Millionenschaden: BDK warnt vor Finanzierungsbetrügern
Die BDK warnt aktuell vor Finanzierungsbetrügern. Seit 2015 ist mit einer raffinierten Masche bereits ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden. Zur Verantwortung werden bislang allerdings nur die Händler gezogen, die sich auf die dubiosen Geschäfte einlassen.

Die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK) warnt aktuell mit einem Schreiben Autohändler vor Finanzierungsbetrügern. Mit einer raffinierten Masche versuchen die Betrüger Autohäuser dazu zu bringen, überfinanzierte Kreditverträge für den Fahrzeugkauf bei einer Bank zu beantragen und den Überschuss an sie auszuzahlen. Die dafür nötigen Kunden werden von den Betrügern akquiriert und den Autohändlern vermittelt. Die Händler werden so zu Mittätern und wie vorliegende Fälle zeigen, mussten sie bislang für den entstandenen Schaden aufkommen, da weder Kunde noch Betrüger belangt wurden.
Auf Nachfrage von »kfz-betrieb« erläutert Nazik Tuna, Abteilungsleiterin Compliance bei der BDK, den bisherigen Umgang mit den Betrugsfällen, und warnt Autohändler auf dubiose Geschäfte einzugehen. „Die Autohändler wittern das schnelle Geld und gehen auf die Masche ein. Sie machen sich so zu Mittätern“, sagt Nazik Tuna. Häufig brechen sie dabei die vertraglichen Vereinbarungen mit der Bank, da beispielsweise Vermittlergeschäfte ausdrücklich ausgeschlossen sind. „Die Forderungen können einen Autohändler in die Zahlungsunfähigkeit treiben“, warnt Tuna . Mit überschaubaren Fallzahlen verursachen die Betrüger schnell einen Schaden von einigen hunderttausend Euro.
„Eine pauschale Antwort darauf, wer für den entstandenen Schaden aufkommen muss, gibt es nicht. Es kommt immer darauf an, wen der zuständige Richter in der Verantwortung sieht“, sagt Tuna.
Die eigentlichen Betrüger tauchten bislang unter und entgingen so der Strafverfolgung. Auch der Kunde wurde bislang nicht belangt, schließlich sei er von der Firma und dem Autohaus betrogen worden. In den bekannten Fällen wurde vom Autohaus der Ablösebetrag des Fahrzeugs zuzüglich Zinsen zurückgefordert.
So funktioniert die Masche
In dem Schreiben, das »kfz-betrieb« vorliegt, erläutert der Finanzdienstleister konkret das Vorgehen der Betrüger. Diese sprechen gezielt Autohändler an und unterbreiten ihnen eine „Geschäftsidee“. Sie hätten Kunden, die ein Fahrzeug finanzieren möchten, könnten diese aber nicht bedienen, weswegen das Autohaus die Anfrage an die Bank stellen soll.
Den Kunden wurde zuvor von den Betrügern versprochen, sie könnten das Auto für einen sehr geringen Betrag – meistens 9,90 Euro im Monat – fahren. Die Betrüger werben meist im Internet mit den vermeintlichen Schnäppchen. Die so geköderten, echten Kunden sind die regulären Darlehensnehmer und zahlen somit auch die geforderten Raten von beispielsweise 500 Euro. Sie erhalten aber dann von der Betrügerfirma 490 Euro zurück und zahlen damit tatsächlich nur die 10 Euro, die ihnen versprochen wurden. Die Zurückerstattung der 490 Euro erklären die Betrüger damit, dass an den finanzierten Fahrzeugen eine Werbefolierung angebracht sei. Die ist tatsächlich aber häufig so klein und unscheinbar, dass sie fast nicht auffällt.
In allen bekannten Betrugsfällen der BDK sind die Fahrzeuge deutlich überfinanziert. Das heißt, der Finanzierungsbetrag übersteigt den tatsächlichen Fahrzeugwert deutlich – in den meisten Fällen um 100 Prozent. Ein Fahrzeug, das einen Wert von 25.000 Euro hat, wird beim Beantragen des Kredites also mit 50.000 Euro bei der Bank angeben. „Unsere Sachbearbeiter registrieren die Überfinanzierung zunächst nicht, da sie immer nur den Grundpreis des Fahrzeugs sehen. Das heißt, Zusatzausstattungen oder Umbauten sind nicht gesondert aufgelistet“, erklärt Tuna.
(ID:44959234)