Immer flüssig sein, heißt die Devise

Autor / Redakteur: Ellen Schmidt,
Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe e. V., Abteilung Betriebs-, Volkswirtschaft / Joachim von Maltzan

Um immer genügend Geld in der Kasse zu haben, muss ein Unternehmer ein effektives Liquiditätsmanagement betreiben.

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Verspätete Zahlungen der Kunden oder Forderungsausfälle gehören zu den häufigsten Pleiteursachen in Deutschland, denn sie können zu schwerwiegenden Liquiditätsengpässen führen. Deshalb ist es für jedes Unternehmen äußerst wichtig, neben einem Forderungsmanagement auch ein aktives und wirksames Liquiditätsmanagement zu betreiben. Das Ziel des Managements muss es sein, dass das Autohaus jederzeit liquide bleibt, also seine Zahlungsfähigkeit bewahrt, um Verbindlichkeiten (wie z. B. Löhne) begleichen zu können.

Liquiditätskennzahlen gibt es einige. Die am häufigsten verwendeten sind die Liquidität 1., 2. und 3. Grades. Für Autohäuser besitzt die Liquidität 3. Grades allerdings die größte Aussagekraft, da sie die Lagerbestände (Fahrzeuge und Ersatzteile) in die Betrachtung einbezieht.

Kennzahlen als wichtige Leitlinien

Die Liquidität 3. Grades gibt an, inwieweit ein Unternehmen die kurzfristigen Verbindlichkeiten (Fälligkeit binnen eines Jahres) mit den vorhandenen Zahlungsmitteln (wie Kassen-, Bankguthaben, Schecks), Forderungen und Warenbestände (Umlaufvermögen) ausgleichen kann. Der Sollwert liegt hier bei deutlich über 100 Prozent (mindestens 130 Prozent). Wenn ein Autohausmanger aus dieser Kennzahl Entscheidungen und Maßnahmen ableiten will, muss er jedoch beachten, dass er die Vorräte erst in liquide Mittel umwandeln müsste und dass Forderungseingänge zeitlich versetzt zu den Fälligkeiten der Verbindlichkeiten eingehen können.

In diesem Zusammenhang ist auch die Kennzahl Working Capital zu erklären. Sie beschreibt den gleichen Sachverhalt wie die Liquidität 3. Grades. Allerdings bildet diese Kennzahl nicht das Verhältnis von Umlaufvermögen und Verbindlichkeiten ab, sondern errechnet deren Differenz: Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten.

In jedem Fall muss das Working Capital größer null sein. Denn wenn es einen negativen Wert ausweist, ist die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit gegeben. In diesem Fall würde das Umlaufvermögen nicht ausreichen, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Außerdem wäre dann das nach der goldenen Bilanzregel langfristig zu finanzierende Anlagevermögen kurzfristig finanziert.

Liquiditätskennzahlen spiegeln lediglich die Liquiditätssituation zum Bilanzzeitpunkt wider. Daher eignen sie sich nur für einen Zeitvergleich – also um Veränderungen gegenüber den Vorjahren festzustellen oder um sie mit Branchenwerten zu vergleichen. Bei nicht zufriedenstellenden Werten muss das Management nach Möglichkeiten suchen, um diese Kennzahlen wieder zu verbessern.

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