Motorenentwickler warnen vor reiner E-Strategie

Autor / Redakteur: mid/gr / Andreas Grimm

Die CO2-Diskussion wird derzeit dominiert vom Elektroauto. Diese verengte Sichtweise führt nach Ansicht der Ingenieursdienstleister FEV und IAV in eine Sackgasse. Den von Volkswagen eingeschlagenen Weg halten sie für gefährlich. Andere Hersteller sollten deutlich technologieoffener handeln.

Firmen zum Thema

E-Autos allein machen weder die Autobauer noch das Klima glücklich, sind führende Motorenentwickler überzeugt.
E-Autos allein machen weder die Autobauer noch das Klima glücklich, sind führende Motorenentwickler überzeugt.
(Bild: Continental)

Für Christoph Danzer ist das batterieelektrische Auto allein keinesfalls uneingeschränkt die beste Zukunftslösung für die Mobilität. Der IAV-Manager für Antriebstechnik und früherer Professor an der TU Chemnitz forderte auf dem Kongress „Der Antrieb von morgen“ der Fachzeitschrift MTZ eine technologieoffene Diskussion über CO2-einsparende Automobile.

Die IAV, Tochter von VW und Continental, ist eine der größten Ingenieurgesellschaften in der Automobilindustrie weltweit. Sie hat die CO2-Ersparnis aller gängigen Antriebstechniken in Relation zu den Kosten gesetzt. Demnach kann ein E-Auto, wenn die Energieerzeugung einbezogen wird, beim deutschen Energiemix im Jahr 2030 den CO2-Ausstoß auf bestenfalls 77 Gramm pro Kilometer senken. Autos mit Verbrennungsmotor liegen den Berechnungen zufolge zu diesem Zeitpunkt mit im Schnitt 95 Gramm zwar darüber, doch der Abstand laut ist Danzer „geringer als erwartet“. Und: Durch Entwicklung synthetischer Kraftstoffe ließe sich diese Lücke schließen, bei vertretbaren Kosten.

Unterstützung bekommt Danzer vom Chef des Motoren- und Antriebsentwickler FEV, Stefan Pischinger. Er warnte auf dem Kongress, die deutsche Autoindustrie dürfe nicht dem Beispiel der ausschließlichen Elektrostrategie von VW folgen. Wer sich auf E-Autos konzentriert, verliert automatisch Märkte wie Afrika oder auch Teile von China“, warnte Pischinger. Inzwischen werde das Elektroauto sogar in China kritischer beurteilt, seit die überwiegend auf Kohle basierende Energieerzeugung in die CO2-Bilanz mit einbezogen werde. Aus seiner Sicht sind die Chinesen hinsichtlich des Antriebs von morgen „auf jeden Fall technologieoffener“.

Hohe Kosten bei überschaubarem Nutzen

Mehr Technologieoffenheit fordert auch das IAV. Den Angaben zufolge würde Deutschland bei der Umstellung der kompletten Fahrzeugflotte auf Elektroautos den CO2-Ausstoß um maximal 50 Prozent verringern, allerdings würden gleichzeitig die Fahrzeugkosten um 81 Prozent steigen. Würde dagegen auf einen Mix aus Elektrofahrzeugen, Hybridfahrzeugen und effizienten Verbrennern gesetzt, ließe sich der CO2-Ausstoß um 26 Prozent senken, der Kostenanstieg läge bei nur 30 Prozent.

Gerade bei größeren Autos sieht IAV die Hybridtechnik im Vergleich zum reinen Elektroauto vorne, das wurde auf dem Automobilkongress deutlich. Zugleich sei es notwendig, verstärkt auf synthetische Kraftstoffe zu setzen, um auch den CO2-Ausstoß der vorhandenen Fahrzeugflotte kurzfristig zu reduzieren. Daneben habe „auch der Diesel weiter seine Berechtigung“, sagte Danzer.

Entscheidend im Kampf gegen CO2 ist für ihn zudem eine umfassendere Betrachtung der CO2-Quellen. Der Klimaschutz müsse eigentlich viel stärker als bisher die Emissionen von Schiffen, Flugzeugen und des Schwerlastverkehrs einbeziehen. „Hier spielt energietechnisch die Musik“, sagte Danzer. Doch auf diesen Feldern der Mobilität passiere viel zu wenig.

(ID:46330665)