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Bosch will Rußpartikel bei Benziner reduzieren
Bosch-Chef Volkmar Denner ging zu Beginn seiner Rede auf der IAA zunächst auf die Technik für Verbrennungsmotoren ein: „2030 werden drei von vier Neuwagen Diesel- oder Benzinmotoren an Bord haben, mit oder ohne Hybrid.“ Deshalb sehe er bei Bosch die Pflicht, weiter in diese Technologie zu investieren. „Unser nächstes Ziel ist die Partikelreduktion beim Benziner“, machte Denner deutlich. Gegenüber den Euro-6-d-Benzinern sollen die Feinstaubemission um 70 Prozent reduziert werden. Bei der E-Mobilität sieht Denner eine Trendwende und damit ein deutlich steigendes Wachstum dieses Segments. In den vergangenen 18 Monaten konnte der Zulieferer im Bereich Elektromobiliät Aufträge über insgesamt 13 Milliarden Euro Bestellwert verzeichnen.
Außerdem werde der Brennstoffzellenstack des Partners Powercell zu einem Bosch-Stack weiterentwickelt. Auf der IAA zeigt Bosch unter anderem das gemeinsam mit Benteler entwickelte Rolling Chassis eines Elektrofahrzeugs. Die Plattform ist skalierbar und soll die Segmente B bis E bedienen können. Kunden könnten auch einzelne Module des „Benteler Electric Drive System“ in Auftrag geben.
Garrett mit E-Turbolader
Der aus dem Honeywell-Konzern ausgegründete Zulieferer Garrett ist hierzulande vor allem für seine Turbolader bekannt – und stellte auf der Messe einen elektrisch angetriebenen Verdichter vor. Er leistet maximal sechs Kilowatt und soll ab dem Jahr 2021 auf dem Markt erhältlich sein. Der Turbo funktioniert im 48-Volt-Bordnetz und kann auch mit höheren Spannungen betrieben werden. Eine Besonderheit: Überschüssige Energie aus dem Abgasstrom kann der Rekuperation dienen, der Elektromotor im Turbolader dient dann als Generator, der dem Bordnetz elektrische Energie zuführt. Laut Hersteller gebe es einige Fahrzyklen, in denen der E-Turbo mehr Energie rekuperiere, als er im Fahrbetrieb aufnimmt.
Katalysator-Modell für Euro 7 von Tenneco
Unter anderem um die effiziente Abgasreinigung ging es am Stand des amerikanischen Unternehmens Tenneco. Die „Clean Air“ genannte Sparte des Unternehmens die sich mit der Reinigung von Abgasen beschäftigt, zeigte unter anderem den SCR-Katalysator, den Mercedes aktuell in seinen Fahrzeugen mit längs-eingebauten Dieselmotoren einsetzt. Der ADAC hatte einen C220-Diesel Anfang des Jahres auf der Straße getestet und dabei ein überraschend positives Ergebnis erzielt: Der Stickoxidausstoß des Modells lag zwischen null und einem Milligramm pro Kilometer. Außerdem zeigt der Zulieferer Abgasanlagen für Hybridfahrzeuge, Leichtbau-Nachschalldämpfer und einen Prototypen eines sogenannten „Turbo Bypass Catalyst“: ein Katalysator für Hybridfahrzeuge, bei dem nach einem Kaltstart der Abgasstrom am Turbolader vorbei direkt in den Katalysator geleitet wird – mit entsprechend geringerem Emissionsausstoß während der Warmlaufphase. Stichwort: Euro 7.
Orbitalpumpe für Adblue von Ebm-Papst
Stichwort: Adblue. Um das Additiv an die richtige Stelle zu bringen, hat Ebm-Papst eine sogenannte Orbitalpumpe entwickelt. Die drehzahlregelbare und einfriersichere Pumpe pumpt das Additiv aus einem Tank zu einer Düse im Katalysator. Wird das Fahrzeug abgestellt, saugt die Pumpe die Flüssigkeit zurück in den Tank – und verhindert so, dass Adblue in der Leitung verbleibt. Hintergrund: Die Restflüssigkeit würde bei Temperaturen unterhalb von -7 °C in den Leitungen gefrieren und sie so blockieren.
