F-Kubik „Goldener Kolben 2022“ geht an IFA-Museum

Autor Steffen Dominsky

F-Kubik, das Forum für Fahrzeuggeschichte, hat wieder seine bekannte Auszeichnung vergeben. In diesem Jahr ging sie allerdings nicht an eine Einzelperson, sondern gleich an eine ganze Gruppe. Genauer gesagt an die Mitarbeiter des IFA-Museums in Nordhausen.

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Die Initiative IFA-Museum in Nordhausen erhält für das Bewahren und Vermitteln technischen Wissens, einmaliger Exponate und Dokumente den „Goldenen Kolben 2022“.
Die Initiative IFA-Museum in Nordhausen erhält für das Bewahren und Vermitteln technischen Wissens, einmaliger Exponate und Dokumente den „Goldenen Kolben 2022“.
(Bild: Raumbild Nordhausen)

Das Forum für Fahrzeuggeschichte, besser bekannt als F-Kubik, ehrt seit 2006 Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich durch ihr Wirken besondere Verdienste im Hinblick auf Fahrzeuggeschichte erworben haben. In diesem Jahr hat sich die Jury entschieden, den „Goldenen Kolben 2022“ den im IFA-Museum mitarbeitenden Ehemaligen und jungen Interessierten zu verleihen – für die Anerkennung ihrer vorbildlichen Leistungen. Ihnen ist es nicht nur gelungen, ein Museum zur Geschichte der Dieselentwicklungen und der Produktion am Standort aufzubauen. Sie haben es auch geschafft, die technischen und theoretischen Erfahrungen generationsübergreifend zu erhalten und weiterzugeben, so die Begründung der Verantwortlichen.

Das IFA-Museum in Nordhausen steht für bald 100 Jahre lebendige Technikgeschichte am Südrand des Harzes. Hier wurden in der Frühzeit der industriellen Entwicklung bereits Lokomotiven und Motoren gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Neuaufbau des Fahrzeug- und Landmaschinenbaus in der DDR. Bis 1989 existierten mehr als 40 Großbetriebe und Forschungszentren unter dem Logo des Industrieverbands Fahrzeugbau der DDR (IFA). Besondere Bekanntheit erreichten Traktoren, Lastwagen und Mähdrescher, vielfach mobilisiert mit robusten, innovativen und leistungsstarken Dieselmotoren aus Nordhäuser Entwicklung.

Common-Rail-Technologie bereits in der Entwicklung

Nach der politischen Wende und Privatisierung der IFA-Betriebe drohte nicht nur der Verlust der Identität, auch so manches Dokument, Exponat und noch verfügbares Fachwissen aus Forschung, Produktion und Einsatz schien verloren zu gehen. Nach der Insolvenz des letzten „Investors“ hatten zwischenzeitlich 4.300 Beschäftigte das Werk verlassen. 2007 mobilisierte sich eine kleine Gruppe um den Nordhäuser Unternehmer Helmut Peter. Sie wollten die Lebensgeschichten der Menschen und die Zeugnisse ihrer Arbeit für die nächsten Generationen bewahren. Dabei konnte es sich keiner der damals beteiligten Techniker vorstellen, was es bedeutet, ein Museum aufzubauen sowie erfolgreich und nachhaltig zu führen. „Sie waren keine Historiker“, berichtet der Vereinsvorsitzende Hans-Georg Franke, „aber sie kannten die Geschichte. Sie waren ja selbst ein Teil dieser Geschichte.“

Es dauerte vier Jahre, um die Muster, historischen Maschinen und Fahrzeuge zusammenzutragen, zu restaurieren und in eine Ausstellung mit hohem Anspruch zu integrieren. Zehn Jahre befinden sich nun mehr als 130 historische Exponate in dem Museum, darunter Gruben- und Feldbahnloks aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, Traktoren aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, komplette Schnittmodelle des legendären „Famulus“-Traktors. Dabei steht im Mittelpunkt der Ausstellung eine vollständige Sammlung der Motorenentwicklungen aus dem zuletzt größten Motorenwerk der DDR bis zur Common-Rail-Technologie von heute. Aber auch eine kurze Episode aus der Region wird dokumentiert: die Übernahme und erfolgreiche Weiterentwicklung deutscher Raketentechnologie durch die Sowjetunion nach Ende des Krieges.

Bereits die 17. Verleihung dieser Art

Zum Bestand des IFA-Museums gehört inzwischen auch ein umfangreiches Archiv mit über 20.000 Dokumenten und Publikationen. Wechselnde Leihgaben aus bedeutenden Technikmuseen vervollständigen die heute verfügbare Sammlung und begleiten aktuelle Sonderausstellungen. Das ehrenamtlich geführte Museum ist dienstags bis samstags für die Öffentlichkeit geöffnet und bietet informative Führungen, Schulungen und Vortragsveranstaltungen auch von Zeitzeugen, damit gerade für jüngere Generationen die Geschichte lebendig bleibt.

Die Gruppe F-Kubik erweitert mit dem IFA-Museum und seinen aktiven Betreibern den Ehrenkreis der Kolbenbesitzer um eine vorbildliche Einrichtung zur erlebbaren Fahrzeuggeschichte. Personen und Institutionen, die diese Auszeichnung bekommen, haben auf ihre Weise zur positiven Entwicklung der deutschen Oldtimerszene in der Öffentlichkeit beigetragen. Der „Goldene Kolben“ wird durch die Gruppe F-Kubik einstimmig und unabhängig seit 2006 jährlich in Form eines polierten Motorkolbens auf einem gravierten Sockel mit Urkunde und individueller Anstecknadel übergeben. F-Kubik will damit engagiertes Wirken in der Öffentlichkeit zur Wahrung der Fahrzeuggeschichte immer wieder anregen und befördern. Das IFA-Museum ist der 17. Preisträger dieser Reihe des „Goldenen Kolbens“, die nach wie vor die einzige Auszeichnung auf dem Gebiet der Fahrzeuggeschichte ist.

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