Kunzmann: Von Aschaffenburg in die Welt
Das Autohaus Kunzmann aus Aschaffenburg ist Maßstab in allen wichtigen Disziplinen, die es zu meistern gilt: Service, Vertrieb, Internet, Weiterbildung und mehr. Wo liegt das Geheimnis für den Erfolg?
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Es ist gemütlich in der so genannten „Einstein-Ecke“: Hier schmeckt das Heißgetränk, ein Interzugang steht bereit und der Blick durch die Ausstellungshalle des Autohaus Kunzmann wird durch nichts getrübt. Das Licht fällt durch die Glasvitrine im Wartebereich und bricht sich in den unzähligen Trophäen, die das Unternehmen innerhalb der vergangenen Jahre gesammelt hat. Service, Vertrieb, Internet, Weiterbildung: Das Autohaus brilliert in allen Disziplinen und das Personal vermittelt das beruhigende Gefühl, alles im Griff zu haben. Selbst der Blick in die Werkstatt zeigt allerorts eine genaue Organisation, in der alles seinen festen Platz zu haben scheint. Alles wirkt entspannt.
Teilnahme an Pilotprojekt
Was gibt es noch zu sagen über ein Autohaus, dessen Geschichte schon viele Zeitungs- und Zeitschriftenseiten gefüllt hat? Ist nicht schon alles gesagt? Nein! Denn im Hause Kunzmann wird weiter an sich und den eigenen Prozessen gearbeitet. Auch ein Grund dafür, dass Mercedes-Benz den Familienbetrieb mit Hauptsitz in Aschaffenburg für ein Pilotprojekt ausgewählt hat: Werkstattprozess 2010. Als einziges Autohaus weltweit erproben und entwickeln die Mitarbeiter von Kunzmann im Nutzfahrzeugbereich ein neues Werkstattkonzept.
Nach der Auswertung soll es in allen Mercedes-Benz-Betrieben angewendet werden. „Dieses Konzept gab es bereits im Pkw-Bereich, und nun folgen die Nutzfahrzeuge. Mittlerweile ist die Pilotphase abgeschlossen“, erklärt Karl Diehm, Geschäftsführer des Autohaus Kunzmann. Dies ist eines der vorläufigen Ziele einer langen Unternehmensgeschichte.
Von Anfang an
Es war Robert Kunzmann, der 1935 die Firma als Vertreter von Mercedes-Benz gründete. Es sollte 22 Jahre und einige Umzüge dauern, bis das Unternehmen 1947 seinen Platz in der Auhofstraße in Aschaffenburg fand. Bis heute befindet sich das Autohaus Kunzmann an diesem Standort. Innerhalb dieser langen Zeit trat die Familie Diehm als Kommanditist dem Autohaus Kunzmann bei. Ernst Diehm wurde 1962 als Geschäftsführer der Firma tätig, und Wolfgang Diehm folgte ihm 1964 als Prokurist in die erste Führungsebene.
Von nun an schoss eine Kunzmann-Zweigstelle nach der nächsten aus dem Boden: Wörth am Main, ein separates Nutzfahrzeug-Centrum in Stockstadt und Alzenau standen bis 1972 auf dem Plan. Ernst Diehm schied 1979 aus dem Unternehmen aus und Wolfgang Diehm übernahm die alleinige Geschäftsführung.
Die bestehenden Betriebe forderten alle ihren Tribut, und der Geschäftserfolg verlangte nach neuen Gebäuden. Renovierungen, Ausbauten sowie die Betriebnahme eines eigenen Lack-Centers sorgten bis 1995 für strukturellen Zuwachs innerhalb der eigenen Reihen.
Die Liste füllt sich
Zusätzliche Standorte folgten 1995 in Stockstadt mit einem Nutzfahrzeugbetrieb. Im Folgejahr übernahm Kunzmann das Autohaus Kreis in Gelnhausen und 2002 die Mercedes-Benz-Vertragswerkstatt in Nilkheim. Dort errichtete das Autohaus Kunzmann 2005 ein Service-Center für VW Nutzfahrzeuge. Die Auto-Lotz GmbH aus Obertshausen war vorerst das letzte Autohaus, das sich zu den Standorten von Kunzmann gesellte.
Karl Diehm und Wolfgang Diehm, heutige Geschäftsführer des Autohaus Kunzmann, zum Thema Wachstum: „Die Betriebe, die wir übernommen haben, sind auf uns zugekommen. Uns war bei den neuen Standorten wichtig, im Rhein-Main-Gebiet zu bleiben und verkehrsgünstige Anbindungen zu haben.“ Die Entscheidungen fielen erst nach ausgiebigen Standortanalysen. Nach den jeweiligen Übernahmen habe man bewusst am bestehenden Personal festgehalten, und keinen radikalen Personalwechsel vollzogen Lagen ungünstige Strukturen vor, so übernahmen auch Führungskräfte aus den anderen Standorten die Leitung. Zuvor hatte die Geschäftsführung aber Besuche in den Betrieben durchgeführt und die Mitarbeiter mithilfe eines Kennenlernabends in das Unternehmen eingegliedert.
