Gefahren: Mercedes EQC

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Rekuperieren je nach Situation

Nochmal zurück zur Rekuperation: Im „D Auto“ genannten Modus ist der sogenannte Eco-Assistent aktiv: Er bezieht Karten-, Radar- und Kameradaten ein, um situationsoptimiert zu Rekuperieren. Ein Beispiel: Die Autobahnabfahrt ist etwa 300 Meter voraus. Der Fahrer setzt den Blinker, schert in die Abfahrtsspur ein und lässt das Auto ausrollen. In der passenden Entfernung beginnt die Bordelektronik des EQC zu rekuperieren, bis die zur Einfahrt in die Kurve passende Geschwindigkeit erreicht ist.

Ähnlich funktioniert das System vor Ortseingängen, an Gefällen, Kreisverkehren oder Kreuzungen – und zwar auch ohne aktive Navigation oder Geschwindigkeitsregelung. Sind diese zusätzlich aktiviert, reagiert das System mit Rekuperations- oder Bremseingriffen auch auf vorausfahrenden Verkehr, wie bereits aus anderen Modellen bekannt. Der Fahrer erhält im Eco-Modus außerdem Hinweise, wann er seinen Fuß vom Fahrpedal nehmen kann, weil zum Beispiel eine Geschwindigkeitsbegrenzung folgt.

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Stichwort: Assistenz. Während der Fahrt überwachen diverse Assistenzsysteme die Umgebung des Fahrzeugs und greifen wenn nötig ein. Grundsätzlich sind das die bekannten Helfer „bis Level 2“: zum Beispiel ein adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Querverkehrswarner beim Ausparken und ein Notbremsassistent. Letzterer funktioniert dreistufig: Warnen, Bremsen, Vollbremsung. Neu ist dabei, dass das Steuergerät während der Bremsphase den Reibwert der Fahrbahn ermittelt und eine Vollbremsung gegebenenfalls eher einleitet – um zum Beispiel auch bei regennasser Straße noch vor dem Hindernis zu Stoppen.

Der Ausweich-Lenkassistent hat ebenfalls den Weg in den EQC gefunden und unterstützt den Fahrer mit zusätzlichen Lenkmomenten bei einem erkannten Ausweichvorgang. Sinnvoll ist auch der Ausstiegswarner, der an allen vier Türen warnt, wenn sich beim Öffnen ein Radfahrer dem Auto von hinten nähert.

An Komfort und Unterstützung mangelt es wahrlich nicht im Mercedes EQC. Das Fahrverhalten ist erwartungsgemäß tadellos und regt eher zum Cruisen an. Sportlich ist auch möglich, allerdings ist dann beim forschen Einlenken spürbar, dass hier 2,5 Tonnen die Richtung wechseln sollen. Das Ansprechen des Bremspedals ist anfangs ungewohnt. Der Grund liegt in der Rekuperation: Deren Stärke lässt sich beim Verzögern mittels des Bremspedals bestimmen – und hier ist verglichen mit anderen rein elektrisch angetriebenen Autos gefühlt ein weiterer Pedalweg möglich. Dafür lässt sich so möglichst viel Energie zurückwandeln, um möglichst spät eine Ladesäule ansteuern zu müssen.

Starkes Anreizsystem für E-Fahrzeuge

An denen stehen derzeit in Norwegen neben i3, E-Golf, Leaf oder Zoe vorrangig Modelle von Tesla – in gefühlt unglaublich hoher Dichte. Das liegt vor allem am Anreizsystem des Staates: Beim Kauf eines Elektrofahrzeuges entfällt die Mehrwertsteuer von 25 Prozent, die Kfz-Steuer ist niedriger. Der größte Hebel aber: Eine Steuer, die sich nach dem Gewicht und dem Abgasausstoß des Fahrzeuges richtet und bis zu 10.000 Euro betragen kann – entfällt.

Ganz praktische Vorteile: Elektrofahrzeuge sind von der Maut befreit, dürfen die Busspuren benutzen, wenn mindestens zwei Personen im Fahrzeug sitzen und können in der Stadt oft kostenlos parken. Bisher war in Oslo sogar der Ladestrom gratis.

Seit März 2019 rüstet die Stadt aber um und verlangt dann rund einen Euro pro Ladestunde, nachts 50 Cent – was in Anbetracht der Ladeinfrastruktur und den verfügbaren Ladestromstärken eine sehr geringe Abgabe ist. In dem eingangs erwähnten Parkhaus am Flughafen von Oslo stehen rund 100 Ladestationen zur Verfügung, die sich nach Aussage eines Mercedes-Entwicklers gegenseitig nicht beeinflussen. Das beeindruckt.

Wirklich emissionsfrei unterwegs

Rund 96 Prozent seiner Elektrizität wandelt Norwegen aus Wasserkraft um, etwa 1,4 Prozent aus Windkraft – ideale Voraussetzungen, um nicht nur lokal emissionsfrei unterwegs zu sein. Ab 2025 will das Land gar keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen. Ab Herbst 2019 bietet Mercedes-Benz mit dem EQC eine elektrische Alternative, „Die Elektromobilität hat jetzt einen Mercedes“, beschrieb ein Mitarbeiter des Automobilherstellers in Oslo den damit verbundenen Anspruch. Ab 71.281 Euro rollt ein EQC nahezu geräuschlos zu seinem Käufer.

Für alle, die der Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen oder schlicht unsicher sind, „ob sich so ein Elektroauto für mich eignet“, bietet Mercedes eine App namens „EQ Ready“ an. Die App zeichnet Fahrstrecken mit dem eigenen Fahrzeug auf, analysiert das individuelle Mobilitätsverhalten und gleicht diese Parameter mit denen von Elektro- und Hybridfahrzeugen –natürlich aus dem Hause Mercedes und Smart – ab. Interessenten sollen so erfahren, ob ein Elektrofahrzeug für sie die richtige Wahl ist.

Vielleicht sollte die App perspektivisch auch darauf hinweisen, was sich am Mobilitätsverhalten ändern muss, um ein Elektrofahrzeug sinnvoll nutzen zu können. Auf lange Sicht dürften sonst die Alternativen ausgehen.

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