Künstliche Intelligenz kann die Standzeit 1 reduzieren, bessere Fotos von Gebrauchtwagen machen oder Leads schneller qualifizieren. Die Gebrauchtwagen-Experten Patrick Heun und Bert Grammel geben Tipps für den Einsatz von KI im Autohaus.
Künstliche Intelligenz lässt sich in den Gebrauchtwagenprozess integrieren. So arbeiten KI-Tools und Software Hand in Hand und beschleunigen die Abläufe von der Hereinnahme über das Leadmanagement bis hin zum Kundenkontakt.
(Bild: olegganko - stock.adobe.com)
Redaktion: Lässt sich der Gebrauchtwagenprozess durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) optimieren?
Gebrauchtwagencoach Patrick Heun ist einer der beiden Experten, die beim Deutschen Remarketing Kongress 2025 den Themenbereich „KI live erleben“ mitgestalten. Der Profi für Gebrauchtwagenprozesse ist überzeugt davon, dass KI-Tools zu effizienten Abläufen im Gebrauchtwagengeschäft beitragen.
(Bild: Gebrauchtwagencoach)
Patrick Heun: Ja, künstliche Intelligenz kann verschiedene Aspekte des Gebrauchtwagenprozesses effizienter gestalten – von der Preisgestaltung über die Bestandsverwaltung bis zur Kundeninteraktion. Dadurch, dass sich wiederholende Aufgaben automatisieren und große Datenmengen analysieren lassen, verbessert KI die Entscheidungsfindung und steigert die Effizienz. Das führt zu schnelleren Abläufen, reduzierten Kosten und einer besseren Kundenbindung, was den Gebrauchtwagenhandel insgesamt wettbewerbsfähiger macht.
Bert Grammel: Alle Gebrauchtwagenprozesse müssen immer wieder überprüft und optimiert werden, um kontinuierlich ein ertragreiches Gebrauchtwagengeschäft zu machen. Natürlich kann KI dabei unterstützen – wie mittlerweile in vielen Bereichen des Lebens.
An welchen Stellen im Gebrauchtwagenprozess scheint dies relativ unkompliziert möglich zu sein?
Gebrauchtwagenexperte Bert Grammel gestaltet gemeinsam mit Patrick Heun das Thema KI beim Deutschen Remarketing Kongress 2025. Beide bieten moderierte Führungen durch die KI-Sonderausstellung in Form von Kurz-Workshops an. Dabei erfahren Händler, wie sie KI-Tools in ihr Gebrauchtwagengeschäft integrieren können.
(Bild: Bert Grammel - Automotive Expert)
Grammel: Da fallen mir direkt zwei Beispiele ein: Die Vereinbarung eines Probefahrttermins per Telefon und die Qualifizierung von Leads durch eine sogenannte KI-Middleware. Eine Middleware verbindet Anwendungen mit Betriebssystemen oder Datenbanken. Bei einer KI-Middleware können bei einem Anruf oder einer Online-Anfrage automatisiert zusätzliche Informationen eingeholt werden.
Heun: Die Optimierung der Fahrzeugfotografie durch KI kann einfach in den Gebrauchtwagenprozess integriert werden. KI-Systeme können automatisch optimale Aufnahmewinkel und Beleuchtung einstellen, Bilder nach der Aufnahme optimieren und interaktive 360-Grad-Ansichten erstellen. Zudem können sie Fotos automatisch kategorisieren und die Veröffentlichung auf Verkaufsplattformen erleichtern. Insgesamt verbessert der Einsatz von KI die Präsentation der Fahrzeuge und reduziert den Aufwand.
Welche Weichen im Autohaus muss das Unternehmen stellen, um KI sinnvoll und zielführend einsetzen zu können?
Heun: Um KI sinnvoll im Autohaus einzusetzen, sollte das Unternehmen folgende Weichen stellen: Es sollte eine klare Vision für den Einsatz von KI entwickeln, die Datenqualität und -verfügbarkeit sicherstellen und die Mitarbeiter im Umgang mit KI-Technologien schulen. Interessant sind Kooperationen mit Anbietern von KI-Lösungen. So lassen sich auch zunächst Tests durchführen, bevor KI großflächig implementiert wird. Standards für den verantwortungsvollen Umgang mit KI und Daten sind ja bereits in der KI-Verordnung festgelegt. Dennoch ist es sinnvoll, sich auch unternehmensintern ethische Richtlinien aufzuerlegen und Feedback-Mechanismen einzurichten, um die Systeme kontinuierlich verbessern zu können.
