Gefahren: VW Crafter – Liefern fast auf Pkw-Niveau

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Mit dem erstmals komplett selbst entwickelten Transporter Crafter will Volkswagen der Klasse ihre Tücken nehmen. Das gelingt im Verkehrsgewühl auch beeindruckend – wenn da nicht ein Schwachpunkt bliebe.

Anfang 2017 startet die zweite Generation des VW Crafter.
Anfang 2017 startet die zweite Generation des VW Crafter.
(Bild: VW)

Es ist einer dieser Horrortage für jeden eiligen Paketboten: Montagmorgen, Nebel, Nieselregen. Schon die Zubringerstraßen nach Wien sind ein einziges Stop&Go und Stop&Stop. Der Chef drängt. Die Zeit drängt, 147 Kunden drängen. Und wenn mal frei ist, kommt der allzu schnelle Transporter auf der linken Spur – und dann die Windböe oder das plötzliche Bremsmanöver bei Tempo 150. Jeder hat die Unfallfolgen solcher Hatz schon mal gesehen. Laut Zahlen des Schweizer Versicherers Axa Winterthur bauen große Transporter 50 Prozent mehr Unfälle als Pkw.

Marian Schneider hat was dagegen: den neuen Crafter. „Damit kommen erstmals Sicherheits- und Komfort-Features moderner Pkw in diese Klasse”, sagt der Produktmarketing-Experte von VW Nutzfahrzeuge. Der ab knapp 30.000 Euro (netto) teure Crafter, erstmals von VW ohne Kooperation mit Mercedes entwickelt, will es also wissen. Die Windböe nach dem Überholen des Lkw macht den 18,4 Kubikmeter umbauten Raum im Kasten schon mal nichts aus – dank serienmäßigem Seitenwindassistenten bleibt der Crafter auch bei Tempo 120 stoisch in der Spur.

Vorausschauend ist der Transporter auf Wunsch auch. Mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelung stoppt der Paketbote selbst dann, wenn er gerade mal widerrechtlich aufs Handy schaut. Spurhalteassistenten, Notbremse beim Ausparken und sogar die Querverkehrserkennung bringen den Transporter im Fahrbetrieb auf das Assistenzniveau von Polo, Golf oder Passat.

Auch der Zweiliter-Diesel überzeugt bei Laufruhe, Verbrauch und Antritt. 130 kW/177 PS, 103 kW/140 PS, 90 kW/122 PS und 75 kW/102 PS stehen bereit. Die 140-PS-Variante ist eine besonders gute Wahl. Mit deutlich unter acht Litern kommt er sogar in die Nähe der Werksangaben. In der Topversion mit 177 PS geht es sogar ziemlich zackig Richtung 165 km/h Höchstgeschwindigkeit. Da wird der eilige Lieferant oder Handwerker sich freuen – und der Kleinwagenfahrer beim Blick in den Rückspiegel auf der Autobahn vielleicht erschrecken.

Elektro-Crafter ab 2018 erhältlich

Ende des Jahres werden zudem 200 Elektro-Crafter an ausgewählte Kunden ausgeliefert. Sie sollen 100 Kilometer Reichweite garantieren – und nächstes Jahr auch für Normalkäufer zu haben sein. „Das brauchen wir natürlich vor allem da, wo nur noch emissionsfreier Lieferverkehr erlaubt ist”, sagt Schneider.

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