart wurden. Das trifft vor allem Gewerbekunden und deren Leasingfahrzeuge. Im Vorgriff auf die langen Lieferzeiten bestellten Händler – zum Teil auf Druck ihrer Vertragspartner – für ihre Kunden lange im Voraus neue Fahrzeuge für Anschlussverträge.

Werden die Autos nun, wie aus Branchenkreisen zu hören ist, mitunter gar mehrere Monate früher geliefert, haben die Händler ein großes Problem: Die Leasingverträge ihrer Kunden laufen noch. Deshalb müssen die Fahrzeuge über eine längere Zeit sicher zwischengelagert und zwischenfinanziert werden.

Im Schnitt gestehen zwar Hersteller ihren Händlern eine 30-tägige zinsfreie Zeit zu. Reicht diese Spanne nicht aus, um den Wagen dem Kunden auszuliefern und in Rechnung zu stellen, muss der Händler die Fahrzeuge zwischenfinanzieren. Und das kostet: Die Zinsen der Autobanken sind inzwischen stark gestiegen. Lagen sie in den vergangenen Jahren bei zwei bis drei Prozent, können es jetzt sechs bis zehn Prozent sein.

Monatliche Zinsbelastung im gut fünfstelligen Bereich

Handelt es sich um Großkunden und bei der Lieferung um eine ganze Flotte, kann das einzelne Händler an die Grenze ihrer Liquidität bringen. Die Rede ist von monatlichen Zinsbelastungen in Höhe eines gut fünfstelligen Bereichs.

Ebenfalls problematisch sind Fälle, in denen Hersteller ihre Fahrzeuge bereits fakturiert haben, dem Händler also in Rechnung stellen, aber wegen knapper Logistikressourcen nicht liefern können. Auch in solchen nicht seltenen Fällen wird die zinsfreie Zeit oft deutlich überschritten.

Solche Probleme haben den Handel in der Vergangenheit immer mal wieder beschäftigt, heißt es. Aber die finanziellen Belastungen hatten eine andere Dimension. Vor der Pandemie wurden vorwiegend Verbrenner verkauft. Heute sind es meist hochpreisige E-Autos, im Schnitt um rund 9.000 Euro teurer. Zudem sind durch die hohe Inflation auch die Fahrzeugpreise überdurchschnittlich gestiegen. Das schlägt zusammen mit den gestiegenen Zinsen doppelt ins Kontor.

Die geschilderte Situation trifft nicht auf den gesamten Autohandel zu, betont Thomas Peckruhn, Sprecher der Fachgruppe Fabrikatsvereinigung im ZDK. Der ZDK-Vizepräsident selbst verweist als Skoda-Händler auf die Vereinbarungen seines Vertragspartners und weiß von ähnlichen Lösungen bei anderen Fabrikaten. Danach bekommen Händler bei einer Lieferung, die deutlich von dem vereinbarten Termin abweicht, die Zinsbelastungen, die nach Ablauf der zinsfreien Zeit anfallen, erstattet. Laut Peckruhn bieten einige Hersteller ihren Händlern an, die Fahrzeuge solange selbst zu lagern, bis sie dem Kunden verkauft werden können.

„Das ist ganz klar geregelt. Sollte es bei anderen Marken anders sein, muss das unbedingt jetzt geregelt werden. Eine solche Situation darf nicht zulasten des Handels gehen“, betont Peckruhn. Fakt sei aber auch, dass sich die Lieferproblematik entspanne und deshalb der Autohandel den Fokus wieder auf die Bestandsoptimierung legen müsse.

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