Diagnose Zentral – mir doch egal?

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Vieles, was sich unter der Haube abspielt, ist für Laien ein Buch mit sieben Siegeln. Und auch dem Kfz-Profi erschließt sich so mancher Technologietrend erst auf den zweiten Blick. Aktuelles Beispiel: sogenannte Zentralrechner.

BMW hat bei seiner E-Auto-Plattform „Neue Klasse“ die Zahl der Steuergeräte nicht auf eines, aber immerhin auf vier „Superbrains“ reduziert – und damit 600 Meter Kupferkabel eingespart (Zonencontroller sind kleinere Steuergeräte).(Bild:  BMW)
BMW hat bei seiner E-Auto-Plattform „Neue Klasse“ die Zahl der Steuergeräte nicht auf eines, aber immerhin auf vier „Superbrains“ reduziert – und damit 600 Meter Kupferkabel eingespart (Zonencontroller sind kleinere Steuergeräte).
(Bild: BMW)

Kennen Sie den „Early Adopter“? Ja, ich weiß, wieder einer dieser englischen Begriffe, der bei uns in gewissen Kreisen zur elitär-typischen Ausdrucksform gehört. Man könnte auf gut Deutsch Erstanwender oder Vorreiter sagen – ich sage es. Also: Ein absoluter Vorreiter in automobiltechnischer Hinsicht ist ein Unternehmen aus dem texanischen Austin. Richtig, Tesla! Und warum? Ganz einfach: Weil die Marke keine (lange) Geschichte hat und ihre Fahrzeuge nicht auf gewachsenen Strukturen und Modellen aufbauten. Es war in technologischer Hinsicht die vielzitierte grüne Wiese, auf der die Tesla-Ingenieure vor rund 15 Jahren ihr erstes Großserienauto planen konnten. Aus dieser Tatsache resultierten zahlreiche innerhalb der Kfz-Branche bahnbrechende Ansätze und Technologien. Eine davon hört auf den Namen „Zentralrechner“.

Den ersten Sozusagen-Zentralrechner der Welt im Automobilbau präsentierte Volkswagen zusammen mit Bosch. Und zwar in Form des VW 1600 LE, dem ersten Großserienfahrzeug mit einem elektronischen Steuergerät für die Benzineinspritzung. Das war 1967/68. Was folgte, weiß jeder, der in den letzten gut 50 Jahren in einer Kfz-Werkstatt einmal gearbeitet hat, oder dies noch immer tut: Ein Steuergerät folgte dem nächsten. Bis zu 100 „Blackboxen“ in einem Auto sind es heute. Doch ist solch eine Vielzahl gut? Immer mehr Automobilentwickler sagen „Nein!“. Der Trend geht zu „weniger ist mehr“. Und das hat mehrere Gründe.