Hohe Schadstoffwerte in China-Reifen

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Der Verband der europäischen Reifenhersteller hat bei einer Untersuchung den Schadstoff PAK in Reifen gefunden. Betroffen sind vor allem chinesische Fabrikate.

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Seit dem 1. Januar 2010 gelten in Europa scharfe Grenzwerte für Schadstoffe in Reifen, besonders für die sogenannten Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Ob die EU-weit verkauften Reifen diese Vorschriften einhalten, hat der Europäische Verband der Reifen- und Gummihersteller (ETRMA) in einem Prüfprogramm untersucht. Das Ergebnis ist beunruhigend: Elf Prozent aller geprüften Reifen erwiesen sich als nicht ordnungsgemäß.

Über mehrere Monate hat der ETRMA insgesamt 110 Reifen getestet, die unter 45 Markennamen auf einigen der größten Reifenmärkte in der EU verkauft werden. Zwölf Produkte von insgesamt neun Marken wiesen zu hohe PAK-Werte auf und verletzten damit die EU-Chemikalienrichtlinie Reach. Alle beanstandten Reifen kamen aus China.

Die Spitze des Eisbergs?

„Elf Prozent sind Grund zur Sorge, wenn man bedenkt, dass etwa 100 Millionen Reifen jährlich in die EU importiert und auf den Markt gebracht werden,“ erklärt Dr. Francesco Gori, Präsident der ETRMA und Vorstandsvorsitzender von Pirelli Tyre. „Die gefundenen Reifen könnten sehr gut nur die Spitze des Eisbergs sein.“

Alle in der EU und anderen Ländern außerhalb Chinas hergestellten Reifen erwiesen sich im Test als Reach-konform. Der ETRMA weist aber ausdrücklich darauf hin, dass im Test andere chinesische Reifen die Grenzwerte eingehalten haben. Auch bei den betroffenen Marken gab es Reifen, die unter den Limits blieben.

Von den Markenherstellern war lediglich Kumho betroffen – auch in einem in Deutschland gekauften Kumho-Reifen fanden die Tester einen überhöhten PAK-Wert. Sonst handelte es sich bei den auffälligen Produkten um No-Names wie Westlake, Zeetex, Hero, Linlong, Fullrun oder Gremax.

Keine direkte Gesundheitsgefahr

Der ETRMA betont allerdings auch, dass diese Reifen keine unmittelbare Gefahr darstellen. Schließlich waren PAK noch bis Ende 2009 allgemein in der Reifenproduktion üblich. Der Verband sorgt sich lediglich darum, dass manche Reifenhersteller und -importeure neben Reach nun auch andere Gesetze ignorieren könnten, die sich mit der Sicherheit und Umweltfreundlichkeit von Reifen befassen: beispielsweise die ab 2012 geltende Kennzeichnungsverordnung, die Verbraucher über die Leistungsfähigkeit von Reifen aufklären soll.

Angesichts der Ergebnisse des Prüfprogramms fordert die ETRMA die Behörden der EU und der Mitgliedstaaten auf, ihre Prüf- und Durchsetzungsmaßnahmen zu intensivieren. „Gesetzgebung ohne wirksame Folgemaßnahmen und Durchsetzung schadet. Zuzulassen, dass nicht ordnungsgemäße Reifen in die Europäische Union eingeführt werden, untergräbt nicht nur die Glaubwürdigkeit der EU-Gesetzgebung, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher getäuscht werden,“ resümiert Francesco Gori.

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