OLG-Urteil zum Reifenwechsel Kunde trägt keine Schuld, wenn sich Radmuttern lösen

Von Doris Pfaff

Wer nach einem Radwechsel später nicht wie empfohlen die Radmuttern kontrolliert, trägt keine Mitschuld, sollte es deshalb zu einem Unfall kommen. So urteilte das Oberste Landgericht München. Den Hinweis auf die Radmutterkontrolle sollten sich die Kfz-Werkstätten dennoch nicht sparen, rät der ZDK.

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Nach dem Radwechsel empfehlen Werkstätten ihren Kunden, den Sitz der Radmuttern nach 50 Kilometern noch einmal zu kontrollieren. Das sollten die Betriebe auch weiterhin tun, rät der ZDK.
Nach dem Radwechsel empfehlen Werkstätten ihren Kunden, den Sitz der Radmuttern nach 50 Kilometern noch einmal zu kontrollieren. Das sollten die Betriebe auch weiterhin tun, rät der ZDK.
(Bild: ProMotor Volz)

Das Landgericht München, das sich zuerst mit dem Fall beschäftigt hatte, hatte anders entschieden und einem Fahrer die Mitschuld an seinem Autounfall gegeben, der durch ein gelöstes Rad verursacht worden war. Der Halter war gut 100 Kilometer vorher zum Radwechsel in seiner Kfz-Werkstatt gewesen und hatte den Hinweis auf der Werkstatt-Rechnung ignoriert. Darauf stand die Empfehlung, nach 50 Kilometern den Sitz der Radmuttern zu kontrollieren.

Weil er das nicht getan hatte, hatte ihm seine Versicherung eine Mitschuld am Unfall gegeben und nicht alle entstandenen Kosten erstattet. Diese forderte der Autofahrer daraufhin von der Kfz-Werkstatt und scheiterte vor dem Landgericht München (Az. 10 O 3894/17).

Das OLG München, bei dem der Autofahrer Berufung gegen das Urteil des Landgerichtes eingelegt hatte, entschied in seinem Urteil vom 19.5.2021 (Az. 7 U 2338/20) anders: Der Kunde trage keine Mitschuld am Unfall, selbst wenn er die Hinweise der Werkstatt ignoriert habe.

Da der Radwechsel fachgerecht erfolgt sei, müsse der Halter grundsätzlich nicht am sicheren Sitz der Radmuttern zweifeln, auch wenn die Werkstatt die Kontrolle empfehle. Ihm den entstandenen Schaden seitens der Versicherung nur anteilig zu erstatten, sei deshalb nicht rechtens, begründete das OLG München.

Außerdem könne eine Werkstatt durch einen solchen Hinweis nicht den Erfolg ihrer Arbeit an ihre Kunden delegieren. Ein solcher Werkstatthinweis könne aus Sicht des Gerichts auch dazu führen, dass Kunden vor einem Rechtsstreit mit ihrer Werkstatt zurückschreckten. Nämlich dann, wenn sie den Hinweis ignorieren und es später zu einem Schaden durch ein gelöstes Rad komme.

Hinweis auf Rechnung rechtlich nicht nötig, aber sinnvoll

Was das Urteil für die Kfz-Werkstätten bedeutet, erläutert die Juristin Marion Nikolic aus der Rechtsabteilung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK): „Nach der Entscheidung des OLG München scheint ein ordnungsgemäßer Hinweis auf eine Kontrolle und/oder Nachziehen der Radmuttern nach einem Reifenwechsel, zum Beispiel auf der Werkstattrechnung, rechtlich nicht erforderlich zu sein, weil er kein geeignetes Mittel ist, um im Falle der Missachtung des Hinweises ein Mitverschulden des Kunden zu begründen“, sagt sie.

Dennoch empfiehlt der ZDK den Werkstätten, weiterhin diesen Hinweis beispielsweise auf der Kundenrechnung zu geben, um auch im Interesse des Kunden möglichen Schäden durch ein gelöstes Rad vorzubeugen.

Ganz raus der Verantwortung ist der Kunde bei einem gelösten Rad allerdings nicht. Nikolic verweist dazu auf ein Urteil des Landesgerichts Heidelberg aus dem Jahr 2012: Wenn ein Autofahrer die Geräusche am Rad seines Fahrzeugs ignoriere, die von gelockerten Radmuttern stammen, treffe ihn sehr wohl eine Mitschuld, urteilte das Gericht.

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