Autohaus Lengen Klein, aber auffällig

Von Jens Rehberg 2 min Lesedauer

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Keine hundert Gebrauchtwagen verkaufte Gunther Lengen letztes Jahr in seinem kleinen, freien Autohaus. Seit er den Betrieb übernommen hat, konnte er den durchschnittlichen GW-Ertrag verdreifachen.

Freier Händler Gunther Lengen mit seiner Mutter Ingrid.  (Bild:  Rehberg / VCG)
Freier Händler Gunther Lengen mit seiner Mutter Ingrid.
(Bild: Rehberg / VCG)

Eigentlich ist der Familienbetrieb mit fünf Mitarbeitern und zwei Teilzeitkräften seit Jahrzehnten mit Peugeot verbunden; einst auch über einen Händlervertrag, bis vor ein paar Jahren dann noch als Vermittler. Mit dieser Art der Partnerschaft war die Familie Lengen aber nicht mehr zufrieden. Den Peugeot-Servicevertrag hat sie allerdings behalten. „80 Prozent des Werkstattumsatzes machen wir mit Peugeot-Fahrzeugen“, erläutert Gunther Lengen, der das Autohaus seit 2021 leitet. Für seinen Gebrauchtbestand kauft der Händler seit zweieinhalb Jahren aber verstärkt andere Marken zu. „Peugeot hat kein Modell mehr, das über 1,6 Tonnen ziehen kann, weil Stellantis die Motorenpalette stark reduziert hat“, sagt Lengen. In Ostfriesland, östlich von Bremen, wo Lengen beheimatet ist, transportieren die Menschen nicht selten Pferde oder Boote. „Mehr als zwei Drittel meiner Kunden haben eine Anhängerkupplung“, betont Lengen.

„Ich kaufe am liebsten, was mir selber gefällt“

Aktuell kauft der Händler den Löwenanteil seiner Gebrauchten über Auktionen zu. Dabei agiert er vor allem nach Bauchgefühl – „ich kaufe am liebsten, was mir selber gefällt, weil ich das auch am besten wieder verkaufen kann.“ Nicht selten sind das dann höherwertige Modelle und Sportwagen, „keine Mainstream-Marken; und maximal Smart-Repair-bedürftig.“ Für einen solchen Mix reicht die Kaufkraft in Lengens Heimatregion allerdings nicht immer aus. Deshalb wohnen über die Hälfte der Kunden 400 Kilometer und weiter weg oder auch im Ausland. „Hierzulande gefahrene Autos sind im Ausland sehr beliebt, weil man dort glaubt, dass Deutsche alle 5.000 Kilometer Ölwechsel machen und die Felgen mit der Zahnbürste reinigen.“ Lag der durchschnittliche Ertrag pro Fahrzeug 2022 noch bei rund 700 Euro, konnte Lengen ihn mit dem Zukauf höherwertiger Fahrzeuge mittlerweile auf zwischen 2.000 und 2.500 Euro anheben. Sichtbarkeit für seinen kleinen, feinen Fahrzeugbestand erzeugt Gunther Lengen in erster Linie über Mobile, aber auch über Instagram, Youtube und Facebook. Inhaltlich fährt der Unternehmer dabei in Sachen Social Media zweigleisig: Zum einen setzt er in Zwei-Minuten-Clips auf Erklärvideos zu modellspezifischen technischen Themen. Zum anderen nutzt er die Plattformen für eine emotionsgeladene Präsentation seiner Fahrzeuge. „Kostet mich keinen Cent“, sagt der Händler. Zudem hat er das Genre der Erklärvideos noch zu einem anderen Zweck für sich entdeckt: „Bei Rückrufaktionen zeigen wir damit anschaulich, was wir mit welchen Teilen konkret am Fahrzeug machen.“ Wenn betroffene Kunden dann anrufen, schickt Gunther Lengen ihnen einfach über Whatsapp den entsprechenden Link. „So muss ich das nicht x-mal erklären – spart richtig Zeit.“