Mit E-Fuels können Autos mit Verbrennungsmotoren so klimaneutral unterwegs sein wie E-Autos. Vorausgesetzt, die Politik stellt dafür die Weichen. Dass dies rein technisch möglich ist, will der ZDK nun mit einem eigenen „E-Fuel-Auto“ zeigen.
ZDK-Geschäftsführer Werner Steber mit dem E-Fuels-Fahrzeug vor dem Haus des Kfz-Gewerbes in Bonn.
(Bild: Pfaff – »kfz-betrieb«)
Wären nicht die Werbeaufschriften, käme der anthrazitfarbene Golf VII recht unscheinbar daher. Tatsächlich aber hat es das 2018 gebaute Auto in sich: Es fährt mit E-Fuels. Zumindest vorübergehend. Unter dem Titel „E-Fuels for Future“ startet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe gemeinsam mit dem ADAC und Uniti Ende Juni das gemeinsame Projekt.
„E-Fuels for Future“, das gemeinsame Projekt von ZDK, ADAC und Uniti, wird unter anderem von der TAK, der Automechanika und der Vogel Communications Group (»kfz-betrieb«, »autoFACHMANN«, »autoKAUFMANN«)unterstützt.
(Bild: ZDK)
Im Mittelpunkt steht ein Golf VII, der in den nächsten Monaten ausschließlich mit synthetisch hergestelltem Kraftstoff betankt, gefahren und getestet wird. Bei dem Modell handelt es sich um ein gebrauchtes Serienfahrzeug, an dem keine technischen Änderungen vorgenommen wurden.
Die ersten Ergebnisse will der Zentralverband zur Automechanika im September vorstellen. Was genau in den folgenden Monaten geplant ist, erläutert ZDK-Geschäftsführer Werner Steber von der Abteilung Werkstätten und Technik: „In zwei großen Blöcken findet die große Feldstudie statt. Ziel der Studie ist zu demonstrieren, dass der Einsatz von E-Fuels in Autotanks problemlos möglich ist, ohne dass sich das negativ auf die Fahr- oder Motorleistung auswirkt.“ Er ist davon überzeugt, dass der Fahrer selbst keinen Unterschied feststellen wird.
Unterschiede gibt es dagegen bei den Emissionen. Denn die bei der Verbrennung von synthetisch hergestellten Kraftstoffen anfallenden CO2-Emissionen seien für die Produktion des Kraftstoffs aus der Luft aufgenommen und im Kraftstoff eingelagert worden, betont Steber.
Genau das motivierte das Kfz-Gewerbe zu der E-Fuels-Studie: Mit nicht-fossilem Kraftstoff im Tank könnten auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren weitgehend klimaneutral unterwegs sein, vorausgesetzt, die Politik macht für diese Technologie den Weg frei bzw. stellt die Weichen für Investoren, so die Sichtweise des Zentralverbands.
Ein wichtiger Bestandteil des ZDK-Projekts sind der Abgastest auf dem Prüfstand durch den ADAC. Im Vordergrund der Messungen stehen die Fragen nach den Emissionen und dem Verbrauch. Zur Vergleichbarkeit fanden bereits erste Untersuchungen statt: Alle Messungen, die nach der Betankung durch E-Fuels durchgeführt werden, hat der ADAC bei dem gebrauchten Golf auch durchgeführt, als noch fossiler Kraftstoff im Tank war.
Eine solche Studie gab es in dem Ausmaß nach Auskunft von Steber bisher nicht. Die dazu erforderlichen E-Fuels hat der Projektpartner Uniti, der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen, aus einer Versuchsanlage zur Verfügung gestellt. Im ersten Schritt 200 Liter. Die Zusammensetzung des synthetisch hergestellten Kraftstoffs und des fossilen Standardkraftstoffs hat der ADAC genau dokumentiert. Steber: „Wir setzen hier auf volle Transparenz und Nachvollziehbarkeit.“
Um belastbare Ergebnisse zu erhalten, hat sich der ZDK auch „Die Autodoktoren“ von Fabucar mit ins Boot geholt, die in ihrer Kfz-Werkstatt und im Alltagsbetrieb die Fahr- und Motorleistung genau prüfen. Die Untersuchungen werden medienwirksam auf dem Youtube-Kanal der Autodoktoren veröffentlicht.
Steber erhofft sich für den Einsatz von E-Fuels in Autotanks durch dieses Projekt viel Rückenwind durch den Verbraucher, ungeachtet der umstrittenen Entscheidung des EU-Parlaments Anfang Juni, ab 2035 in Europa keine Autos mehr mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen.
Denn mit E-Fuels hätten auch Verbrenner unter dem Aspekt des Klimaschutzes eine Zukunft. Die größte Hürde dabei ist natürlich, dass grüne E-Fuels, also solche, die aus Strom hergestellt werden, der mit Sonnen- und Windkraft produziert wurde, in den erforderlichen Mengen vorerst nicht zur Verfügung stehen. Das weiß auch Steber: „Wir wollen zunächst einmal zeigen, dass es rein technisch funktioniert, Autos mit synthetischem Kraftstoff annähernd klimaneutral fahren zu lassen.“
Der ZDK erhofft sich ferner, ein Umdenken in der Politik zu erreichen, die sich bisher auf die Elektromobilität als die Antriebstechnologie für den Autoverkehr der Zukunft fokussiert hat. „Wir wären dankbar, wenn in der Politik eine ernsthafte Auseinandersetzung mit E-Fuels für den Straßenverkehr stattfinden könnte“, sagt Steber.
Bedenken zur Herstellung von E-Fuels hat Steber keine. Diese ließen sich ökologisch vertretbar in sonnenreichen Gegenden auch außerhalb Europas produzieren. Dort könnte mit Hilfe von Solarenergie ausreichend Strom für ihre Herstellung entstehen.
Stand: 08.12.2025
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Grundsätzlich ist der Einsatz von E-Fuels in der Luft- und Schifffahrt sowie beim Güterverkehr geplant, nicht aber beim Autoverkehr. Zwar wären die Investitionskosten dafür massiv, aber die Möglichkeiten für die Wirtschaft langfristig enorm, weil sich synthetisch hergestellter Kraftstoff vielseitig verwenden ließe, betont Steber. Außerdem könnte die vorhandene Infrastruktur weiter genutzt werden.
Es werde natürlich einige Zeit brauchen, bis ausreichende Mengen an E-Fuels zur Verfügung stünden. Steber: „Aber es ist möglich, sofern die Politik die Grundlagen und damit die Planungssicherheit für Investoren schafft, die solche Anlagen bauen würden. Für die Umwelt und eine wirksame CO2-Einsparung kann gar nicht schnell genug mit dem Aufbau dieser Anlagen begonnen werden.“
Die ersten Ergebnisse von „E-Fuels for Future“ stellt der ZDK auf der Automechanika (13. - 17. September 2022) in Frankfurt vor. Unterstützt wird das E-Fuel-Projekt des ZDK unter anderem von der Automechanika und der Vogel Communications Group, dem Mutterhaus von »kfz-betrieb«; »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN«.