„Karosserie-Reparatur ist ein Schwerpunkt des Gewerbes“

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Schadensteuerer wie Versicherungen und Fuhrparkmanager stzen das Gewerbe unter Druck. kfz-betrieb sprach mit ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk über die Herausforderungen für die Karosserie-Instandsetzer.

Anbieter zum Thema

Redaktion: Das Kfz-Gewerbe muss sich immer mehr auf den Druck der Schadensteuerer, den enormen Investitionsbedarf und hohe technische Anforderungen einstellen. Welche Bedeutung hat die Unfallreparatur heute noch für die Betriebe

Wilhelm Hülsdonk: Das Karosserie- und Lackgeschäft allgemein und das Geschäft mit dem Unfallschaden insbesondere sind immer noch Schwerpunkte des Kfz-Gewerbes. Allerdings steigen die Anforderungen in einem schrumpfenden Markt. Trotz des gestiegenen Pkw-Bestands, gehen die Schadensfälle zurück. Das liegt unter anderem daran, dass die Fahrzeuge in den vergangenen Jahren weniger bewegt werden. Es gibt derzeit etwa acht Millionen versicherungsgedeckte Unfallschäden im Jahr oder klarer ausgedrückt: 300 marktrelevante Schäden pro 1 000 zugelassenen Autos. Das sind nur die Schäden, die von der Versicherungswirtschaft übernommen werden. Parallel dazu werden neue Karosserie- und Lackbetriebe gegründet oder Autohäuser vergrößern eine Karosserie- und/oder Lack-Abteilung.

Die Arbeit nimmt ab, aber die Anzahl der K & L-Betriebe zu. Wie ist das zu erklären

In erster Linie liegt das daran, dass Werkstätten sich breiter aufstellen und Ersatz für Geschäftsfelder schaffen. Die Automobile sind standfester – auch im Bereich der Verschleißteile. Das führt dazu, dass die Wartungsintervalle verlängert werden. Werkstätten fehlt demzufolge die notwendige Auslastung. Daher sucht der Kfz-Unternehmer zwangsläufig nach neuen Geschäftsmöglichkeiten. Und diese Suche führt ihn auch zu Karosserie und Lack. Das heißt, viele Betriebe, die früher keinen Karosseriearbeitsplatz hatten, richten diesen heute ein. Es steigt also nicht unbedingt die Anzahl der Betriebe, aber auf jeden Fall die Anzahl der Arbeitsplätze. Es wird also immer mehr Kapazität am Markt installiert, obwohl dies eigentlich betriebswirtschaftlicher Unsinn ist. Dazu kommt, dass auch das notwendige Personal nicht zur Verfügung steht. Jedoch arbeitet das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe an diesem Punkt, beispielsweise mit dem Berufsbild des Mechanikers für Karosserie-Instandhaltungstechnik – auch wenn wir zurzeit nicht genügend geeignete Auszubildende haben.

Wenn die Kapazitäten steigen und die Arbeit sinkt, wird das letztlich den Kunden freuen, weil die Reparaturen preiswerter werden.

Der Kunde entscheidet immer weniger. Wir müssen uns auf neue Marktparameter einstellen: Zunehmend bestimmt nicht mehr der, der hinter dem Lenkrad sitzt, was mit seinem Unfallfahrzeug geschieht, sondern ein anderer. Das kann ein Flottenmanager, ein Fuhrparkmanager, eine Leasinggesellschaft, der Autohersteller oder eine Versicherung sein. Schon 60 Prozent der Autofahrer entscheiden nur indirekt selbst, wo ihr Auto im Fall der Reparatur hingeht.

Ist es für den K & L-Betrieb nicht ziemlich egal, wer das entscheidet Hauptsache ist doch, dass repariert wird.

Nein, egal ist das auf keinen Fall. Jeder Unfall muss als Einzelfall betrachtet werden, denn die Unfälle und die Schadensbilder sind nicht gleich. Selbst das soziale Umfeld des Kunden spielt dabei eine Rolle. Die Bedürfnisse eines Fahrers eines alten Fiat Panda sind sicherlich andere, als die eines SLK-Fahrers. Sobald das Reparaturvolumen gebündelt wird und in der Verantwortung von so genannten Schadenmanagern liegt, wird das Ganze aber nur noch als anonyme Statistik betrachtet. Der Kunde mit seinen individuellen Wünschen spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch die Preisverhandlungen verlaufen anders.

Also Reparaturvolumen gegen Rabatt

Ja, Flottenbetreiber, Leasinggesellschaften, zunehmend die Autohersteller und die Versicherungswirtschaft steuern das Reparaturvolumen über ihr Schadenmanagement in bestimmte Betriebe und fordern dafür entsprechende Nachlässe. Das ist durchaus legitim. Allerdings hat das seine Grenzen. Ein Nachlass im zweistelligen Bereich auf die Stundenverrechnungssätze lässt sich betriebswirtschaftlich nicht mehr erklären. Solche Nachlässe sind selbst bei einer hundertprozentigen Auslastung nicht möglich.

Wird dadurch die Unfallreparatur verramscht

Das will ich so nicht sagen. Allerdings ist die Wertigkeit der Unfallreparatur ein Thema, das alle Beteiligten im Auge behalten müssen. Nicht nur die Betriebe, weil sie sonst die notwendige Rendite nicht mehr erwirtschaften können. Nehmen wir zum Beispiel die Versicherung: Wenn der Unfallschaden seinen „Schrecken“ verliert, dann wird der Verbraucher wenig Interesse an einer Vollkaskoversicherung haben. Heute gehen viele Versicherungen bei einem Kaskoschaden dazu über, dem Geschädigten schon ein Ankaufangebot zu machen wenn der Schaden bezogen auf den Fahrzeugwert zwischen 50 und 60 Prozent liegt. Manchmal wird hierfür der Wiederbeschaffungswert sogar angehoben. Da ist der Kunde dann eher geneigt, das Auto abzugeben, denn er würde ja auf dem Gebrauchtwagenmarkt nicht mehr so viel Geld für sein Auto bekommen.

Soll man also angesichts dieser Herausforderungen dem Kfz-Unternehmer eher zu- oder abraten, wenn er über Investitionen im Bereich K & L nachdenkt

Das ist sehr schwierig, hierzu einen wirklich guten Rat zu geben, denn es gibt keinen Königsweg. Der Unternehmer muss sich sein direktes Umfeld genau anschauen. Nur wenn er weiß, wer sich in seinem Gebiet tummelt und in welchen Bereichen seine Wettbewerber Schwächen haben, kann er wirklich eine fundierte Entscheidung treffen.

Welche Bedeutung haben die Spot-Repair-Verfahren Ist es für den Unternehmer nicht ohnehin besser, erst einmal hiermit zu starten

Die kleine Reparatur – um einmal den deutschen Begriff zu nennen – gehört im K & L-Geschäft unbedingt dazu. Die Unternehmen müssen dies heute anbieten. Deshalb sollte der Kfz-Meisterbetrieb damit beginnen, bevor er seinen Kunden die ganz große Karosserie- und Lack-Kompetenz anbietet. Ein Betrieb, der als ersten Schritt die Spot-Repair-Verfahren nicht beherrscht, braucht den zweiten Schritt erst gar nicht zu tun, er strauchelt.

(ID:217575)