Zudem ist der Sitzkomfort ein Thema: Für die aktive Sitzklimatisierung entwickelt der Hersteller von Elektromotoren und Ventilatoren spezielle Radial- und Axialkompaktlüfter. Sie saugen die kühlere Luft unter dem Sitz an und verteilen die Luft gleichmäßig über die Sitzfläche – die Transpirationsfeuchte nimmt ab und der Sitzkomfort steigt, vor allem auf längeren Fahrten. Im Mittelpunkt der Entwicklung aller E-Motoren steht dabei natürlich deren Energieeffizienz – und das Thema „Power on Demand“, also das Nutzen der elektrischen Motoren nur bei Bedarf. Ein Beispiel: Heutige Klimaanlagen in Fahrzeugen verbrauchen bei Volllast zwischen acht und zwölf Kilowatt. Meist wird der gesamte Fahrzeuginnenraum gekühlt – das ist jedoch nicht notwendig, wenn nur der Fahrer im Fahrzeug sitzt. Entsprechend angesteuerte oder deaktivierte Innenraumlüfter können so ihren Teil zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch beitragen.
Mann und Hummel: Schutz für den Brennstoffzellen-Stack
Stichwort: Innenraum. Der Filtrationsspezialist Mann und Hummel zeigte auf der IAA einen gemeinsam mit dem Frontend-Hersteller HBPO entwickelten Feinstaubfilter. Er ist platziert zwischen Kühler und Stoßfänger und soll so Partikel auch von vorausfahrenden Fahrzeugen aufnehmen. Zusätzlich zeigte das Unternehmen seinen passiven Bremsstaubpartikelfilter, der direkt am Bremssattel montiert ist und die Partikel direkt dort auffängt, wo sie entstehen.
Außerdem ging es um den Schutz der Komponenten des Brennstoffzellen-Stacks. Ein neues Luftführungssystem für den Kathodenpfad soll vor Partikeln und schädlichen Gasen in der Ansaugluft schützen und unerwünschte Strömungsgeräusche eliminieren.
Nachrüst-Satz für Euro-5-Diesel
Ebenfalls mit geringen Emissionen beschäftigen sich Dr. Pley und Bosal. Das Nachrüstkonzept für Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 5 senkt die Emissionen der Fahrzeuge, so dass diese von den aktuellen Diesel-Fahrverboten in Städten nicht mehr betroffen sind. Derzeit ist das System für Modelle von Mercedes-Benz und Volvo verfügbar. Entwickelt hat es Dr. Pley, Bosal produziert mit seinen Fertigungskapazitäten die Systeme.
Uveye: Fahrzeuginspektion bei bis zu 30 km/h
Das israelische Unternehmen Uveye hingegen, hat primär den „schönen Schein“ im Blick: Das im Jahr 2016 gegründete Unternehmen hat ein auf künstlicher Intelligenz basierendes System entwickelt, mit dem sich Anomalien am Fahrzeug automatisiert erkennen lassen: zum Beispiel Lecks, Rost, Beulen und Kratzer, Probleme an Bremsen oder Motor bis hin zu illegalen Objekten wie Bomben und anderen Bedrohungen, die für die Sicherheitsindustrie relevant sind. Das System basiert nutzt drei Module, die die unterschiedlichen Fahrzeugbereiche scannen: Fahrzeugunterboden, ein 360-Grad-Scanner für die Oberseite des Fahrzeuges und zwei Scanner, die links und rechts vom Fahrzeug platziert Räder und Reifen inspizieren.
Unterboden, Räder und Reifen lassen sich bis zu einer Durchfahrtsgeschwindigkeit von 30 km/h sicher scannen. Anhand von Referenzbildern kann das System Aussagen dann treffen, ob und wenn ja, welche Form einer Anomalie vorliegt. Skoda und Volvo setzen das System bereits in der Produktion ein, denkbar ist auch der Einsatz im Rahmen der Hauptuntersuchung. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen seinen ersten deutschen Standort in München eröffnen.
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