Lancia Flavia Coupé: Die klassische Tugend

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Das Interieur des Coupé beeindruckt durch die perfekte Verarbeitung und die sehr hochwertigen Materialien. Das Armaturenbrett, weitaus klassischer als bei der viertürigen Flavia gezeichnet, verdient allemal seinen Namen, die verchromten Schalter wirken hochwertig – und bei unserem Fahrzeug nach fast 50 Jahren noch immer nicht verschlissen. Gestartet wird per Knopfdruck auf den eingefädelten Zündschlüssel. Das noch kalte Aggregat erwacht nach wenigen Umdrehungen zum Leben und verfällt in einen dunklen, leicht pochenden Leerlauf.

Unter der Haube steckt ein knapp 90 PS starker 1,8-Liter-Vierzylinder-Boxer, der Lancia-typisch die Vorderräder antreibt. Das Viergang-Getriebe schaltet sich leicht und ausreichend exakt. An die langen Schaltwege muss man sich allerdings erst einmal gewöhnen. Und eine gründliche Einweisung in die Schalterbatterie an der Armaturentafel ist dringend geboten, denn die Beschriftung lässt zu wünschen übrig. Wo genau die Beleuchtung oder die Scheibenwischer eingeschaltet werden, ist logisch kaum zu erschließen.

Ohne sportliche Ambitionen, aber angenehm leise

Ist der Motor erst einmal warmgelaufen, empfiehlt sich die Flavia als hervorragendes Reiseauto, wenngleich sich ihre sportlichen Ambitionen in Grenzen halten. Überschäumendes Temperament ist ihr fremd. Doch die Geräuschkulisse ist so leise, dass lange Fahrten zum Genuss werden. Der Motor agiert elastisch und erlaubt schaltfaules Fahren, hohe Geschwindigkeiten dürften das Aggregat allerdings über Gebühr strapazieren. Gut 160 km/h sind im Extremfall drin. Wer aber noch lange Freude an diesem Klassiker haben will, lässt es mit 120 bis 130 km/h sein Bewenden haben.

In forsch gefahrenen Kurven entpuppt sich die Flavia als ausgeprägter Untersteuerer, der Grenzbereich kündigt sich frühzeitig an. Das Coupé bietet einen erstaunlich ausgewogenen Kompromiss aus Komfort und angenehmer Straffheit – und eine im Konkurrenzumfeld bemerkenswerte Präzision im Fahrverhalten, die ihrer aus Amerika importierten Nachfahrin nicht schlecht anstünde. Die Sitze bieten ausreichend Seitenhalt.

Der große Kofferraum prädestiniert das Coupé ebenso zum Gran Turismo wie die luftige Kabine, die Reisen zum Genuss werden lässt. Eine Klimaanlage gab es damals nicht. Die Kabine heizt sich allerdings auch nicht so rapide auf wie heutige Autos mit ihren riesigen Glasflächen. In der Stadt ist das lange Coupé übrigens so übersichtlich, dass man das aufgeregte Piep-Konzert moderner Einparkhilfen zu keinem Zeitpunkt vermisst.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Wer mit dem zurückhaltenden Temperament leben kann, für den könnte eine Flavia noch heute im Alltag funktionieren. Aber das Auto ist selten und eigentlich zu schade, um auf Kurzstrecken und bei jedem Wetter verschlissen zu werden. Die gebotene passive Sicherheit dürfte inzwischen ebenfalls als Minuspunkt zu werten sein, wenngleich das solide verarbeitete Coupé in seiner Zeit zu den besseren Fahrzeugen seiner Kategorie gehörte.

Sicher ist jedoch, dass der Italiener damals wie heute durch Individualität und Charakter aus der Masse herausragt. Tugenden, die man auch seinem aktuellen Nachfolger wünschen mag.

(ID:35076180)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung