Umfrage So denken Deutsche über gebrauchte E-Autos

Von Cara Stibolitzki 4 min Lesedauer

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Autoscout 24 befragte mehr als 1.000 Autofahrer hinsichtlich ihrer aktuellen Kaufeinstellung und vorherrschenden Bedenken gegenüber gebrauchten E-Fahrzeugen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass insbesondere bei den Rahmenbedingungen noch Nachbesserungsbedarf besteht.

(Bild:  Seyerlein/»kfz-betrieb«)
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Der Online-Automarkt Autoscout 24 hat die Ergebnisse einer Befragung zur Einstellung von Autofahrern gegenüber gebrauchten Elektrowagen veröffentlicht. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Innofact unter 1.045 Autofahrern in Deutschland durchgeführt. Dabei wurde erhoben, wie die derzeitige Haltung gegenüber bereits gefahrenen Stromern ist und welche Bedenken bezogen auf den Kauf vorherrschen.

Anlass für die Umfrage bot eine im Januar veröffentlichte Analyse interner Daten von Autoscout 24. Die Analyse gab Einblicke darüber, wie sich das Gebrauchtwagenangebot für E-Fahrzeuge innerhalb der vergangenen vier Jahre entwickelt hat. Dabei zeigte sich, dass das Angebot im Elektrosektor allmählich zunimmt, während bei den Preisen ein Abwärtstrend zu erkennen ist. Für Käufer sind dies erfreuliche Entwicklungen. Doch sind Autofahrer überhaupt an Elektrofahrzeugen aus zweiter Hand interessiert? Die folgenden Umfrageergebnisse liefern Antworten.

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Kaufinteresse nach wie vor verhalten

Laut der Umfrage beabsichtigen insgesamt 22 Prozent der Befragten, ein gebrauchtes E-Auto zu kaufen. Dabei planen 12 Prozent den Kauf bereits konkret innerhalb der kommenden zwei Jahre. Das betrifft vor allem Männer und Personen unter 30 Jahren.

Bei jedem vierten Autofahrer ist die Haltung weniger eindeutig. Zwar schließen sie den Kauf eines elektrischen Gebrauchtwagens nicht aus. Allerdings warten sie darauf, dass sich die Rahmenbedingungen ändern. Beispielsweise, indem das Ladesäulen-Netz stärker ausgebaut wird.

Für 43 Prozent kommt die Investition in einen Stromer aus zweiter Hand nicht in Frage. Besonders ausgeprägt ist diese Haltung bei Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren. Unter ihnen lehnen 56 Prozent einen solchen Kauf ab. Die Kaufbereitschaft für Elektroautos aus zweiter Hand scheint somit mit zunehmendem Alter abzunehmen.

Bedenken bei Reichweite und Gefahrenpotenzial

Die Umfrage zeigt, dass 95 Prozent der Befragten Vorbehalte bezüglich der technischen Zuverlässigkeit von gebrauchten Elektroautos haben – unabhängig von einem geplanten Kauf. Besonders großes Zögern besteht in Bezug auf die Zuverlässigkeit gebrauchter Batterien: 75 Prozent der Befragten äußern Bedenken hinsichtlich Leistung und Lebensdauer bei bereits gefahrenen Modellen.

57 Prozent hegen zudem Zweifel an der aktuellen Verfügbarkeit von Ladesäulen. Steigende Energiekosten sind für die Hälfte der Befragten ein Sorgenfaktor. Besonders ausgeprägt ist dies bei der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen (57 %). Zudem haben 41 Prozent Bedenken aufgrund möglicher Gefahren – insbesondere mit Blick auf die Brandgefahr. Hier stimmen Frauen (50 %) häufiger zu als Männer (33 %).

Fit für den Gebrauchtwag-E-n – Von A wie Aufbereitung bis E wie Elektrifizierung

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Während sich der Gebrauchtwagenhandel wieder erholt hat, ist die Lage bei gebrauchten E-Fahrzeugen, die vermehrt auf den Markt kommen, angespannt. Wer jetzt erfolgreich agieren möchte, muss strategisch, taktisch und praktisch versiert vorgehen. Wichtig sind professionelle Abläufe, ein zeitgemäßes Marketing und ein wacher Blick für die Chancen, die der Gebrauchtwagenmarkt hergibt. Beim Deutschen Remarketing Kongress am 28. Februar 2024 geht es genau um diese Themen.

Subventionen als wichtiger Einflussfaktor

Mit dem Auslaufen des Umweltbonus im Dezember 2023 entfällt ein bedeutender Anreiz für Käufer. Im Unterschied zu Herstellerzuschüssen galt diese staatliche Förderung unter bestimmten Voraussetzungen für gebrauchte Elektroautos. Daher sollten die Teilnehmer der Befragung ebenfalls angeben, ob sie durch derartige Subventionen eher dazu bereit sind, ein gebrauchtes E-Auto zu erwerben.

Mehr als die Hälfte der Befragten (58 %) gibt an, dass Subventionen ihre Kaufbereitschaft positiv beeinflussen würden. Vor allem Menschen zwischen 18 und 39 Jahren stimmen zu, dass sie durch Subventionen eher zum Kauf eines Stromers aus zweiter Hand bereit wären. Allerdings zeigte sich in dieser Altersspanne bereits bei der Frage zur grundlegenden Kaufeinstellung die größte Offenheit.

Fazit: Vorurteile bleiben bestehen

Die Kaufbereitschaft für gebrauchte Elektroautos ist in Deutschland noch verhalten, denn Vorbehalte und Sorgen sind weit verbreitet. Die zügigen Entwicklungen in der Elektromobilität könnten jedoch in den kommenden Jahren dabei helfen, viele der genannten Bedenken zu reduzieren. Akku-Experten wie Professor Maximilian Fichtner gehen bereits jetzt davon aus, dass die Anschaffung eines bereits gefahrenen Elektroautos nicht mehr Nachteile oder Risiken mit sich bringt als der Kauf eines gebrauchten Verbrenners.

Fichtner ist Direktor des Helmholtz-Instituts für elektrochemische Energiespeicherung in Ulm und spezialisiert auf Batterieforschung. Er bewertet die vorherrschenden Sorgen folgendermaßen: „Die Entscheidung gegen ein Elektroauto aufgrund von befürchteten Reparaturkosten, ohne ähnliche Bedenken bei Verbrennern zu haben, zeigt, dass es derzeit viele unbegründete Vorurteile gibt. Dies gilt auch für die Sorge, ob eine E-Auto-Batterie spontan Feuer fangen kann. Laut der schwedischen Zivilschutzbehörde MSB brennen Verbrenner im Schnitt 19 Mal häufiger als E-Fahrzeuge. Laut der US-amerikanischen Verkehrswacht ist es sogar der Faktor 30.“

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Fichtner betont ebenfalls, dass vor allem neuere Elektromodelle auch nach mehreren Jahren noch über 95 Prozent ihrer ursprünglichen Batteriekapazität verfügen. Hier kann ein sogenannter „State of Health-Test“ vor dem Kauf für mehr Sicherheit sorgen. Dieser kann beispielsweise durch Prüforganisationen durchgeführt werden. Die Zunahme der Ladesäulen-Dichte und weitere Forschungsergebnisse können ebenfalls dazu beitragen, mögliche Bedenken bezüglich gebrauchter Stromer abzuschwächen.

Weitere Informationen zu der Umfrage finden Sie hier.

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