Vor dem Hintergrund dieser Wünsche und Entwicklungen habe das Unternehmen auch schon Angebote von Unternehmen abgelehnt. Der Geschäftsführung ist es sehr wichtig, organisch zu wachsen und weiterhin ein Familienbetrieb zu bleiben. Zudem möchte das Autohaus nicht in den Mehrmarkenhandel einsteigen. „Immerhin machen wir 90 Prozent des Umsatzes mit Mercedes-Benz-Fahrzeugen. Nicht nur deswegen möchten wir nachhaltig mit dieser Marke wachsen“, so Karl Diehm.
Mit der Zunahme von Volkswagen Nutzfahrzeuge sei man auf die Bedürfnisse der Flottenkunden eingegangen, die über einen gemischten Fuhrpark verfügen, aber dennoch ihre Fahrzeuge bei Kunzmann warten lassen möchten.
Tägliche Gesprächsrunde
Damit die Kommunikation ungehindert durch die Führungsebenen laufen kann, erfolgt ein täglicher Abgleich der Geschäftsleitung in der so genannten „Postrunde“. Daran nehmen teil: Wolfgang Diehm (Geschäftsführer), Karl Diehm (Geschäftsführer), Andreas Ballweg (Verkaufsleitung Pkw Neufahrzeuge), Claudia Schwing (Leitung kaufm. Bereich), Michael Hülsenbeck (technischer Leiter), Joachim Büttner (Leitung Verkauf Nutzfahrzeuge), Steffen Langer (Leitung Verkauf Gebrauchtfahrzeuge) und Albert Kolb (Leitung Teile und Zubehör). Damit die Kommunikation auch in alle Filialen getragen wird, trifft sich zudem alle sechs Wochen die erweiterte Geschäftsleitung. Ihr gehören auch die Betriebsleiter der einzelnen Standorte an.
Starke Zukunft
Kein Unternehmen ohne Nachwuchs: Kunzmann ist in der guten Position, jährlich aus 500 Bewerbungen für seine gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungsplätze wählen zu können. Seit diesem Jahr bildet das Autohaus zum ersten Mal auch eine Auszubildende im Bereich des Marketings aus.
Im September 2008 nahmen Karl und Wolfgang Diehm 33 neue Auszubildende für die unterschiedlichen Standorte in Empfang. „Der Einstieg ins moderne Berufsleben beginnt bei uns mit einer Einführung in unsere Unternehmensphilosophie. Hierzu gehört auch ein mehrtägiges Training in einem Landschulheim, bei dem die Kundenorientierung gelernt wird. Das Startpaket unserer Azubis beinhaltet darüber hinaus auch ein Telefontraining“, skizziert Karl Diehm in Kürze das Programm, das die Neuankömmlinge in den ersten Wochen ihrer Ausbildung erwartet.
Von Anfang an erhalten die Auszubildenden innerbetriebliche Schulungen und sind für eigene Projekte zuständig. So auch der Aktionstag „Azubis für Azubis“ oder der „Berufswegekompass“, bei dem die Auszubildenden ihre Berufe zukünftigen Schulabgängern vorstellen. Dabei verweisen sie auf die vielen Ausbildungsmöglichkeiten im Autohaus Kunzmann.
Was sich alles bei Kunzmann abspielt, findet Erwähnung in dem Kundenmagazin „Sternstunden“. Sei es das Truckerfest, eine Mercedes-AMG-Show oder Werbeaktionen im Autohaus: alles Instrumente zur Kundenbindung. Dazu zählt auch das jährliche Weihnachtsbaum-Schlagen, bei dem vornehmlich die Nutzfahrzeugkunden und ihre Familien eingeladen sind, einen Tag bei Kunzmann zu verbringen. In vorweihnachtlicher Stimmung bei Keksen und Glühwein können sich die Kunden ihren Christbaum schlagen. „2008 konnten wir das beste Lkw-Geschäft seit Bestehen des Unternehmens verzeichnen. So langsam werden die Bäume knapp in der Region“, scherzt Karl Diehm über den beachtlichen Zuwachs seines Nutzfahrzeugmarkts.
Derzeit zählt das Autohaus Kunzmann 626 Mitarbeiter an seinen neun Standorten und vertritt die Marken Mercedes-Benz, Chrysler, Jeep, Dodge, Mitsubishi Fuso, Volkswagen und VW Nutzfahrzeuge. Mit Kunzmann Tuning und Design hat das Unternehmen zudem eine eigene Marke geschaffen. Um weiterhin neue Geschäftsfelder abzudecken, wurde an den Standorten Aschaffenburg und Gelnhausen ein Stützpunkt für Autogas gegründet, der künftig noch ausgebaut wird.
Wer sich mit dem Hause Kunzmann auskennt, der ahnt schon, dass es nicht nur bei dieser einen Maßnahmen bleiben wird, um sich am Markt zu behaupten. Denn bei Kunzmann lebt es sich treu nach einem Zitat von Carl-Friedrich Benz, das in großen Buchstaben an einer Wand bei Kunzmann zu lesen ist: „Wir waren zu jeder Zeit unserer Zeit voraus.“ ?
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