ZDK-Umfrage Stimmung im Autohandel ist nicht rosig

Von Doris S. Pfaff 5 min Lesedauer

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Die jüngsten Zulassungszahlen des KBA von E-Autos täuschen: Der Zuwachs basiert allein auf Eigenzulassungen, nicht auf einer Erholung des angeschlagenen Marktes für Elektromobilität. Die Autohändler rechnen sogar mit einer weiteren Verschlechterung, sagt der ZDK und verweist auf seine Umfrage.

Den schnellen Ausbau von Ladesäulen für Elektroautos, vor allem aber kostengünstigeren Ladestrom sehen die Kfz-Betriebe als entscheidend, um Stromer für Kunden attraktiver zu machen.(Bild:  Porsche)
Den schnellen Ausbau von Ladesäulen für Elektroautos, vor allem aber kostengünstigeren Ladestrom sehen die Kfz-Betriebe als entscheidend, um Stromer für Kunden attraktiver zu machen.
(Bild: Porsche)

Die Zahl der Neuzulassungen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) steigt laut den amtlichen Zulassungsstatistiken seit Jahresbeginn kontinuierlich – doch die Stimmung im Kfz-Gewerbe trübt sich weiter ein, so der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Dieses Ergebnis zeigt die Umfrage des Verbands, die er im Juni und Juli unter rund 500 Kfz-Betrieben durchführte.

Dabei bewerten die teilnehmenden Unternehmen ihre Geschäftslage, Umsatzaussichten und die Auftragslage für E-Fahrzeuge mit wachsender Zurückhaltung: Denn seit zwei Jahren schrumpft die Nachfrage bei Privatkunden und die gewerblichen Zulassungen stagnieren. Einzig die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler stimulieren die Zulassungsstatistik, ohne echte Wertschöpfung im Automobilmarkt.

„Die Geschäftssituation vieler Autohäuser und Kfz-Betriebe ist deutlich angespannter, als es die offizielle Zulassungsstatistik vermuten lässt. Die wachsende Zahl an BEV-Neuzulassungen täuscht über die Realität im Handel hinweg“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „Was statistisch als Erfolg erscheint, ist in der Realität häufig das Ergebnis von Eigenzulassungen durch Hersteller und Händler, Flottengeschäften oder taktischen Maßnahmen – nicht aber von echten Kundennachfragen im Handel.“

ZDK-Umfrageergebnis im Kontrast zu KBA-Zahlen

Laut ZDK-Konjunkturumfrage haben die Bestellungen von BEV und Plug-in-Hybriden seit Jahresbeginn sowohl im Privat- als auch im Flottenbereich trotz steigender Erstzulassungen an Dynamik verloren. Die Zulassungsstruktur des KBA zeige, dass die BEV-Wachstumsraten überzeichnet seien: Im ersten Halbjahr 2025 haben sich die Eigenzulassungen batterieelektrischer Autos durch Hersteller und Handel im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2023 mehr als verdoppelt – auf 65.401 Fahrzeuge.

Allein die Eigenzulassungen der Hersteller haben sich danach in zwei Jahren vervierfacht. Gleichzeitig ging die Zahl privater BEV-Neuzulassungen um 9 Prozent auf 82.294 Fahrzeuge zurück. Auch mit Blick auf die KBA-Zahlen von Juli ändere sich dieses Bild kaum. Ein Vergleich der kumulierten Zulassungen von Januar bis Juli der Jahre 2023 und 2025 zeige, dass die gewerblichen Zulassungen von rein batterieelektrischen Fahrzeugen um 0,8 Prozent geschrumpft seien, wenn die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler herausgerechnet würden. Laut ZDK liegen die privaten Neuzulassungen im gleichen Zeitraum um 4,5 Prozent hinter 2025 zurück.

„Das ist ein klares Warnsignal. Die Politik nimmt diese Absatzkrise nicht wahr, weil sie nur auf die Entwicklung der amtlichen Zulassungszahlen schaut“, betont Peckruhn. „Wenn wir die Elektromobilität dauerhaft im Markt verankern wollen, brauchen wir jetzt gezielte Anreize – insbesondere für Privatkunden. Superabschreibungen und höhere Listenpreissätze für die ermäßigte Dienstwagensteuer für Elektrofahrzeuge wirken nur bei den gewerblichen Zulassungen. Ohne neue Impulse wird keine Trendwende erreicht.“

Klare Erwartungen an die Politik

Vier von fünf befragten Betrieben bewerten die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität als unzureichend. Je größer der Betrieb, desto ausgeprägter die Kritik – besonders Unternehmen mit vielen Beschäftigten fordern ein entschlosseneres politisches Handeln. Ganz oben auf der Wunschliste der Kfz-Branche: sinkende Strompreise, ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und mehr Transparenz bei den Ladetarifen – mit deutlichem Abstand die Top-Forderungen an die Politik.

