Von der einstigen Westfälischen Metall-Industrie Aktien-Gesellschaft zum heute siebtgrößten Zulieferer für Automobiltechnologie weltweit. Oder anders ausgedrückt: Von der Acytelenlaterne zum hoch entwickelten LED-Scheinwerfer – eine Zeitreise durch die Geschichte.
Wer denkt bei Fahrzeugbeleuchtung nicht an Hella? 2024 feiert das Lippstädter Unternehmen seinen 125. Geburtstag.
(Bild: Hella)
Kreative Menschen werfen ihre Schatten in aufstrebenden Unternehmen weit voraus. So auch bei dem heute global aufgestellten Automobilzulieferer Hella, dessen Gründung auf das Jahr 1895 zurückgeht. Der deutsche Unternehmer Sally Windmüller übernahm damals die Laternenfabrik Cöppius-Schulte-Röttger und gründete damit sein eigenes Unternehmen: die H. Windmüller Wwe am Standort Lippstadt. Offiziell beginnt jedoch die langjährige Geschichte des Familienunternehmens erst vier Jahre später, als Windmüller die Westfälische Metall-Industrie Aktien-Gesellschaft (WMI) am 11. Juni 1899 in das Geschäftsregister der Stadt Lippstadt eintragen ließ. Zu den ersten Produkten gehörten Kerzenlaternen sowie Petroleum- und Acetylengas-Seitenlaternen für Autos.
Die erste Produktinnovation des jungen Unternehmens war der Acetylenscheinwerfer „System Hella“ – erst viele Jahre danach sollte Hella auch als Unternehmensname verwendet werden, doch dazu später. Im Jahr 1908 vorgestellt, besaß der „System Hella“-Scheinwerfer eine plankonvexe Linse, die sich hinter dem Brenner befand. Ihre konvexe Fläche war mit Silbermetall hinterlegt, sodass sie das auftreffende Licht reflektierte. Gegenüber Metallreflektoren konnte die Linse durch den notwendigen Schleifvorgang wesentlich präziser angelegt werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Kerzen oder Petroleumlaternen war die Leuchtkraft um das Fünfzigfache heller.
Entwicklung der Biluxlampe
Neben der Lichtausstattung lieferte die WMI auch Ballhupen, Sirenen, Beschläge, Schlösser, Peitschenhalter, Griffe und weitere Accessoires. Zusätzlich zum Standort Deutschland besaß die WMI in dieser Zeit bereits Filialen in London, Paris, Wien, Barcelona, Mailand und New York. Die Expansion schlug sich markant in den Geschäftszahlen nieder. Während der Umsatz im Jahr 1911/12 ganze 1,8 Millionen Mark betrug, konnte die WMI zwei Jahre später schon 2,5 Millionen Mark umsetzen.
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte die WMI im Jahr 1924 den ersten Scheinwerfer mit Biluxlampen. Die Zweifadenlampen ermöglichten es den Entwicklern, erstmalig Abblend- und Fernlicht aus einer Lampe zu erzeugen. Für das Fernlicht nutzte der Reflektor das Licht der einen Glühwendel; das Licht der zweiten wurde durch eine Kappe teilweise abgeschirmt und vom oberen Teil des Reflektors auf die Straße gelenkt: Entgegenkommende Fahrer wurden nicht geblendet – ein Prinzip, das bis heute bei modernen Halogen-Zweifadenlampen verwendet wird.
Exklusivvertrag mit Ford Köln
Den wohl wichtigsten Grundstein für die heutige Hella KGaA Hueck & Co. legten ab 1923 und 1926 die beiden Unternehmer Oskar Eduard Hueck und Dr. Wilhelm Röpke. Mit der Übernahme der WMI im Jahr 1923 sorgte Hueck für geordnete Managementverhältnisse in einer wirtschaftlich unruhigen Zeit. Die massive Geldentwertung der Nachkriegsjahre führte zu Absatz- und Umsatzeinbrüchen, zwischenzeitlichen Werksschließungen und Entlassungen. Erst nach staatlichen Eingriffen 1933 und einer neuen Straßenverkehrsordnung besserte sich auch für die WMI die wirtschaftliche Lage.
