Analyse Hersteller treiben den Elektromarkt künstlich nach oben

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der deutsche Neuwagenmarkt schmiert ab, doch ausgerechnet die Elektrozulassungen springen nach oben. Dahinter stecken nicht zuletzt die Hersteller selbst. Die Händler halten sich mit Eigenzulassungen dagegen zurück.

Triste Stimmung in den Verkaufsabteilungen: Die Neuwagen-Nachfrage bleibt aus.(Bild:  Grimm – VCG)
Triste Stimmung in den Verkaufsabteilungen: Die Neuwagen-Nachfrage bleibt aus.
(Bild: Grimm – VCG)

Der Verfall des privaten Neuwagen-Kaufinteresses ist gestoppt – zumindest für einen Monat. Wie aus einer Analyse der Neuzulassungszahlen durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, erhöhte sich die Zahl der privaten Neuzulassungen im vergangenen Monat in einem schrumpfenden Markt leicht – wenn auch nur um knapp 400 Einheiten bei insgesamt 253.500 Erstzulassungen. Im Februar waren die Privatkäufe um 6 Prozent gesunken.

Das größere und weiterhin bestehende Problem sind allerdings die gewerblichen Neuzulassungen. Sie sind seit November 2024 anhaltend im Minus, zum Teil mit prozentual zweistelligen Rückgängen. So auch im März: Die Zahl der gewerblichen Erstzulassungen sank im dritten Monat des Jahres um 11,6 Prozent auf 74.251 Einheiten (oder in absoluten Zahlen: –9.750 Einheiten). Bereits im Februar waren die Zahlen in dieser Größenordnung rückläufig.

Immer deutlicher kristallisiert sich damit heraus, dass Zulassungszahlen deutlich jenseits der Drei-Millionen-Marke der Vergangenheit angehören. Mit einem jährlichen Zulassungsergebnis von 2,8 Millionen Einheiten „scheint sich ein neues Normal einzustellen“, schreibt Dataforce. Ob es dafür in diesem Jahr reicht, scheint allerdings ungewiss. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, landet der Markt eher bei 2,6 Millionen Einheiten. „Im März hat sich die Krise im deutschen Pkw-Markt noch einmal verschärft“, sagt Julian Litzinger, Automotive Analyst bei Dataforce.

Neben den beiden nachfragegetriebenen Absatzkanälen sind auch die Vertriebskanäle mit nachgelagerten Verkaufschancen unter Druck. Die Autovermieter nahmen im März 9 Prozent weniger Fahrzeuge ab als im Vorjahresmonat. Und auch der Fahrzeughandel steht in Sachen Eigenzulassungen auf der Bremse (–8 %) – eigentlich ungewöhnlich bei einem schwach laufenden Primärmarkt.

Hersteller treiben Elektroquote nach oben

Das Heft des Handels übernehmen dafür die Hersteller und Importeure. Die Eigenzulassungen auf die Autobauer selbst schossen im März förmlich durch die Decke. Knapp 22.000 Einheiten bedeuten ein Plus von 32,6 Prozent. Damit kamen 5.400 Einheiten mehr über die Hersteller auf die Straßen als im Vorjahresmonat.

Dahinter steckt nicht zuletzt das Interesse der Autobauer, die Elektroquote zu erhöhen und den CO2-Flottenausstoß zu senken. Laut Dataforce stiegen die Erstzulassungen von Plug-in-Hybriden im Fahrzeugbau um 58 Prozent und bei BEV-Modellen sogar um 106 Prozent. „Insgesamt kamen so allein durch den Fahrzeugbau rund 3.000 zusätzliche E-Autos in den Markt.“ Die Marktentwicklung zeige derzeit an vielen Stellen die Nachfrageschwäche, wodurch „taktische Zulassungen wieder vermehrt notwendig sind“.

Über alle Segmente hinweg legte der Elektromarkt zu. Der Anteil an BEV und PHEV lag bei 27,3 Prozent. Vor allem Plug-in-Hybride legten zu: um 66 Prozent. Die BEV-Zulassungen wuchsen dagegen „nur“ um 35 Prozent. Im Privatmarkt ging es für die PHEVs sogar wie im Sturm nach oben (+157 %). Die BEV-Zulassungen wuchsen in diesem Marktsegment nur um 24 Prozent.

Transportermarkt ist etwas resilienter

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Transportermarkt, wobei der Privatmarkt überraschend deutlich zulegte (+13 %). Mit einem Rückgang um 8 Prozent ist die derzeitige Nachfrage-Zurückhaltung der gewerblichen Kunden aber auch im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities zu spüren. Die Autovermieter machten im März einen Bogen um diese Fahrzeuge. Ihre Erstzulassungen brachen um 23 Prozent ein.

Ähnlich zurückhaltend wie die Vermieter ist der Fahrzeughandel selbst. Dagegen ergibt sich bei den taktischen Zulassungen das gleiche Bild wie im Gesamtmarkt: Die Hersteller und Importeure weiten ihre Zulassungen um 55 Prozent aus. Auch hier dürfte die Stützung der Elektrifizierung ein Grund sein. Die Neuzulassungen von E-Transportern legten um 40 Prozent zu, während Benziner und Diesel um 10 und 11 Prozent verloren. Der Anteil elektrifizierter Modelle am Transportermarkt bleibt mit 7 Prozent aber anhaltend gering.

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