Gefahren: Mercedes EQC

Unterwegs im Stuttgarter Elektro-SUV

| Autor: Thomas Günnel

Der EQC ist das erste Auto der Mercedes-Elektrofamilie EQ.
Der EQC ist das erste Auto der Mercedes-Elektrofamilie EQ. (Bild: Thomas Günnel)

Ladestation, Ladestation, Ladestation, Ladestation: Gleich während der Ankunft im Parkhaus des Flughafens Oslo Gardermoen wird klar, wieso sich das Land zurecht als das Elektromobilitätsland Europas schlechthin versteht. Hier gibt es eine solide Infrastruktu. Rund 49 Prozent der im Jahr 2018 in Norwegen neu zugelassenen Autos haben einen Elektroantrieb an Bord. Mercedes-Benz hatte Anfang Mai folgerichtig eingeladen, um hier seinen batteriegetriebenen EQC vorzustellen.

Das SUV ist das erste Modell der neuen Elektromobilitätsmarke EQ – und es ist kein „Vernunftsmodell“ wie der VW ID 3, der Elektromobilität für die breite Masse bringen soll.

Äußerlich ist der EQC als „anders“ erkennbar, am Deutlichsten von vorn: Hier prangt der Mercedes-Stern in einer schwarz glänzenden Fläche zwischen den Scheinwerfern. Außerdem verbindet ein weißes Leuchtband die Scheinwerfer; so auch am Heck, dort jedoch in roter Färbung. Die leicht abfallende Dachlinie deutet ein Coupé an, ganz verbergen lassen sich die Ausmaße des Autos jedoch nicht.

„MBUX“ mit Sprachsteuerung

Der Innenraum ist Mercedes-like gediegen und hochwertig verarbeitet, mutet futuristisch an – lässt aber auch klassischen Käufern eine Chance. Besonders stolz ist Mercedes auf das Infotainment-System „MBUX“, insbesondere dessen EQC-spezifische Sprachsteuerung. Aktiviert per „Hey Mercedes!“ erkennt es Kommandos wie „Wo ist die nächste Ladestation?“, „Stelle die Temperatur auf 20 Grad“ oder „Spiele Waterloo“.

Während der Eingabe erkennt das System per Mikrofon, ob der Fahrer oder der Beifahrer das Kommando gegeben hat – und regelt die Temperatur auf der entsprechenden Seite. Ähnlich klappt das zum Beispiel mit dem Aktivieren oder Deaktivieren der Sitzheizung. Das ist komfortabel, „außerdem können sich die anderen Mitfahrer unterhalten, ohne das System zu verwirren“, erklärt ein Entwickler des Automobilherstellers. Das Navigationssystem blendet die aus der A-Klasse bekannten Augmented Reality-Hinweise in das Live-Bild der Routenführung ein. Für den passenden Konzert-Sound im Innenraum hat wie gewohnt Burmester ganze Arbeit geleistet.

80 Kilowattstunden Energie

Das Wichtigste aber: Das große SUV fährt rein elektrisch. Die Energie dafür bezieht es aus einem 80 Kilowattstunden großen Lithium-Ionen-Akku, der zwischen den Achsen verbaut ist. Er besteht aus zwei Modulen mit jeweils 48 und vier Modulen mit 72 Zellen. Die Maximalspannung beträgt 405 Volt, die Nominalkapazität 230 Amperestunden. Das Akkusystem ist mit einer Flüssigkühlung ausgestattet, um den Akku in seiner optimalen Betriebstemperatur zu halten – oder ihn bei Bedarf dorthin zu bringen.

So erkennt das System zum Beispiel, wenn bei niedrigen Außentemperaturen eine Ladestation auf der navigierten Route liegt und beginnt bei Bedarf schon während der Fahrt, den Akku auf die für das Laden ideale Temperatur zu heizen.

Zwei Motoren für variablen Allradantrieb

Den Antrieb leisten je eine Asynchronmaschine an der Vorderachse und an der Hinterachse. Sie haben eine gemeinsame maximale Leistung von 300 Kilowatt, das maximale Drehmoment beider E-Maschinen beträgt 760 Newtonmeter. Die Momente lassen sich laut Mercedes „über einen weiten Betriebsbereich“ zwischen beiden Achsen verteilen. Zudem sind beide Antriebsstränge unterschiedlich ausgelegt: Die vordere E-Maschine ist für den schwachen bis mittleren Lastbereich auf Effizienz optimiert, die hintere bestimmt die Dynamik. Mit zwischen 445 bis 471 Kilometer beziffert Mercedes die Reichweite, leider noch immer im veralteten Fahrzyklus NEFZ.

Im Test rund um Oslo bei Geschwindigkeiten zwischen 80 und 110 km/h standen rund 23 kWh Verbrauch auf dem Display des Bordcomputers – rein rechnerisch blieben so rund 350 Kilometer Reichweite; in Norwegen! Auf den hektischen deutschen Straßen mit höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten dürfte diese Reichweite nicht ohne weiteres „drin“ sein. Aber auch das ist eine wichtige Erkenntnis: Elektromobilität kann ganz ohne verändertes Mobilitätsbewusstsein nicht funktionieren.

Ergänzendes zum Thema
 
Technische Daten Mercedes EQC

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