Mit der Entwicklung des Kdf-Wagens und späteren VW Käfers im Jahr 1935 kam Schwung in die automobile Produktion in Lippstadt. Das Unternehmen lieferte Scheinwerfer, Leuchten, Signalhörner und Winker. Damit platzierte es sich als wichtiger langfristiger Partner des späteren Volkswagen-Konzerns. Ein Exklusivvertrag mit Ford Köln sicherte ab 1936 zudem die Produktion von Scheinwerfern, Hörnern und Zubehörteilen und beförderte den US-Automobilhersteller mit deutscher Produktion innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins der WMI-Umsatzstatistik. Die damaligen Automobilhersteller Noris und Auto Union (heute Audi) folgten auf den Plätzen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1938 fertigte der Zulieferer neben zivilen auch militärische Ausrüstungsgegenstände. Bereits 1935 hatte WMI als erstes deutsches Unternehmen eine Lehrlingswerkstatt zur Ausbildung von Werkzeugmachern und Maschinenschlossern eingerichtet.
Kunststoffe verdrängen Glas
Wie schon ihre Väter standen auch die Söhne Dr. Arnold Hueck und Reinhard Röpke mit ihren Einstiegen Anfang der Fünfzigerjahre in das Unternehmen für den Neuanfang der WMI. Mit den Scheinwerfern und Rückleuchten des VW Käfers konnte sich das Unternehmen wieder in die Gewinnzone manövrieren. So entfielen bereits 1950 nahezu 55 Prozent des Umsatzes auf automobile Produkte – Tendenz weiter steigend. Die Wirtschaftswunderjahre der frühen Fünfziger- und Sechzigerjahre standen bei dem Leuchtenspezialisten für eine Reihe an Neuentwicklungen.
Thermoplastische Kunststoffe zogen ab 1950 in die Großserienproduktion ein. Die WMI richtete einen eigenen Produktionsbereich für die Kunststoffverarbeitung ein, in dem die Abdeckscheiben der Zusatz- und Kleinleuchten mit präzisen, optisch wirksamen Profilen versehen wurden. Ab 1956 wurde Glas auch bei den Rückstrahlern abgeschafft, was den Automobildesignern bessere Gestaltungsmöglichkeiten lieferte. Bis heute ist die eigene Kunststoffverarbeitung für Hella ein bedeutender Eckpfeiler des Unternehmens. Neben technischen Revolutionen wie der Entwicklung des asymmetrischen Abblendlichts, das für eine bessere Ausleuchtung der eigenen Fahrbahnhälfte sorgte, konnte die WMI auch die Designer begeistern. Die Kunststoffstreuscheiben ermöglichten plötzlich eckige Scheinwerfer wie beim Ford Taunus. Darüber hinaus bauten die Lippstädter auch Lenkstockschalter und Knickspannungsgeber zur Steuerung des Scheibenwischers.
Stand: 08.12.2025
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Das Unternehmen
Gegründet im Jahr 1899 als H. Windmüller Wwe (WMI) wurde der Automobilzulieferer 1986 zur Hella KG Hueck & Co. umfirmiert. Das Portfolio ist in drei Geschäftssegmente unterteilt: Automotive (Licht und Elektronik), Aftermarket sowie Special Applications (spezielle Erstausrüstung und Industrieanwendungen). Der Hella-Konzern besaß im Geschäftsjahr 2023 über 125 Standorte in mehr als 35 Ländern und erwirtschaftete einen Konzernumsatz von 8,1 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigte das Unternehmen rund 37.500 Mitarbeiter, davon arbeiteten mehr als 9.000 in der Forschung und Entwicklung. Hella wurde, 2021 angekündigt, 2022 mehrheitlich durch den französischen Zulieferer Faurecia übernommen, der sich seither in Forvia umbenannt hat. Als rechtlich eigenständig agierendes Unternehmen ist Hella Teil von Forvia, dem weltweit siebtgrößten Zulieferer für Automobiltechnologien mit mehr als 150.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.