Grammel: Meiner Meinung nach müssen zuallererst strategische Weichen in den Köpfen aller beteiligten Mitarbeiter gestellt werden. Alles beginnt mit einer Offenheit für KI-Anwendungen.
KI live erleben beim Deutschen Remarketing Kongress 2025
Welche KI-Lösungen gibt es bereits für das Gebrauchtwagengeschäft? Wie funktionieren diese und wie lassen sie sich in bestehende Prozesse integrieren? Künstliche Intelligenz birgt für viele Händler noch eine gewisse Unsicherheit. Antworten liefert der Deutsche Remarketing Kongress am 26. Februar 2025 – unter anderem mit einer Sonderausstellung zum Thema KI. Daneben erwarten Sie zahlreiche Best Practices und Vorträge zu Themen, die den GW-Handel aktuell beschäftigen. Nutzen Sie die Veranstaltung, um sich wertvolle Tipps zu holen und mit Branchenkolleg:innen auszutauschen
Welche Vorbehalte gegen den Einsatz von KI gibt es Ihrer Erfahrung nach in der Branche?
Grammel: Der häufigste Vorbehalt ist, dass eine Maschine nicht dabei helfen kann, ein so persönliches Geschäft wie den Gebrauchtwagenverkauf erfolgreich zu gestalten.
Heun: Viele Mitarbeiter befürchten, dass KI ihre Jobs gefährdet. Die Chefs wiederum haben Bedenken hinsichtlich der Anfangsinvestitionen und dem Return on Investment. Die Integration von KI wird als herausfordernd angesehen, und man macht sich Sorgen über die Sicherheit und den verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Eine große Unbekannte ist auch die Reaktion der Kunden, wenn sie mit der KI interagieren.
Wie könnte man diese Vorbehalte ausräumen?
Heun: Zunächst ist es wichtig, Schulungsprogramme anzubieten, um Mitarbeiter über die Vorteile von KI zu informieren und Ängste bezüglich Arbeitsplatzverlusten abzubauen. Je transparenter man innerhalb des Unternehmens über die Ziele und positiven Auswirkungen der KI-Implementierung kommuniziert, desto stärker trägt das zur Vertrauensbildung bei. Zusätzlich können Pilotprojekte gestartet werden, um den praktischen Nutzen von KI zu demonstrieren und den Return on Investment durch klare Kosten-Nutzen-Analysen aufzuzeigen. Nicht zuletzt sollten Unternehmen kontinuierlich Kundenfeedback einholen, um deren Bedenken zu verstehen und in die Gestaltung von KI-Interaktionen einfließen zu lassen.
Grammel: Bei dieser Frage lautet für mich das Motto: „Die Führungskräfte müssen umdenken.“ Unternehmen, die genau da anfangen, begeben sich auf den richtigen Weg.
An welcher Stelle im Gebrauchtwagenprozess wünschen Sie sich den Einsatz von KI, um transparent, effizient und ressourcenschonend arbeiten zu können?
Grammel: Auf jeden Fall bei der Messung der Standzeit 1, der Zeitspanne von der Hereinnahme bis zum Werkstattauftrag.
Heun: Bei der Reduzierung der Standzeit 1 würde ich auch ansetzen. Bereits vor der physischen Hereinnahme eines Fahrzeugs könnte KI anhand des geplanten Rücknahmedatums die verfügbare Werkstattkapazität sowie die Lieferzeiten benötigter Teile analysieren. Anhand dieser Daten könnte die KI den optimalen Zeitpunkt für die Fertigstellung der Arbeiten berechnen und automatisch Termine in den Kalender der Werkstatt und des Aufbereiters eintragen. Falls es zu terminlichen Verschiebungen kommt, könnte die KI den neuen Fertigstellungstermin automatisch neu berechnen und die Verantwortlichen darüber informieren. Diese automatisierte Planung und Terminverwaltung würde nicht nur die Effizienz verbessern, sondern auch die Transparenz im Prozess erhöhen und Ressourcen schonen.
Stand: 08.12.2025
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