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Ionity dreht an der Preisschraube

Autor: Christoph Seyerlein

Bisher kostete ein Ladevorgang an Ionity-Säulen pauschal acht Euro – egal wie viel Strom man zog. Ab Ende Januar verlangt der Anbieter stattdessen 79 Cent pro Kilowattstunde. Das kann für Nutzer spürbar ins Geld gehen.

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Derzeit sind 203 Ladestationen von Ionity am Netz.
Derzeit sind 203 Ladestationen von Ionity am Netz.
(Bild: Audi)

Ladesäulenbetreiber Ionity ändert zum 31. Januar sein Bezahlmodell. Wie Michael Hajesch, Chef des Joint Ventures, im Interview mit dem Magazin „Edison“ ankündigte, ist dann der bisherige Pauschalpreis von acht Euro pro Ladung Geschichte. Stattdessen verlangt Ionity künftig 79 Cent pro Kilowattstunde. Hinter dem Unternehmen stehen unter anderem Volkswagen, BMW, Daimler, Ford und Hyundai.

Hajesch bezeichnete dies als „faires und transparentes Preismodell“. Zwar liege man damit künftig bei den Kosten „leicht über dem europäischen Gesamtmarkt“, bezogen auf die Leistungen, die Ionity biete, sei das Preis-Leistungsverhältnis aber gut. Derzeit hat das Unternehmen in 20 europäischen Ländern 203 Stationen am Netz, 53 befinden sich im Bau. An Ionity-Stromtankstellen können vier bis sechs Elektroautos gleichzeitig mit bis zu 350 kW Grünstrom „tanken“.

Ob das neue Preismodell auch bei Kunden als fair ankommen wird, scheint fraglich. Denn im Einzelfall kann es für sie im Vergleich zu bisher deutlich stärker ins Geld gehen, eine Ionity-Ladesäule zu nutzen. Beispielsweise zahlen Porsche-Taycan-Fahrer künftig etwa 73 Euro, wenn sie ihren 90-Kilowatt-Akku komplett bei Ionity aufladen. Die Reichweite des Taycan liegt laut Hersteller bei 450 Kilometern. Zum Vergleich: Ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, das auf 100 Kilometern durchschnittlich zehn Liter Kraftstoff verbraucht, kann bei einem Spritpreis von 1,40 Euro pro Liter für 73 Euro gut 520 Kilometer weit fahren.

Keine Sorge vor ausbleibender Kundschaft

Der bisherige Vorteil von E-Autos bei den Verbrauchskosten steht zumindest für Ionity-Kunden also künftig schwer in Frage. Dennoch glaubt Hajesch nicht, dass die Maßnahme Kunden vom Kauf eines Stromers abschrecken könnte. „Die Kaufentscheidung wird nicht nur vom Ionity Preispunkt auf der Langstrecke abhängen, der nur fünf bis zehn Prozent des jährlichen Ladebedarfs ausmacht“, so der Manager. Man müsse auch die anderen Anwendungsfälle Heim-/Arbeitsplatz und öffentliches Laden berücksichtigen, wonach sich schon heute Vorteile gegenüber Diesel und Benzin ergeben könnten.

Dass Ionity dank der Preisanpassungen in absehbarer Zeit Gewinne erwirtschaftet, erwartet Hajesch nicht. Das Projekt sei aber von vornherein langfristig angelegt worden. Im vergangenen Jahr habe man bereits mehr als 200.000 Ladevorgänge an den eigenen Säulen verzeichnet.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«