Umfrage Jede fünfte freie Werkstatt plant ohne Hochvolt-Kunden

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Der Ersatzteileanbieter Meyle hat eine Studie unter freien Werkstätten in Auftrag gegeben und diese zu ihrer Ein- und Aufstellung in Sachen E-Mobilität befragt. Zwei Erkenntnisse: Elektrofahrzeuge spielen bei vielen noch keine Rolle. Und viele Betriebe haben Nachholbedarf in Sachen E-Qualifikation.

E-Mobilität ist für viele freie Werkstätten bislang kein relevantes Thema.(Bild:  Autoren-Union Mobilität/Eon/ Malte Braun)
E-Mobilität ist für viele freie Werkstätten bislang kein relevantes Thema.
(Bild: Autoren-Union Mobilität/Eon/ Malte Braun)

Der Kfz-Teilehersteller Meyle hat eine Umfrage unter freien Werkstätten zur E-Mobilität in Auftrag gegeben. Eine wenig überraschende Erkenntnis: Aktuell ist E-Mobilität für die meisten freien Werkstätten noch kein Business-relevantes Thema: Nur drei Prozent machen heute schon mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Stromern. Das werde sich innerhalb der nächsten zehn Jahre grundlegend ändern, so die Studienmacher: Etwas weniger als jede zweite Werkstatt (39 Prozent) plant in diesem Zeitraum, einen Großteil des Umsatzes mit Elektroautos zu machen.

Das zeigt: Die Trendentwicklung hin zur E- Mobilität geschieht langfristig und erfolgt nicht so schnell, wie ursprünglich prognostiziert. Fakt ist aber auch: Der Bedarf nach Leistungen für Elektrofahrzeuge ist da. Kunden mit elektrifizierten Antrieben besuchen bereits heute regelmäßig freie Werkstätten. 40 Prozent der Befragten geben an, mindestens einmal bis mehrmals wöchentlich Elektroautos auf dem Hof stehen zu haben. Dabei sind Reifenwechsel aktuell noch das häufigste Anliegen (58 Prozent), gefolgt von allgemeinen Reparaturarbeiten (49 Prozent) und Bremsen-Service (38 Prozent).

Eine Studie hat freie Werkstätten zu ihren aktuellen und künftigen Herausforderungen sowie Chancen befragt (zum Vergrößern bitte anklicken). (Bild:  Meyle AG)
Eine Studie hat freie Werkstätten zu ihren aktuellen und künftigen Herausforderungen sowie Chancen befragt (zum Vergrößern bitte anklicken).
(Bild: Meyle AG)

Für die Reparatur von Elektrofahrzeugen schreibt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen eine stufenweise Qualifizierung vor, die sich unterscheidet in Allgemeine Arbeiten, Arbeiten im spannungsfreien Zustand und Arbeiten an unter Spannungen stehenden Hochvoltsystemen.

Für die aktuelle Nachfrage nach vorwiegend allgemeinen Reparaturen sind die allermeisten Werkstätten gerüstet: 78 Prozent dürfen Stromer begrüßen. Allerdings darf davon nur eben ein Drittel diese allgemeinen Arbeiten durchführen. Weitere 25 Prozent sind qualifiziert, im spannungsfreien Zustand zu warten. Nur jede fünfte Werkstatt darf ans Hochvoltsystem ran und auch unter Spannung stehende Bauteile tauschen. Mit Blick auf die steigende Bedeutung von Stromern für den Umsatz gibt es in den nächsten Jahren noch hohen Qualifizierungsbedarf.

Diese Dienstleistungen werden relevant

Das Bewusstsein dafür ist bei den befragten Werkstätten vorhanden. Beispiel: Bezüglich des Bedarfs an Weiterbildungsprogrammen geben 70 Prozent an, dass Schulungen im Bereich der E-Mobilität für die Zukunft am wichtigsten seien. Zu den Erkenntnissen aus der Studie zählt aber auch, dass es viele Werkstätten gibt, die sich auch künftig ausschließlich auf die Wartung von Verbrennern konzentrieren wollen: Knapp jede fünfte Werkstatt (19 Prozent) plant, gar keinen Umsatz mit Elektroautos zu machen. Das könnte an den zahlreichen Herausforderungen der Zukunft liegen.

Die Digitalisierung ist längst auch im freien Aftermarket angekommen. Die Integration des „Internet of Things“ (IoT) in Fahrzeuge und die Nutzung von Echtzeit-Fahrzeugdaten bestimmen bereits heute viele Neueinführungen von OEMs. Für die Zukunft der Freien Werkstätten heißt das: Ihr Dienstleistungsangebot muss sich ändern. Mit der höchsten Relevanz (83 Prozent) für das zukünftige Werkstattgeschäft wird die Wartung und Reparatur von Fahrassistenzsystemen bewertet.

Drei Viertel der Befragten geben außerdem an, dass die Optimierung von Software zur Steigerung der Werkstattleistung sowie die Reparatur bzw. Wartung von Fahrzeug-Infotainmentsystemen künftig stark nachgefragte Anliegen sein werden.

Auch das Thema Nachhaltigkeit sehen freie Werkstätten stärker auf sich zukommen: So vermuten sie, dass die umweltfreundliche Entsorgung beziehungsweise das Recycling von Autobatterien die zweitwichtigste Dienstleistung (77 Prozent) der Werkstatt der Zukunft sein werde.

Das wünschen sich Werkstätten von ihren Partnern

Freie Werkstätten brauchen Unterstützung, um Dienstleistungen auch künftig anbieten zu können. Dabei setzen sie vor allem auf Ersatzteilehersteller: 64 Prozent der Befragten geben diese als wichtigste Partner an. Dicht gefolgt von Software- und Diagnosetool-Anbietern (58 Prozent) sowie Großhändlern (52 Prozent).

Von Ersatzteileherstellern wünschen sie sich dabei insbesondere Zugang zu Diagnosetools- und Reparaturleistungen (65 Prozent), die Bereitstellung von spezifischen Schulungen und Zertifizierungen (65 Prozent) sowie Online-Plattformen für technischen Support (60 Prozent). Neben Schulungen zu Elektro- und Hybridfahrzeugen wünschen sich Werkstätten (70 Prozent) Schulungen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz (60 Prozent) sowie Fortbildungen zu neuen Service- und Kommunikationstechnologien (58 Prozent).

Die Ergebnisse zeigen laut Meyle, dass freie Werkstätten Lösungen jenseits der üblichen Teileherstellung benötigen, um künftig Schritt halten zu können. Die meisten unabhängigen Player sind viel zu klein, um allein einen Unterschied zu machen.

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Deshalb will der Teilehersteller gemeinsam mit der Branche an Ideen für den freien Aftermarket der Zukunft schrauben. Basis dafür ist die Dialogplattform „IAM:Connect“, die ins Leben gerufen wurde, um zu verstehen, was Werkstätten, Kunden und Partner aktuell bewegt und um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Das Hamburger Unternehmen möchte allen ermöglichen, Teil der Transformation zu werden und diese mitzugestalten.

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