Wirtschaftsprognose Bevorstehende Rezession gefährdet die Unternehmen

Von Doris Pfaff

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Wegen der Energiekrise, ausgelöst durch den Angriffskrieg in der Ukraine, steht Deutschland eine Rezession bevor. Laut dem Herbstgutachten der fünf Wirtschaftsweisen ist erst ab 2024 wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum zu erwarten. Kfz-Betriebe müssten mit sinkenden Einnahmen rechnen, sagt der ZDK.

Deutschland steht 2023 eine Rezession bevor: Laut den Wirtschaftsweisen wird erst 2024 die  Wirtschaft wieder wachsen.
Deutschland steht 2023 eine Rezession bevor: Laut den Wirtschaftsweisen wird erst 2024 die Wirtschaft wieder wachsen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Für dieses Jahr erwartet der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ dank des ersten Halbjahrs ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. Für 2023 rechnen die Experten mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent. Erst ab 2024 werde sich die Lage wieder erholen: Dann sei mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent zu rechnen.

Auch die Inflationsrate steigt: laut Herbstgutachten in diesem Jahr auf 8,4 Prozent, im nächsten Jahr sogar auf 8,8 Prozent. Erst 2024 werde sich die Inflationsrate wieder normalisieren und auf rund zwei Prozent sinken.

Schon bevor am Donnerstag die Wirtschaftsweisen ihr Herbstgutachten in Berlin vorgestellt haben, hatte sich abgezeichnet, dass Deutschland eine Rezession bevorsteht. Als Ursache des Konjunktureinbruchs nennen die Gutachter die Energiekrise, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurde.

Die Folgen für die Gesellschaft haben die Volkswirte der beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute in den Titel ihres jährlichen Wirtschaftsgutachten gepackt: „Inflation, Rezession, Wohlstandsverlust“. Insbesondere die stark gestiegenen Energiekosten lassen die Preise hochschnellen. Die Wirtschaftsinstitute rechnen für den kommenden Winter bei einer normalen Witterungslage nicht mit einem Gasmangel. Die Versorgungslage bleibe jedoch angespannt.

Die Wirtschaftsforscher prognostizieren weiterhin, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften aufgrund der konjunkturellen Schwächephase sinken werde. Die Unternehmen würden allerdings den Fachkräftemangel im Blick haben und den vorhandenen Personalbestand halten wollen, „sodass die Erwerbstätigkeit nur vorübergehend geringfügig sinken dürfte“, so die Gutachter.

ZDK befürchtet weiter sinkende Einnahmen für die Betriebe

Die prognostizierte Wirtschaftslage trifft auch die Autobranche, denn die Rezession bremst das Konsumverhalten der Verbraucher. Die Angst vor einer Insolvenzwelle steigt. Was das Herbstgutachten für die Branche konkret bedeutet, bzw. womit die Kfz-Betriebe rechnen müssen, analysiert die Abteilung Betriebs- und Volkswirtschaft, Fabrikate des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Sie wird die Mitglieder zeitnah darüber informieren.

„Die Wirtschaftsforschungsinstitute bestätigen den von uns schon festgestellten Trend, dass Kunden aufgrund des kommenden bzw. bestehenden Kaufkraftverlustes Kaufzurückhaltung üben, und dies auch auf das Autohausgeschäft durchschlägt. Dass dies in 2023 noch mehr zu merken sein wird als im Jahresmittel diesen Jahres, entspricht unseren Befürchtungen“, gibt die ZDK-Betriebswirtin Ellen Schmidt vorab eine Einschätzung.

Die Nachfrage nach Neu- und Gebrauchtwagen sowie nach nicht notwendigen Werkstattdienstleistungen werde daher weiter auf einem niedrigen Niveau verharren, so Schmidt.

Die hohen Kraftstoffpreise zeigten sich bereits im geringeren Fahrverhalten der Kunden. Wenn weniger gefahren werde, spiegele sich das künftig im Werkstattgeschäft wider: Reparaturaufträge wegen Verschleißes würden automatisch sinken.

„Fachkräftemangel ist auch in unserer Branche ein Schlagwort. Wir gehen davon aus, dass auch unsere Kfz-Unternehmer die Arbeitskräftebindung in diesen schweren Zeiten der Arbeitskräfteentlassung vorziehen und somit wie auch schon die Wirtschaftsforschungsinstitute für die Gesamtwirtschaft den Arbeitsmarkt mit stabilisieren“, so Schmidt.

Die Inflation bekämen die Autohäuser und Kfz-Werkstätten auch anderweitig zu spüren. Wegen der stark steigenden Kosten, insbesondere wegen der Energiekosten, prüften Autohäuser daher, ob und wo Energieeinsparpotenziale möglich seien oder aber Preise angehoben werden müssen.

DIHK: Die Energiekrise trifft die Unternehmen bis ins Mark

Die Gefahr von Unternehmenspleiten sieht auch DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: „Rekordinflationsraten, insbesondere die explodierenden Energiepreise, treffen viele Unternehmen ins Mark. Produktionsstopps, Wertschöpfungsverluste, die Verlagerung von Produktion ins Ausland bis hin zu Betriebsschließungen sind die Folgen. Unsere Wirtschaftsstruktur und auch unser Wohlstand in Deutschland sind zunehmend in Gefahr.“

Angesichts der weiter steigenden Inflation und der Energiekrise müsse die Politik entschlossen handeln. „Alle Kraftwerke, die Energie liefern können, müssen ans Netz und bis zum Ende der Energiekrise am Markt bleiben. Alle Hürden beim Ersatz von Gas etwa beim Fuel Switch müssen abgeräumt werden. Es muss jetzt unbedingt das Maximale an Vertrauen und Berechenbarkeit für die nächsten Monate geschaffen werden. Denn aktuell steigt die Zahl der Unternehmen, die entweder gar keine oder nur noch Energielieferverträge zu Extrempreisen erhalten“, so Wansleben.

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