Beschluss des EU-Rats Jährliche Hauptuntersuchung ist vom Tisch

Von dpa/gr 3 min Lesedauer

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Eine jährliche Hauptuntersuchung für ältere Fahrzeuge war einer der Aufreger des Jahres 2025. Nun scheint der Vorschlag vom Tisch. Ältere Pkw haben zwar häufiger Mängel, aber die Quote rechtfertigt keine zehn Millionen zusätzliche Untersuchungen im Jahr.

Der Sinn regelmäpiger Hauptuntersuchungen für die Verkehrssicherheit liegt auf der Hand. Jährlich muss die Inspektion aber nicht sein.(Bild:  Philipp Reinhard/Kröner/GTÜ)
Der Sinn regelmäpiger Hauptuntersuchungen für die Verkehrssicherheit liegt auf der Hand. Jährlich muss die Inspektion aber nicht sein.
(Bild: Philipp Reinhard/Kröner/GTÜ)

Die EU-Staaten sprechen sich gegen eine jährliche Pflichtinspektion von Autos aus, die älter als zehn Jahre sind. Damit stellen sie sich gegen einen Vorschlag der EU-Kommission, der die Verkehrssicherheit in Europa erhöhen sollte.

Zustimmung für die Position bekommen die EU-Staaten vom ADAC und aus den Reihen der EVP im Europaparlament. Der Automobilclub bewertet die vom Rat der EU beschlossenen Positionen zur Hauptuntersuchung überwiegend positiv und begrüßt insbesondere die Entscheidung, die jährliche HU für ältere Fahrzeuge nicht weiterzuverfolgen, ausdrücklich.

„Die jährliche HU für ältere Fahrzeuge würde für Autofahrerinnen und Autofahrer erhebliche Belastungen bedeuten, obwohl ein jährlicher Turnus aus Sicht der Fahrzeugtechnik und der Verkehrssicherheit nicht notwendig ist. Dass der Rat der EU den Vorschlag der EU-Kommission ablehnt, ist ein wichtiges Signal, das Gehör finden sollte“, sagte ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze.

Der CDU-Abgeordnete Jens Gieseke unterstützt diese Position: Der Kommissionsvorschlag hätte für viele vor allem höhere Kosten bedeutet. „Ein Gewinn an mehr Verkehrssicherheit aber ist fraglich.“

Lob für E-Call-Regelung – Kritik an NOx-Messung

Positiv bewertet der ADAC zudem die Klarstellung des Rates, dass der Wegfall des 2G/3G-Mobilfunknetzes und die daraus resultierenden Folgen für den E-Call keinen Mangel im Rahmen der HU darstellen. Hintergrund ist, dass das E-Call-Notrufsystem bei vielen Fahrzeugen auf 2G/3G basiert. Diese Entscheidung schaffe Rechtssicherheit für Fahrzeughalter.

Kritisch sieht der Club hingegen, dass der Rat ähnlich wie die EU-Kommission eine separate NOx-Messung befürwortet. Der ADAC hält eine zusätzliche Messung für nicht erforderlich, da die bereits im Fahrzeug verbauten Sensoren zuverlässig plausible Messwerte hinsichtlich der Fahrzeugemissionen lieferten und die Messungen für Verbraucherinnen und Verbraucher Mehrkosten bedeuten würde.

EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas hatte im Frühjahr gesagt: „Die EU ist fest entschlossen, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis 2030 um 50 Prozent zu senken.“ Der Vorschlag der Kommission ziele auf unsichere Fahrzeuge ab, die zu Unfällen, Todesfällen und Verletzungen beitrügen. Ältere Fahrzeuge seien pannenanfälliger, zudem hätten Studien gezeigt, dass sie häufiger in Unfälle verwickelt seien und einen höheren Anteil an Fahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß hätten.

Deutliche Unterschiede bei Mängelquoten

Die Statistik gibt der Kommission teilweise recht: 2024 gab es in Deutschland insgesamt 22 Millionen Hauptuntersuchungen von Pkw. Zehn Jahre oder älter waren dabei 10,7 Millionen Autos. Bei den Autos ab einem Alter von zehn Jahren oder mehr stellten die Prüfer allerdings deutlich häufiger Mängel fest – konkret bei 51,7 Prozent der vorgeführten Fahrzeuge. Bei den Autos unter zehn Jahren war dies nur bei 19 Prozent der Fall.

Gefährliche Mängel oder die Verkehrsunsicherheit stellten die Prüfer bei den älteren Fahrzeugen in 1,2 Prozent der Fälle fest, bei den Autos unter 10 Jahren in 0,17 Prozent der Fälle.

Längerer politischer Prozess

In Deutschland müssen Fahrzeuge in der Regel alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung, unabhängig davon, wie alt ein Fahrzeug ist. Für Neuwagen steht die erste Inspektion nach 36 Monaten an. In vielen EU-Staaten müssen ältere Autos bereits jährlich zur Inspektion. Müssten ältere Autos nicht mehr alle zwei Jahre, sondern jährlich zur HU, wäre mit einer Dimension um 10 Millionen zusätzlicher Pkw-Hauptuntersuchungen pro Jahr zu rechnen.

Nach der heutigen Einigung im Rat sind die Themen noch nicht final beschlossen. Das EU-Parlament wird erst im April 2026 seine Position festlegen, und erst dann können die Trilogverhandlungen starten. Nach der Einigung im Trilog wird es eine finale Fassung des Gesetzes geben.

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