„Die Umfrageergebnisse sprechen eine klare Sprache: Wir brauchen dringend eine breitangelegte Förderung insbesondere privater Elektroautos, die den Namen auch verdient. Das wäre mindestens die versprochene Senkung der Stromsteuer und der Netzentgelte für alle Konsumenten. Die aktuellen Maßnahmen der Koalition sind unzureichend und einseitig nur auf hochpreisige E-Dienstwagen ausgerichtet“, so Peckruhn.

„Unsere Betriebe investieren seit über zehn Jahren in Ausbildung und Ausrüstung für E-Mobilität. Wir geraten ökologisch, technologisch und wirtschaftlich ins Hintertreffen, wenn diese Technologie jetzt nicht hochläuft", so der ZDK-Präsident.

Seit dem Wegfall der staatlichen Förderung für Elektrofahrzeuge Ende 2023 sei der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge nur leicht gestiegen. Für den Wandel zur klimaneutralen Mobilität reiche das nicht aus, so Peckruhn. Um die CO₂-Flottenziele bis 2035 zu erreichen, bräuchte es rund 100.000 zusätzliche BEV-Neuzulassungen, um einen Marktanteil von etwa 25 Prozent bei den Neuzulassungen zu erreichen. Davon sei Deutschland weit entfernt.

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Umsatzentwicklung im 2. Halbjahr: größere Betriebe pessimistisch

Bei den Umsatzerwartungen für das zweite Halbjahr zeige die Umfrage ein klares Muster: 54 Prozent der größeren Betriebe blicken pessimistischer („schlechter“ und „eher schlechter“) auf die Entwicklung bis Jahresende – deutlich mehr als bei den mittleren (44 Prozent) und kleineren Unternehmen (38 Prozent).

Für seine Halbjahresumfrage hat der ZDK bis zum 2. Juli rund 500 Autohäuser und Kfz-Betriebe interviewt – von kleineren Betrieben mit bis zu 15 Beschäftigten über mittlere (16–50) bis hin zu größeren Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden.

Beim Blick nach vorn liegen die kleineren Betriebe vorn: 23 Prozent rechnen mit einer „besseren“ oder „eher besseren“ Umsatzentwicklung, gefolgt von 19 Prozent der mittleren und 17 Prozent der größeren Unternehmen. Dies wiederum dürfte im Fokus der kleineren Betriebe liegen, die primär allein aus dem Werkstattgeschäft ihre Wertschöpfung beziehen, während bei größeren Unternehmen des Kfz-Gewerbes die Skaleneffekte aus den Autoverkäufen die Umsatz- und Ergebnistreiber sind. Unterm Strich haben jedoch 44 Prozent der befragten Betriebe ihre Umsatzerwartungen zurückgeschraubt, und nur 20 Prozent sind optimistischer – ein klarer Indikator für die angespannte Lage im Autohandel.

Händler sind sehr zurückhaltend

„Viele Händler sind zurückhaltend, was die kommenden Monate angeht“, so Peckruhn. „Vor allem die nach wie vor bestehende politische Unsicherheit in Sachen E-Mobilität, aber auch die Zurückhaltung der Kundinnen und Kunden in wirtschaftlich unsicheren Zeiten machen sich bemerkbar.“ Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe Zentralverband

Skepsis wächst mit Betriebsgröße

Größere Betriebe sehen die aktuelle Geschäftslage mit wachsender Skepsis – 55 Prozent bewerten sie „schlechter“ oder „eher schlechter“ im Vergleich zu Jahresbeginn. In mittleren Betrieben liegt der Anteil der Pessimisten bei 46 Prozent, bei den kleineren bei 34 Prozent. Wegen der vergleichsweise guten Konjunkturlage für Werkstätten seien kleinere und mittlere Betriebe zuversichtlicher: 22 Prozent der kleineren und 19 Prozent der mittleren Unternehmen sehen eine Verbesserung ihrer Geschäftssituation – unter den größeren Betrieben sind es lediglich 15 Prozent.

Bei Neufahrzeugbestellungen von Benzin- und Dieselmodellen zeige das Umfrageergebnis ein weitgehend stabiles Bild im Vergleich zum Jahresbeginn. Anders als bei BEV und PHEV bleibe die Spannbreite zwischen positiven und negativen Einschätzungen relativ konstant – lediglich im Gewerbe- und Flottensegment sei eine leichte Eintrübung erkennbar.

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